Renault Alpine A 110: Wichtige Flunder-Tipps

Die Alpine A 110 genießt nicht gerade den Ruf größter Zuverlässigkeit. Was ist dran an diesem Gerücht? Sind die Kosten für Service und Wartung überhaupt tragbar? Experten sagen, mit welchem Aufwand eine Alpine in Schwung bleibt.

Die Alpine A 110 ist besser als ihr Ruf. Würde man allen Stammtisch-Geschichten Glauben schenken, so hätte die französische Plastikflunder nicht nur zahllose Rallyes gewonnen, sondern würde auch sämtliche Pannenstatistiken anführen.

Doch Letzteres trifft nicht zu. Klar, man muss sich mit nicht perfekt sitzenden Anbauteilen oder Wassereinbrüchen im Innenraum abfinden, aber deshalb bleibt das Auto noch lange nicht stehen. Perfektionisten sollten sich sowieso nach einem anderen Sportwagen umschauen.

Nicht wartungsbedürftiger als andere Sportwagen der Zeit

Lediglich die etwas abenteuerliche Elektrik, übertriebenes Tuning oder vernachlässigte Wartung liefern den Stoff für die erwähnten Horrorgeschichten. "Ein loser oder korrodierter Masseanschluss am Chassis hat schon so manchen zur Verzweiflung gebracht", weiß Edgar Treiser, der früher die Alpine im Motorsport einsetzte und heute Ersatzteile liefert.

In die Rubrik der elektrischen Ärgernisse fallen zudem die bei Versionen mit Frontkühler vorn montierten Lüftermotoren, deren Ausfall zum Überhitzen des Motors führen kann. "Die Lüfter sind schutzlos dem Spritzwasser ausgeliefert, deren Wellen können dann in Folge von Korrosion festgehen", erklärt Alpine-Spezialist Ernst Worresch aus Weil der Stadt. Diese Punkte sind also im Auge zu behalten.

Prinzipiell ist eine serienmäßige Alpine nicht wartungsbedürftiger als andere Sportwagen dieser Ära. Lediglich das etwas beengte Motorabteil im Heck sorgt dafür, dass sich die eine oder andere Servicetätigkeit etwas in die Länge zieht.

Wenig Vergnügen bereitet der Austausch einer verschlissenen Hardyscheibe der Lenkung. Wer beim Fahren das Gefühl hat, die Lenkung sei ungenau oder das Fahrzeug weiche etwas von der Fahrtrichtung ab, obwohl das Steuer fest umfasst wird, sollte sich die Hardyscheibe einmal etwas genauer ansehen. Ein Neuteil in guter Qualität kostet nur knapp 15 Euro. Doch selbst wenn sich alle Schrauben problemlos lösen, dauert der Austausch über zwei Stunden.

Anlass für "Ab"rüstung auf Vergaser: Anfällige D-Jetronic

Bei den Motoren der Alpine handelt es sich um Aggregate aus dem Renault-Regal, die je nach Version durch Maßnahmen wie größere Einlassventile, schärfere Nockenwelle, andere Kolben, Pleuel, Fächerkrümmer und größere Vergaser deutlich kräftiger gerieten. Um ihre Leistung richtig auskosten zu können, sollten unter anderem die Ventile richtig eingestellt sein.

Ein wichtiger Punkt bei der Wartung ist außerdem eine Prüfung des Zündverteilers. Nur allzu oft wird übersehen, dass die Komponenten der Fliehkraftverstellung ausgeschlagen oder korrodiert sind. Die Verstellung erreicht dann nicht mehr ihren Maximalwert oder geht nicht mehr ganz zurück. Der Motor läuft dann genauso unbefriedigend wie bei schlecht eingestellten oder falsch synchronisierten Vergasern, sofern zwei Gemischbildner montiert sind. Übrigens boten die mit einer D-Jetronic ausgerüsteten SI-Versionen schon zu ihrer Bauzeit oft Anlass zu Ärger und dürften mittlerweile fast alle auf Vergaser umgerüstet worden sein.

Nachfertigungen in unterschiedlicher Qualität

In puncto Ersatzteilversorgung kann sich die Alpine-Gemeinde über zahlreiche Nachfertigungen freuen. Das Problem ist die Qualität, "und hier heißt es heutzutage, die Spreu vom Weizen zu trennen", erklärt Spezialist Edgar Treiser. So hält sich laut seinen Erfahrungen hartnäckig das Gerücht, in Spanien würden überwiegend Teile minderer Qualität entstehen. Doch das lässt sich genauso wenig verallgemeinern wie die Behauptung, auf französischen Teilemärkten würden nur gute Qualität oder Originalware offeriert. Beide Geschichten haben mittlerweile nur noch einen geringen Wahrheitsgehalt - von Ausnahmen abgesehen.

Wichtig ist es, auf die Erfahrungen der Werkstätten zu vertrauen und nicht immer das billigste Teil zu wählen. Wer eine Hardyscheibe für die Lenkung für 6 Euro kauft, muss sich nicht wundern, wenn diese schon nach wenigen Kilometern zerbröselt. Die zusätzlichen 10 Euro für ein Teil in besserer Qualität kämen in diesem Fall günstiger als drei zusätzliche Schrauberstunden und der Kauf einer weiteren Hardyscheibe.

Alles in allem halten sich die Servicekosten für die Alpine in Grenzen - speziell in Relation zur Anschaffung, denn die A 110 ist kein Billigklassiker. Es muss also keiner in Angstschweiß baden, wenn er die Wartung einer Fachwerkstatt anvertraut.

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Bernd Woytal

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