Stierkampf
Acht Jahre lang betrat er fast täglich die Arena – eine Werkstatt in Stuttgart-Vaihingen. Der Gegner, den sich Wolfgang Instinsky ausgewählt hatte, erwies sich als zäh und renitent. Doch das war vorauszusehen. Weder der Unfallschaden noch die faustgroßen Rostlöcher oder das Fehlen von Motor, Getriebe und Instrumenten hatten Instinsky ihn vom Kauf abhalten können.
Sein Hang zur Perfektion kostete Instinsky unzählige Feierabende und Wochenenden. Der laxen Art von italienischer Fertigungstechnik wollte er nicht nacheifern. Mit der Präzision einer computergesteuerten High Tech-Maschine erneuerte der Restaurierer den Boden bis zum Mitteltunnel, die A-Säulen, Teile der B-Säule, alle Rahmenträger, die untere Partie des Hecks und den kompletten Vorderbau.
Technik macht wenig Probleme
Nicht ganz so problematisch wie die Karosseriearbeiten gestaltete sich die Revision der Technik. Den fehlenden Zwölfzylindermotor und das Fünfganggetriebe hatte er mittlerweile als Gebrauchtteile gekauft und unter Verwendung vieler neuer Komponenten repariert. Ähnlich aufwendig geriet die Überholung des Fahrwerks. Nach acht Jahren und 4500 Arbeitsstunden stand ein Espada auf den Rädern. Trotz aller Sorgfalt bei der Arbeit waren Wolfgang Instinskys Nerven bei der ersten Probefahrt so angespannt wie die eines Torero beim Angriff des Stiers. Doch weder Augen noch Ohren registrierten irgendwelche Unregelmäßigkeiten. Da wusste er, dass er den Kampf gewonnen hatte.




