Porsche 911-Typenberatung: Goldene Mitte - Elfer ab 35.000 Euro

Porsche 911

Die preisliche Porsche 911-Mittelklasse. Ab etwa 35.000 Euro erhält man derzeit einen ordentlichen Elfer, der sich vor den Nachbarn nicht zu verstecken braucht und seinen Wert behalten wird. dazu freie Auswahl zwischen Cabrio, Targa und Coupé.
 

Die Bandbreite in der Preisregion von 30.000 bis 40.000 Euro beschränkt sich nicht nur auf drei verschiedene Karosserie-Typen, sondern bietet auch ein gewaltiges Modellspektrum aus drei Jahrzehnten - von Anfang der siebziger bis Anfang der neunziger Jahre, von 130 bis 250 PS, vom F-Modell bis zur 964-Baureihe. So darf der angehende Porsche-Besitzer nächtelang darüber nachdenken, welcher Elfer ihn glücklich macht.

Schon mit dem 130 PS-Vergasermotor ist man flink unterwegs

Wer zum Beispiel ein frühes, chrombestücktes F-Modell in Betracht zieht, dem empfiehlt sich ein Porsche 911 T 2.4 von 1972, für das mindestens 40.000 Euro zu investieren sind. Das T steht für "Touring" und bezeichnet die von 1967 bis 1973 gebauten, vergaserbestückten Einstiegsmodelle. Eine Ausnahme bildeten die für den US-Markt bestimmten T 2.4-Modelle, die eine Einspritzanlage erhielten und 140 PS leisteten.

Doch auch mit den 130 PS aus dem drehmomentstarken Vergaser-Boxer ist man flink unterwegs. Aber: Ein deutlich teurerer Porsche 911 S 2.4 bringt es auf immerhin satte 190 PS. Weil jedoch die Motorleistung bei frühen Elfer-Klassikern vor allem für Sammler von Interesse ist, lässt sich der Verzicht auf die Mehrleistung des S im Alltag leicht verschmerzen.

"Die Leistung ist eigentlich Nebensache"

Das bestätigt auch Porsche-Händler Heinrich Botz (www.elferpool.de), der 1998 in Ubstadt-Weiher bei Bruchsal sein Geschäft eröffnete: "Kunden, die sich für einen frühen Porsche 911 interessieren, wollen genau über die Geschichte und den Zustand eines Autos informiert werden. Die Motorleistung ist eigentlich Nebensache." Deshalb sind auch gepflegte, drehmomentstarke T-Modelle inzwischen begehrt, deren Vergasermotoren gegenüber den frühen Einspritzversionen kostengünstiger zu unterhalten sind.

Immer gesucht sind auch die Targa-Varianten des Porsche 911. Wer allerdings für rund 35.000 Euro einen guten, generalüberholten Bügel-Elfer im Originalzustand kaufen möchte, muss sich mit dem jüngeren G-Modell anfreunden. Zum Beispiel ein 911 Targa von 1976 mit 2,7-Liter-Maschine im Look der Achtziger, dessen Sechszylinder mit konventioneller Bosch K-Jetronic 165 PS leistet.

Porsche-Spezialist Botz rät auch hier zum Kauf: "In den letzten Jahren entschieden sich viele Elfer-Kunden zum genussvollen Spazieren fahren oder zum Einsatz bei einer Oldtimer-Rallye immer mehr für einen Targa."

Power mit Risiko

Richtig Leistung bieten dagegen die noch immer mit der erprobten Bosch K-Jetronic ausgeruüsteten, katalysatorlosen Porsche 911 SC 3.0 von 1978 bis 1983, die derzeit ab rund 30.000 Euro gehandelt werden. Hier bewegen 204 PS (ab 8/1980) gerade mal 1.160 Kilogramm Wagengewicht, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei beachtlichen 235 km/h.

Allerdings leiden die Drei-Liter-SC aufgrund mangelnden Rostschutzes gern unter gerissenen Stehbolzen zur Zylinderkopfbefestigung. Hier rät Porsche 911-Spezialist Wolfgang Reile von Classic Power zur Sichtkontrolle auf der Hebebühne. Knattergeräusche bei kalter Maschine sind nämlich bereits mehr als ein eindeutiges Warnsignal.

Die Stehbolzen-Problematik hat sich mit dem Porsche 911 Carrera 3.2 etwas gebessert. Die von 1984 bis 1989 angebotene 3.2-Baureihe ist auch die am meisten produzierte. Coupé, Targa und Cabrio zusammengenommen, entstanden insgesamt 74.125 Einheiten.

Dank geregeltem Katalysator (Euro 1, nach Umschlüsselung auch Euro 2) können diese Youngtimer auch in den Umweltzonen gefahren werden und zum Klassiker heranreifen. Die sensibel arbeitende digitale Motor-Elektronik und ein sattes Drehmoment von bis zu 279 Newtonmeter machen diese Elfer-Generation zu problemlosen Alltagspartnern. Ein weiteres Plus: Es gibt noch viele von den rund 20.000 produzierten Porsche 911 Cabriolets.

Noch sind Porsche 911 Cabrios günstig zu haben

Porsche führte bereits zum Modelljahr 1983 mit dem Porsche 911 SC 3.0 das Cabrio ein, das den Targa zunächst nicht ablöste. Integrierte Blechteile machen das Verdeck sehr stabil und geräuscharm. Mit Hilfe eines Reißverschlusses kann die flexible Heckscheibe wie beim Ur-Targa vom Verdeck gelöst und dadurch schonender verstaut werden. Der elektrische Verdeckantrieb kam schließlich zum Modelljahr 1986.

Noch ist ein gepflegtes Zustand-Zwei-Cabriolet von 1985 und später vergleichsweise günstig und vor allem ohne Aufpreis gegenüber dem Coupé-Bruder zu haben: rund 30.000 Euro. Die heutigen Elfer-Freunde scheinen dem jungen Porsche 911 Cabrio-Spross die direkte Verwandtschaft zu den Urmodellen, sei es Coupé oder Targa, noch abzusprechen. Mit einer Ausnahme: "Die allerersten Cabrios auf Basis des SC 3.0 sind inzwischen gesucht, weil es davon nur etwas mehr als 4.000 Stück gegeben hat", räumt Porsche-Händler Botz ein. Und: "Auch die jüngeren 3.2-Cabrios, -Targa und -Coupés sind und bleiben aus meiner Sicht echte Elfer."

Dieses Statement gilt auch für den Porsche 911 Typ 964, die letzte Ausbaustufe des Ur-911 mit vergleichsweise noch schlanker Karosserie. Die 250 PS starken Coupés kosteten 1990 deftige 107.100 Mark, während zehn Jahre zuvor ein Porsche 911 SC 3.0 auf 48.750 Mark kam. Insofern sind 34.000 Euro für den 22 Jahre alten Youngtimer gut angelegt. Rost ist kein Thema, deutlich mehr als 120.000 Kilometer auf dem Tacho ebenfalls nicht.

Alles, was ein Porsche 911 braucht: der 964

Wir geben offen zu: Dem Porsche 911 vom Typ 964 fehlt die grazile Zerbrechlichkeit der frühen Elfer, auch deren kühle Eleganz und nicht zuletzt jene Lässigkeit, mit der die Schmalbereiften anderen davonfuhren. Wer aber deutlich weniger als 50.000 Euro investieren und anschließend sorgenfrei und sauschnell in einem Elfer unterwegs sein will, der ist mit dem Porsche 911 Carrera 2 (1990 bis 1993) gut bedient.

Noch stehen die Scheinwerfer und Seitenfensterrahmen des Porsche 911 frech im Wind, noch ist der Motor luftgekühlt. Genauso wichtig: Es gibt ihn in allen drei Karosserie-Varianten und bei Bedarf auch als Carrera 4 mit Allrad. Immer dabei: 250 PS und der unverwüstliche 3,6-Liter-Boxer.

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Franz-Peter Hudek

Autor:

Motor Klassik, Heft 04 / 2012

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