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Unimog 401 25 PS - Restaurierung: Einer für alles

Die Anwendungsmöglichkeiten für den Unimog sind ebenso vielfältig wie legendär. Doch er taugt nicht nur für harte Arbeits- und Geländeeinsätze, sondern auch für Spaß - sogar beim Restaurieren. Georg Ebner hat's erlebt.

Wenn jemand im Zusammenhang mit Unimog von schwerem Gerät spricht, kann Georg Ebner nur lächeln. Einst hat der Österreicher Baumaschinen repariert - eine Arbeit, die er auch als Ruheständler ab und zu noch ausübt. Gerade war er wieder im Einsatz, ein defektes Differenzial, Gewicht zwei Tonnen, und die Zahnräder musste man mit einem Kran ins Gehäuse hieven. Da schraubt es sich doch wesentlich leichter an einem Unimog.

Mit dem Unimog durch zahlreiche Hindernisse

Doch wieso eigentlich ein Unimog? "Ein Arbeitskollege besaß solch ein Fahrzeug, ich wollte dann auch eins haben", erklärt Ebner den Auslöser für seinen Wunsch. Exakt jener Kollege wusste schon bald darauf ein zum Verkauf stehendes Objekt in der Nähe, und so wurden ruckzuck Tatsachen geschaffen. Doch dem Happy-End stellten sich noch etliche Hindernisse in den Weg.

Zunächst brachte Ebner das ziemlich heruntergekommene, aus dem Jahr 1955 stammende Gefährt in seine Firma, wo er die besten Voraussetzungen vorfand, um seine Neuerwerbung von Schmutz und Öl zu befreien und zu inspizieren. Natürlich freute er sich, ein frühes Exemplar erwischt zu haben. Doch seine Idee, einen Unimog zu kaufen und gleich damit zu fahren, musste er zunächst ad acta legen.

Die Fahrerkabine des Unimog 401 erwies sich als sehr marode, was besonders nach dem Sandstrahlen deutlich wurde. Durch den Tipp eines pensionierten Mercedes-Mechanikers spürte er eine zweite Kabine auf, die krankte jedoch ebenfalls an heftigem Rostfraß. Der Plan, aus zwei Kabinen eine zu machen, war schwieriger als gedacht. Längst hatte sich Ebner dazu durchgerungen, Nägel mit Köpfen zu machen. Er kaufte deshalb etliche Neuteile wie Türen und Reparaturbleche. Doch Spengler-Arbeiten liegen ihm nicht, also gab er die Restaurierung der Fahrzeugkabine in die Hände eines zuverlässigen Spenglers in Salzburg, den er schon länger kannte.

Ebner selbst widmete sich der Revision des Fahrgestells. Zunächst befreite er den Unimog-Rahmen von allen Teilen wie Motor, Getriebe, Lenkung, Achsen und Bremsen. Dann unterzog er das robuste Gebilde aus Stahlprofilen einer intensiven Behandlung mit dem Sandstrahlgerät.

Unimog-Technik überholen

Das Grundieren und Lackieren des Rahmens nahm er ebenfalls selbst in die Hand. Bei der Überholung der Unimog-Technik kam ihm zugute, dass er über den bereits erwähnten Mercedes-Schrauber im Ruhestand an ein Werkstatthandbuch kam, und dass die Ersatzteilversorgung relativ unproblematisch war. "Die gesuchten Teile bekam ich entweder direkt bei Mercedes, im Zubehör oder von einem der zahlreichen Unimog-Spezialisten", sagt Ebner.

Den Motor und das Getriebe überholte er sicherheitshalber komplett, denn Angaben über die genaue Laufleistung des Wagens fehlten. "Klar war nur, dass der Unimog seit acht Jahren nicht mehr bewegt worden war und sehr schlecht ansprang. Dem Dieseltriebwerk spendierte er unter anderem neue Kolben, neue Ventile und neue Lager. Auch die Dienste einer Motorschleiferei nahm er in Anspruch.

Das ebenfalls total zerlegte Getriebe bekam neue Lager und neue Dichtungen. Auf grobe Schäden stieß er eigentlich nirgends, stets handelte es sich lediglich um Verschleißschäden. Als Ergänzung besorgte sich Ebner das damals als Extra erhältliche Kriechganggetriebe, das sich nach Wegnahme eines Deckels an das normale Getriebe anflanschen lässt.

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Probefahrt ohne Kabine

Nach vielen Schrauberstunden nach Feierabend, denn damals war Ebner noch nicht im Ruhestand, stand das fertige Unimog-Chassis auf den Rädern. Die Felgen hat der Österreicher übrigens auch selbst lackiert. Und auf die Idee, die schmalen Räder durch spektakuläre breite Ausführungen zu ersetzen, kam er nicht im Traum: "Ich möchte das original haben."

Noch ohne Kabine startete Ebner zu einer kurzen Probefahrt, schließlich musste er wissen, ob alles funktioniert und ob irgendwo noch Öl heraustropft. Aber der geschickte Schrauber hatte gut gearbeitet, alles war okay. Dann holte er die längst fertig gestellte Fahrerkabine aus Salzburg und montierte sie probehalber auf das Unimog-Chassis. Alles passte, und so gab er das Bauteil zum Lackierer. Über die Chassisnummer brachte er bei Mercedes den originalen Farbton in Erfahrung, dann wurden die Kabine, die Kotflügel und die Ladepritsche in jenem Grün lackiert, in dem der Unimog das Werk verlassen hatte.

Keine besonderen handwerklichen Herausforderungen stellte die Erneuerung der Bordwände der Ladepritsche. Ebner verwendete dazu passend zurechtgeschnittene Bretter aus Fichtenholz, die er zuvor gegen Witterungseinflüsse behandelt hatte.

Sitze aus Polen

Fremde Hilfe nutzte er bei der Erneuerung der Frontscheiben und dem Aufarbeiten der Sitze. Da die Scheiben beim Unimog aus einem einfachen geraden Stück ohne Krümmungen bestehen, konnte er sie ohne Probleme in einer Glaserei aus Sicherheitsglas herstellen lassen. Die Sitze schickte er zum Beziehen nach Polen.

Dazu nutzte er die Hilfe eines Vermittlers, den er schon bei einer anderen Restaurierung bemüht hatte. Denn vor dem Unimog hatte Ebner bereits einen Mercedes-Benz 450 SLC, einen Vorkriegs-BMW und einen Triumph Roadster restauriert. Und schon der Brite bekam eine in Osteuropa aufgearbeitete Innenausstattung.

Ein Herr, der damals zum Skifahren in Österreich weilte, bot sich als Vermittler an. Er versprach, das Triumph-Gestühl in Polen zu einem günstigen Preis überholen zu lassen. Entgegen aller Warnungen von Bekannten vertraute Ebner dem Herrn und gab ihm sogar noch etwas Geld mit, weil das angeblich zum Kauf von Leder benötigt wurde. Der Deal klappte tatsächlich, Ebner war mit dem Ergebnis zufrieden, und so ließ er sich erneut darauf ein. Auch diesmal wurde er nicht enttäuscht. Nach einiger Zeit bekam er die Unimog-Sitze aufgearbeitet und neu bezogen wieder zurück.

Im Unimog bis auf den Großglockner

Nur etwas störte ihn: Ohne eine Seilwinde erschien ihm sein Unimog unvollständig. Also begab er sich auf die Suche. Auf einem Unimog-Treffen am Tegernsee wurde er schließlich fündig. Kurzentschlossen kaufte Ebner das dort angebotene Teil, aber es war gar nicht so einfach, die Beute nach Hause zu transportieren.

Die Winde wog 300 Kilogramm, und Ebner war mit einer Mercedes-Limousine angereist. Vier kräftige Männer wuchteten das gewaltige Gerät in den Kofferraum, worauf sich der Mercedes vorne aus den Federn hob, als würde er voll beschleunigen.

"Bei der Heimfahrt kam ich mir vor, als würde ich ein Boot steuern", erinnert sich Ebner. Das nächste Problem hieß ausladen. Sobald die Winde angehoben wurde, federte der Mercedes aus - die anpackenden Männer schafften es nicht, das Teil über die Bordwand zu heben. Kurzerhand wurde der Mercedes in Ebners Firma mit einem Kran entladen, wozu der Kofferraumdeckel demontiert werden musste.

Mittlerweile hat der restaurierte Unimog schon viele pannenfreie Kilometer zurückgelegt - bis hinauf zum Großglockner. Beruflich hatte Georg Ebner zwar mit grober Mechanik zu tun, aber er scheint auch ein Händchen für Feinarbeiten zu haben.

Wie der Unimog der Zukunft aussehen könnte, hat Mercedes-Benz mit der "60 Jahre Unimog"-Designstudie gezeigt. Mehr dazu bei unseren Kollegen von www.auto-motor-und-sport.de.

Von am 2. Juni 2012
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