Nix für Perfektionisten
Als die Karosserie bereits lackiert in seiner Werkstatt stand, wollten die Konturen der beiden Teile nicht mehr zueinander passen. Vorsichtig musste Ulrich Otth die Kanten in die richtige Krümmung schleifen -ein heikler Job, mit einem nassen Lappen zur Kühlung, ständigem Anpassen -und mit viel Schweiß auf der Stirn. Perfektionisten kann Vignales hemdsärmeliger Umgang mit dem Blech in den Wahnsinn treiben.
So war dem Spengler irgendwann aufgefallen, dass die Positionslampen und Blinker rechts und links unterschiedlich hoch über der Stoßstange sitzen. Doch das Maß zu den Scheinwerfern stimmt auf beiden Seiten ebenso überein wie der untere Abschluss. Auch die Stoßstange liegt ausgewogen horizontal. "Das kann nicht stimmen" teilte er Otth mit. Doch der antwortete: "Lassen Sie es einfach. Das ist schon immer so gewesen."
Einer von nur 297
Oft folgt handwerkliche Produktion allein dem Augenmaß. Doch Otth entdeckte auch Spuren, die weniger auf mangelnde Standardisierung bei der Fertigung als auf einen Unfall hinwiesen. An der Radaufhängung vorne links hatte ein heftiger Einschlag seine Spuren hinterlassen. Im Chassis wiesen Risse darauf ebenso hin wie grobschlächtige Schweißpunkte. "Die Reparatur war überaus dilettantisch", sagt Otth. "Das Fahren mit diesem Chassis wäre lebensgefährlich gewesen."
Den malträtierten TR 3A-Rahmen übergab er einem Experten, der ihn fachgerecht sanierte. Er entschied sich dafür nicht nur, weil gebrauchter Ersatz sehr selten ist und angeblich wenig Maß hält, sondern auch, weil dieser Rahmen nachweislich einer von jenen nur 297 Exemplaren ist, die Triumph damals an Vignale nach Turin geliefert hatte. Unzählige Stunden schluckten die Details der Karosserie. So baute er aus rund 70 kleinen Plättchen und mehreren Alu-Profilstäben, die er auf einer Schablone vorsichtig bohrte und vernietete, einen Ersatz für den längst verloren gegangenen Kühlergrill. Jeden Abend nahm er sich konsequent eine Reihe vor, "sonst wird der Wagen nie fertig."
Früher fiel der Grill als Alu-Pressteil innerhalb von Sekunden aus einer Maschine. Große Unterstützung erhielt Otth von seinem Schrauberkollegen André Wallimann, der viel eigene Restaurierungserfahrung mitbrachte. So fertigten sie manches gemeinsam - neue Zierstäbe für Schweller und Regenleisten, aber auch geänderte Haubenaufsteller. "Die originale Konstruktion setzte so tief an, dass sie die Heckklappe verbogen hat", sagt Otth.
Fünf Tage Arbeit für die Stoßstangen
Viele wirklich raren Teile waren glücklicherweise vorhanden. Manche - wie die Scheiben - fand Ulrich Otth noch nahezu unversehrt, andere hielten eine Menge Arbeit bereit. Die Stoßstangen zum Beispiel, die er erst entchromen ließ, dann die Löcher schweißte und Dellen mit Lot auffüllte: "Allein die vordere kostete fünf Tage Arbeit." Aufwendig anpassen musste er die Rahmen der hinteren Seitenscheiben, deren Ausstellmechanismus der Restaurierer aus mehreren Teilen neu zusammenfügte.
Auch die Schlösser, kein Triumph-Produkt übrigens, wurden zerlegt, überholt und wieder zusammengebaut. Anderes fehlte. Ein Kühlwasserthermometer von Jaeger stöberte er auf einem Teilemarkt auf, auch für die Türöffner und Fensterkurbeln fand Ulrich Otth optisch stimmigen Ersatz. Weil die Verzahnung jedoch nicht mit der Welle übereinstimmte, musste Otth sie umarbeiten lassen. "Man muss bei einem Projekt wie diesem auch lernen, Kompromisse einzugehen", sagt Otth.
"Das Absolute funktioniert oft nicht, und dann muss man sich an Zwischenschritte gewöhnen." Für den Motor allerdings galt das nicht. Nach einer sorgfältigen Überholung läuft der TR 3-Vierzylinder besser denn je. Den gerissenen Zylinderkopf ließ Otth durch ein gebrauchtes Exemplar ersetzen, neu sind Teile wie Kolben und Lager.
Nach 2.500 Stunden war er fertig
Nach der Kur ist der von Haus aus eher rustikale Motor nicht wiederzuerkennen: Ein feinstgewuchteter Kurbeltrieb, ausgewogene Pleuel und Kolben sowie sorgfältig abgestimmte Weber-Doppelvergaser sorgen für ein spontanes wie sanftes Ansprechen aus niedrigsten Drehzahlregionen. Ungeahnt geschmeidig gibt sich der Brite, was sich zu seinem galanten Auftritt bestens fügt. Rund 2.500 Stunden hat Ulrich Otth in seinen Italia investiert - ohne Zeitdruck und mit viel Freude.
Zahllose Belege liegen noch unbesehen in einem Ordner, er hat die Zahlen nie addiert: "Irgendwann mache ich das vielleicht", sagt er. "Aber jetzt genieße ich den Wagen einfach. Autos müssen gefahren werden."

