Alles über Citroën B 12
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Restaurierung Citroen B12: Ab ins Grüne

Das Interesse an Allerweltsautos aus der Vorkriegszeit ist minimal. Warum nur? Michael Kügelgen kann das nicht nachvollziehen. Als er auf einen Citroën B12 stieß, restaurierte er den Wagen. Und fährt heute sogar zum Einkaufen mit ihm.

"Hol ihn Dir einfach ab", sagte die Stimme am Telefon, irgendwann im Jahr 2002. "Aber vergiss nicht, eine Batterie mitzubringen - und Sprit!"

Michael Kügelgen wusste genau, um welches Auto es sich handelte. Nur wie lange mochte der alte Citroën bereits stehen? Zwanzig Jahre, vielleicht auch dreißig? Eines war sicher: Er würde weder eine Batterie noch Benzin brauchen. Sondern einen Anhänger.

"Nimm ihn Dir und mach was draus"

Der Besitzer des Vorkriegsklassikers war vor Jahren nach Südamerika ausgewandert. Manches ließ er in Deutschland zurück, als habe er Sorge, sich sonst entwurzelt zu fühlen. Doch die Zeit nagte an der alten Garage, das Dach wurde undicht, Wasser brach ein. Eine Lösung musste her, und da war Freund Kügelgen der Richtige: "Du wolltest doch immer so ein altes Auto", hörte er nun am Telefon aus der Ferne, "nun nimm ihn dir und mach was draus. Sonst geht er ganz kaputt."

Als Michael Kügelgen dem Citroën B12 mit seiner grasgrünen Torpédo-Karosserie nach vielen Jahren wieder begegnete, machte der Franzose keinen allzu schlechten Eindruck. "Auf Fotos", erzählt Kügelgen, "würde man kaum einen Unterschied zum heutigen Zustand sehen."

Zukunftsweisendes Karosseriekonzept

Und doch hat er viel Arbeit in den 1925 gebauten Wagen gesteckt, der die seltene Kombination aus einem offenen Aufbau samt großer Heckklappe ist. Sperriges lässt sich so leicht transportieren. Und bei Bedarf ist die Rücksitzbank schnell herausgenommen. Mit dieser Lösung ist der B12 Torpédo Commerciale eines der ersten Automobile, die wahlweise Personen oder Güter transportierten. Erst viel später machte diese Idee unter dem Namen Kombi eine große Karriere. Faltverdecke gehörten dann allerdings nicht mehr zum Standard.

Bereits in den siebziger Jahren war Michael Kügelgen der alte Citroën aufgefallen. Als Attraktion parkte er in einem Schauraum. "Schon damals war er technisch völlig desolat", erinnert sich der 51-jährige Maschinenbauer aus Grafschaft bei Bonn, "es reichte gerade, um mit ihm einmal um den Block zu fahren."
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Mit dem Silver Cloud zur Uni, danach ins eigene Flugzeug

Die Aufgabe des Veteranen war eine andere: Er sollte mit seinem Charme eintretende Kunden bezaubern. Dass die Scheinwerfer brannten, war dabei nicht nötig. Vielleicht hatte sie deswegen niemand mehr ans Bordnetz angeschlossen.

Technik fasziniert Michael Kügelgen. Als Student verdiente er Geld, indem er vor dem Haus an Autos schraubte und später Replicas montierte. Er besaß damals bereits ein kleines Flugzeug, um mit ihm für Firmen Werbung in den Himmel zu schreiben. Ein halbes Jahr lang fuhr er gar mit einem Rolls-Royce Silver Cloud zur Uni. Den hatte ein Bekannter gekauft, "doch das war ein fürchterlicher Blender, unten ganz morsch. Dabei schwamm er auf der Straße - und soff dabei."

Heute produziert Ingenieur Kügelgen von ihm entwickelte Maschinen, die weltweit bei Prototypenbauern hoch im Kurs stehen, weil sie mit ihrer innovativen Technik viel Zeit sparen. Nebenbei hat er sich drei Jahre lang um den Wiederaufbau seines B12 gekümmert, der auf seinen Motor- und Getriebegehäusen noch französische Militärnummern trägt und irgendwann nach Belgien gelangt war. Dort hatte ihn der Vorbesitzer Ende der sechziger Jahre entdeckt und gekauft.

Von am 23. Juli 2007
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