Restaurierungslexikon (189): Solex-Flachstromvergaser

Heikel sei er, dieser Vergaser. Das sagen die, die ihn unter der Haube haben. Die meisten jedenfalls.

Stimmt, antwortet Fritz Wallner aus München, der die Technik seit Jahrzehnten kennt. Und stimmt doch nicht. Wie überall ist auch hier die Wahrheit nicht absolut. Fritz Wallner schraubte schon am 190 SL, als der sich noch ein Gnadenbrot erbettelte, um nicht auf dem Schrottplatz zu enden. Paketweise hat Wallner sie in den frühen Siebzigern gekauft. Er hat sie ausgebeint. Und dann entsorgt.

Doch schon zuvor hatte der Ärger um die Solex-Vergaser begonnen. Dass der Motor nicht mehr richtig laufe, monierten viele 190 SL-Eigner nach einigen Jahren. Dass er schüttle und rüttle, und dass das nicht sein dürfe. Die Mercedes-Werkstätten sahen es genauso. Ihre Lösung war einfach: Austausch gegen Neuteile. "Ich habe sehr viele Vergaser gewechselt", erinnert sich Fritz Wallner, damals in Diensten einer Mercedes-Filiale. Zwischen 50.000 und 70.000 Kilometer hielten die Solex-Gasfabriken. Dann fing das Schütteln an.

Auf diese Punkte müssen Sie achten

Wichtig bei der Montage der Gasfabriken ist die Abstützung des langen, schweren Bauteils. Ohne die Strebe überlebt keiner der Vergaser auf längere Sicht: Sein Guss bricht an den Flanschen. Diese Schwachstelle war Solex bekannt. Während der Produktion hat der Hersteller die Wandungen des Luftkanals schrittweise verstärkt und schließlich gönnte man der letzten Version des PHH-Vergasers eine dickere Wandung. Und das hielt dann auf Dauer.

Kritisch blieb ein anderer Punkt: Falschluft. An undichten Stellen zieht der Vergaser unkontrolliert Luft, die das zuvor exakt aufbereitete Gemisch unzulässig abmagerte. "Wenn der Motor ruckelt", sagt 190 SL-Typreferent Wallner, "dann liegt es zu 99 Prozent an undichten Stellen." Wo sie liegen, verrät Bremsenspray: Jagt beim Sprühen die Drehzahl nach oben, hat das System den zündfähigen Reiniger angesaugt. Besonders wacklige Kandidaten sind ausgeschlagene Lager der Drosselklappenwelle, die teilweise ohne Buchsen direkt im Aluminiumguss laufen.

Optimierung mit modernen Materialien

Bei einer Grundsanierung der Vergaser lassen sich diese Mängel beheben. Moderne Gleitbuchsen, teflonbeschichtet und langlebig, sowie Hochleistungsdichtringe dichten die Schwachstellen dauerhaft ab. Eine neue Luftkanal-Bohrung beseitigt Schlagspuren der Drosselklappen; auch sie werden neu. Alles machbar, nur eines nicht: Gebrochene Gehäuse gelten als irreparabel.

Das ist ärgerlich, weil ihr Ersatz schwierig ist. Gebrauchte 190 SL-Vergaser sind sehr gesucht und notieren inzwischen oft über 1.000 Euro. Wichtig ist dabei, auf eine späte Version mit verstärkten Gusswandungen zu achten - und auf das richtige Modell: Betrüger bieten gerne nahezu identische Solex-Vergaser für den 190 SL an, die Alfa eingesetzt hat. Ein Umbau ist möglich, aber sehr aufwändig, weil die Bypass-Bohrungen anders ausgeführt sind.

Von den oft praktizierten Alternativ- Bestückungen, die von Weber und Mikuni stammen, hält der 190 SL-Experte Wallner dennoch nichts. Wenn man die Ansaugkanäle trennt, was wegen des anderen Systems nötig ist, droht in Folge der Unterdruck knapp zu werden. Der speist jedoch den Bremsservo. "Nur daran", sagt Wallner, "denkt niemand."

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Thomas Wirth

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