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Porsche 928 S in der Service-Station: Großes Kaliber

Wer die Qualitäten eines Porsche 928 genießen möchte, sollte kein Exemplar mit Reparaturstau kaufen, denn das kann bei dem souverän V8-motorisierten Gran Turismo ziemlich teuer werden.

Als der Porsche 928 in den 70er Jahren erschien, stellte er eine bis dato nicht gekannte Interpretation des Themas Porsche dar. Doch wer nicht gerade ein verbohrter Elfer-Fan war, erkannte bald die vielen Qualitäten dieses großkalibrigen und in etlichen Punkten zukunftsweisenden V8-Coupés, das mit der Zeit zu einem der schnellsten Reisewagen mit beachtlichen sportlichen Qualitäten reifte.

Service-Heft keine Garantie für fachgerechte Wartung

In dieser Service-Station legen wir den Schwerpunkt auf den Ur-928 und den 928 S. Beim Kauf sollte man zwar grundsätzlich dem besten verfügbaren Exemplar den Vorzug geben, doch Vorsicht: So ist zum Beispiel ein durchgestempeltes Service-Heft längst noch keine Garantie, dass der Porsche 928 auch fachgerecht gewartet wurde. "Oft werden nur übliche Service-Arbeiten durchgeführt. Dinge wie Stoßdämpfer, Bremsschläuche oder die Hydro-Motorlager (ab Modelljahr 1983) dagegen gern vergessen", sagt Jochen Ehrhardt von Landshuts in Geestenseth bei Bremerhaven und ergänzt: "Nach unserer Erfahrung fließen nach dem Kauf meist noch mal 5.000 bis 10.000 Euro in die Technik, bis die Wagen wirklich fahrtauglich sind."

Die korrekte Wartung eines Porsche 928 hat ihre Tücken. "Da gibt es viele beachtenswerte Details, die erst den vollen und vor allem dauerhaften Genuss eines 928 ermöglichen", erklärt Manfred Krämer. Er kennt den Wagen noch aus seiner Zeit bei Porsche. Sein Erfahrungsschatz ist die Basis der freien, auf Porsche spezialisierten Werkstatt in Vogt im Allgäu. Diese wird von seinen Söhnen Manuel und Philipp geführt, wobei die beiden auf eine nicht nur im elterlichen Betrieb genossene fundierte Ausbildung bis hin zum Studium bauen können.

Echte Spezialisten sind rar

Ein Porsche 928 ist nur dann gut, wenn er von einem wirklichen Spezialisten gewartet wird. Dass die in der Anfangsphase fehlten, als der 928 frisch auf dem Markt war, dokumentierte sich darin, "dass der 928 insgesamt zum teuersten Auto wurde, das jemals bei auto motor und sport einen Dauertest absolviert hat", wie Anfang der 80er Jahre in unserer Schwesterzeitschrift zu lesen stand. Heute haben wir eine ähnliche Situation: Es gibt kaum Werkstätten, weil viele der auf diesem Auto geschulten Mechaniker bereits in Rente sind.

Keine besonderen Anforderungen stellt ein Wechsel des Keilriemens dar. Im Porsche 928 sind genau genommen vier installiert, einer für den Lüfter und die Zusatzluftpumpe, einer für den Klimakompressor, einer für die Servopumpe und einer für die Lichtmaschine. Um letzteren zu wechseln, sind die anderen eh zu demontieren. Deshalb macht es Sinn, eine Verbundarbeit daraus zu machen und alle auf einmal zu tauschen, zumal die Haltbarkeit aller Riemen mit 80.000 bis 100.000 Kilometer ähnlich ausgelegt ist. Allerdings kostet das an die 200 Euro.

Die Zündkerzen sitzen jeweils in einer Vertiefung im Zylinderkopf, die vom Kerzenstecker abgeschlossen wird. Ist ein Kerzenwechsel fällig, nehmen sorgfältig arbeitende Werkstätten zunächst die Kerzenstecker ab und saugen den in die Vertiefung eingedrungenen Schmutz heraus, damit er nicht in den Brennraum fällt, wenn die Kerze herausgedreht wird.

Um die hinteren Kerzen besser erreichen zu können und um zu vermeiden, dass die neuen schief eingedreht werden, sollte man sich die Zeit nehmen, den Luftfilter zu demontieren. Der Porsche 928 besitzt zwar eine kontaktlose Zündung, dennoch benötigen die Verteilerkappe und der Verteilerfinger gelegentlich einen prüfenden Blick. Das entfällt bei den S-Versionen mit LH-Jetronic, andererseits besitzen diese Doppelzündverteiler, bei denen man auf den Zustand des kleinen Zahnriemens für den Antrieb des zweiten Läufers achten sollte.

Oft ist der teure Zahnriemenwechsel überfällig

Der Wechsel des Zahnriemens für die Nockenwellen wird ebenfalls gern auf die lange Bank geschoben. Der Grund sind die hohen Montage-Kosten. Grundsätzlich sind Zahnriemen, Spannrollen und Wasserpumpe beim Porsche 928 in einem Aufwasch zu erneuern, weil es letztendlich billiger ist als der reine Riemenwechsel, den manche Werkstätten als Lockmittel anbieten. Weil sich der Zahnriemen mit der Zeit ausdehnt, wird der neue Riemen bei der Montage etwas stärker gespannt. Lässt man nun die alte Wasserpumpe drin, erliegen deren Lager meist nach kurzer Zeit dem erhöhten Druck, und dann sind gleich noch mal 1.000 Euro fällig. "Außerdem muss man auf jeden Fall den Zahnriemenspanner prüfen beziehungsweise überholen", warnt Krämer. Ein Wechsel des Zahnriemens ist alle 80.000 Kilometer angesagt, bei wenig gefahrenen Autos etwa alle acht Jahre. Reißt er, besteht die Gefahr von Ventilschäden - außer bei den mit Normalbenzin betriebenen frühen Porsche 928 bis einschließlich Modelljahr 1979.

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Auspuff-Ersatz für den Porsche 928 sehr teuer

Ein Fall für Porsche 928-Experten ist ein System-Check der Bosch K-Jetronic, denn es macht bei Problemen keinen Sinn, einfach mal mögliche defekte Bauteile wie einen Warmlaufregler oder den Druckspeicher zu erneuern. Auch der Check von Bauteilen der LH-Jetronic wie dem Hitzdraht für die Luftmassenmessung ist Aufgabe für einen Fachmann. Besonders teuer wird es, wenn der Auspuff am Ende ist. Schuld daran ist der hohe Ersatzteilpreis, der sich übrigens auch bei der Zweischeibenkupplung bemerkbar macht. Andernfalls wäre nämlich deren Ersatz recht günstig, weil dazu weder Motor noch Getriebe auszubauen sind.

Auf die Details kommt es an

Leider steht nicht alles, was einem Porsche 928 gut tut, in den Service-Empfehlungen des Werks. "So braucht zum Beispiel der Zwischenring der Zweischeibenkupplung eine spezielle Wartung", plaudert Krämer aus dem Nähkästchen, "oder auch die Transaxle-Konstruktion, weil sonst besonders bei Automatik-Versionen die Transaxle-Lager öfter verschlissen sind." Spezielle Fachkenntnis verlangen ferner alle Arbeiten im Zusammenhang mit der genialen mitlenkenden Hinterachse, Weissach-Achse genannt. Ist sie korrekt justiert, was zum Beispiel nach einem Austausch der hinteren Stoßdämpfer nötig ist, belohnt das der Porsche 928 mit traumhaften Fahreigenschaften, ansonsten erweist er sich in mancher Situation als tückisch.

Weil einige Porsche 928 mittlerweile 30 Jahre oder älter sind, muss man auch mit Dingen wie einer neuen Lenkung (im Austausch mit Einbau etwa 2.400 Euro) oder neuen Bremsschläuchen rechnen, für die mindestens 400 Euro fällig sind. Bei der Bremsanlage gilt es auf Gängigkeit des Schwimmrahmensattels zu achten, „die sind oft festgerostet“, so Krämer.

Das Resümee dieser Geschichte lautet: Die Komplexität eines Porsche 928 wird von vielen Werkstätten unterschätzt, weshalb Kunden ihren Wagen anerkannten Experten anvertrauen sollten. Entsprechende Tipps hat auch der Porsche Club 928 parat. Der 928 war einst seiner Zeit weit voraus, entfaltet aber nur in gutem Zustand seine Qualitäten. Jeder angehende Käufer sollte sich auf finanzielle Opfer einstellen, denn der 928 war und ist kein Billigprodukt.

Service-Tipp Porsche 928

Regelmäßige fachgerechte Wartung ist für den Porsche 928 wichtig. Der 20.000-Kilometer-Service inklusive Ölwechsel kostet gut 600 Euro. Wegen des hydraulischen Ventilspielausgleichs ist ein Justieren der Ventile nicht nötig. Die Motorüberholung ist selten nötig. Wenn das Triebwerk stets gewartet und mit gutem Öl betrieben wird, hält es ewig. Bei Modellen ab Modelljahr 1980 den Ölstand der Zahnriemenspannvorrichtung regelmäßig prüfen.

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Datum

26. Oktober 2012
Dieser Artikel stammt auf Heft Motor Klassik 10/2011.
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