Klimaanlagen in Youngtimern: Prima-Klima-Motto: Öfter mal einschalten

Klimaanlagen-Technik

Bei so manchem Youngtimer funktioniert die Klimaanlage nicht mehr. Eine Reparatur in Eigenregie ist nicht möglich, man muss sich an Experten wenden. Der erste, günstige Schritt ist eine Druckprüfung. Erst bei Druckverlust der Klimaanlage wird die Angelegenheit teurer.

Eine Klimaanlage gehörte bei vielen der heutigen Youngtimer noch zu den Luxusaccessoires. Daher waren sie vorwiegend in Oberklasseautos, in Fahrzeugen der gehobenen Mittelklasse oder teuren Sportcoupés zu finden. Wer sich nun solch einen mittlerweile 20 oder 30 Jahre alten, voll ausgestatteten Wagen für vergleichsweise kleines Geld zulegt, erlebt beim Einschalten der Klimaanlage oft eine unangenehme Überraschung: Es passiert nichts.

Häufigster Fehler: Das Kältemittel der Klimaanlage entweicht

Eine Panikattacke aus Angst vor horrenden Reparaturkosten sollte man dann zunächst einmal zurückstellen. Die Instandsetzung der Klimaanlage kann teuer werden, muss aber nicht. "Meistens ist nur das Kältemittel entwichen", beruhigt Helmut Häussermann von der Günther GmbH in Kornwestheim bei Stuttgart. Pro Jahr können bei einer Klimaanlage bis zu zehn Prozent des gasförmigen Kältemittels ins Freie entweichen, speziell wenn die Schläuche mit der Zeit spröde und porös geworden sind.

Das Schema in unserer Fotoshow zeigt den Aufbau einer Klimaanlage. Glücklicherweise sind die älteren Klimaanlagen weniger kompliziert, weil sie noch ohne aufwendige Regelung auskommen. Ein Kompressor verdichtet das gasförmige Kältemittel, das sich dabei erhitzt. Im Kondensator, der im Fahrtwind steht und dem ein Lüfter zusätzliche Luft zuführt, kühlt das Kältemittel wieder ab und verflüssigt sich. Bei seinem Weg durch den Trockner wird ihm Feuchtigkeit entzogen sowie möglicher mechanischer Abrieb vom Kompressor zurück behalten. Das Expansionsventil spritzt dann das Kältemittel in den Verdampfer der Klimaanlage, dessen Lamellen die von außen ins Wageninnere geförderte Frischluft passiert. Mit dem Heizgebläse lässt sich dieser Luftstrom - und damit bei eingeschalteter Klimaanlage die Kältezufuhr - ins Passagierabteil steigern. Im Verdampfer verwandelt sich das Kältemittel wieder zu Gas.

Wichtig: Nicht einfach Kältemittel nachfüllen

Gemeinsam mit dem Kältemittel zirkuliert im System der Klimaanlage auch eine gewisse Menge Öl, um zum Beispiel den Kompressor zu schmieren. Glücklicherweise sorgt ein Druckschalter dafür, dass sich die Klimaanlage automatisch abstellt, wenn sie nur noch zu etwa 30 Prozent gefüllt ist. So kann der Kompressor aufgrund mangelhafter Schmierung keinen Schaden nehmen. Übrigens wird speziell bei älteren Klimaanlagen der Kompressor über eine Magnetkupplung zugeschaltet, was sich in einem leichten Ruck und einem dabei dezent spürbaren Leistungsverlust des Motors bemerkbar macht.

Kommt nun ein Auto mit einer defekten Klimaanlage in die Werkstatt, schließt der Mechaniker zunächst ein spezielles Gerät an den Klimakreislauf an. Zeigen an diesem Apparat die Instrumente für Hoch- und Niederdruck nichts an, ist die Klimaanlage wahrscheinlich leer und möglicherweise undicht. "Man kann jetzt nicht einfach das fehlende Kältemittel ergänzen, weil sich nicht feststellen lässt, wie viel sich noch in der Klimaanlage befindet", erklärt Häussermann. Daher wird das noch verbliebene Kältemittel samt Öl aus der Klimaanlage abgesaugt und dabei ein Vakuum im System erzeugt. Lässt sich der erzeugte Unterdruck nicht halten, liegt mit Sicherheit eine Undichtigkeit vor. Bleibt der Unterdruck konstant, handelt es sich wahrscheinlich um den üblichen, bereits erwähnten Schwund über einen langen Zeitraum hinweg.

Das Vakuum nutzt man, um die Klimaanlage mit der vom Hersteller vorgeschriebenen Menge an Kältemittel und Öl zu füllen. Danach wird die Anlage in Betrieb genommen, und man schaut, ob Unter-, beziehungsweise Überdruck aufgebaut wird. "Anhand der Drücke lässt sich erkennen, ob der Kompressor arbeitet, ob sich der Lüfter korrekt zuschaltet oder ob der Verdampferfühler richtig arbeitet", sagt Häussermann.

Kontrastmittel entlarvt Undichtigkeiten

Funktioniert nun alles, zahlt der Fahrzeugbesitzer für diesen Check seiner Klimaanlage einschließlich der neuen Befüllung bei der Firma Günther 69 Euro. Sollte aber beim Vakuumtest eine Undichtigkeit der Klimaanlage erkannt worden sein, muss man dieses aufspüren. In diesem Fall befüllt der Mechaniker die Klimaanlage zusätzlich mit einem Kontrastmittel, das sich mit dem Öl verbindet. Ist die Anlage dann eine Weile gelaufen, werden die Bauteile und Schläuche der Klimaanlage mit einer speziellen UV-Lampe untersucht. Sollte eine Schlauchverbindung der Klimaanlage undicht geworden sein, greift man bei der Firma Günther ins Regal und stellt eine neue her - ein Service, mit dem nicht jede der heutzutage vielen Werkstätten dienen kann, die einen Klima-Service anbieten.

Klimaanlagen, die noch das sehr ozonschädliche Kältemittel R12 enthalten, sind mittlerweile selten. Die meisten wurden schon auf das Mittel R134a umgerüstet. "Demnächst kommt aber ein neues, noch umweltschonenderes Mittel auf den Markt", weiß Jörg Laukenmann, Leiter Marketing Behr Hella Service.

Wichtigster Tipp: Öfter mal einschalten

Doch bleiben wir bei den häufigsten Defekten einer Klimaanlage. So kann sich bei alten Trocknern das Granulat auflösen und zum Beispiel das Expansionsventil verstopfen. Da diese Trockner nicht im Wartungsplan der Fahrzeuge auftauchen und daher nicht von den Vertragswerkstätten gewechselt werden, empfiehlt die Firma Günther einen Austausch nach etwa fünf Jahren. Etwas teurer wird es, wenn zum Beispiel der Kondensator der Klimaanlage kaputt ist. Wegen seiner meist exponierten Stellung vorm Wasserkühler ist er Steinschlag oder im Winter Salzwasser ausgesetzt, so dass es leicht zu mechanischen Beschädigungen oder Rostschäden kommt. Der Austausch eines Kondensators und des Trockners, der stets gewechselt wird, sobald man die Klimaanlage öffnet, kostet beispielsweise bei einem Mercedes R 107 rund 750 Euro.

Sollten sich beim Einschalten der Klimaanlage merkwürdige Gerüche breitmachen, liegt das an Bakterien im Heizkasten, die man durch eine Desinfektion beseitigen kann. Kostenpunkt: 29 Euro. Allgemein gilt: Man sollte die Klimaanlage zumindest einmal im Monat laufen lassen, auch im Winter, etwa um die Luft zu entfeuchten. So bleibt sie lange fit.

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Bernd Woytal

Autor:

Motor Klassik, Heft 03 / 2010

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