Kiloweise Zinn verbraten
Unter Lack und Spachtel entdeckten die beiden auch die Schweißnähte auf den vorderen Radläufen, die den VW Porsche zum Flachschnauzer werden ließen. Bis heute weiß Jdanoff nicht, wer sich einst diese Arbeit machte. Er jedenfalls wünschte sich einen Lackaufbau ohne die dicken Spachtelschichten.
Und so verbrauchte Jdanoffs Karosseriemann viele Stangen Zinn und eine Menge Zeit, bevor ein Lackierer die restlichen Arbeiten an diesem Auto übernehmen konnte. Inzwischen hatten sich Wochen und Monate addiert. Auch, weil der erste Lackierer sein Versprechen - zwei Wochen hatte er kalkuliert - nicht hielt.
Als der VW-Porsche nach zwei Monaten immer noch unberührt stand, setzte ihm Jdanoff ein Ultimatum. "In der letzten Nacht hat er dann angefangen", sagt er, "doch das Vertrauen war dahin." Er holte seinen VW-Porsche ab und suchte einen anderen Lackierer.
Der setzte die Arbeit dann zügig fort, ohne an der Qualität zu sparen. Drei Gänge mit Kontrastlack samt der nötigen Korrekturen folgten, bevor er mit dem Ergebnis zufrieden war. Nur die Farbwahl behagte dem Lackierer nicht. Er plädierte für Schwarz, doch Jdanoff zweifelte keine Sekunde an seiner Wahl für das originale Signalorange. "Die Innenseiten der Karosserie", so die Erinnerung, "konnten wir sogar komplett belassen". Neu dagegen sind die Gummiprofile, die Türen und Dach abdichten.
Guter Zustand des Interieurs
Im Innenraum wiederum ließ sich mehr retten, als Idanoff ursprünglich vermutete: Nach einer gründlichen Reinigung überzeugten das schwarze Kunstleder sowie die Einsätze aus Feincord mit einem erhaltbaren Zustand. "Das Original besitzt für mich viel mehr Reiz als neue Materialien. Mit dieser Patina lebt das Auto."
Das Zweiliter-Triebwerk hatte bislang keine Hinweise auf fundamentale Schäden gegeben. Nur im warmem Zustand war es durch massiven Ölverlust aufgefallen. Schuld war der Ölkühler.
Ersatzteile aus dem Internet
Jdanoff tauschte ihn, dichtete den Boxermotor rundum neu ab, ließ die Lichtmaschine überholen und forschte nach einem originalen Auspuff, weil er die überall erhältlichen Nachbau-Sportversionen nicht schätzt. Bei einer Online- Auktion wurde er fündig. Der Verkäufer saß allerdings in den USA.
Jdanoff stand um drei Uhr nachts auf, klickte rechtzeitig und kaufte das Teil. Zwar überstiegen die 90 Euro Transportkosten den Kaufpreis; dennoch kam der reimportierte Auspuff schließlich billiger als in Deutschland.
"Das Jagen und Sammeln war eine überaus interessante Erfahrung"
- sagt Constantin Idanoff, der auf diese Weise viele Kleinteile wie die Schriftzüge oder auch einen der raren rechten Außenspiegel auftrieb. Und: "Ich hätte nie gedacht, dass ich über den 914 so viele kompetente, nette Menschen kennenlernen würde."
Als er zum Beispiel im Internet ein Getriebe gefunden hatte, fragte er den Verkäufer nach einer kompetenten Werkstatt, die den Einbau im engen 914-Abteil nicht scheut. "Ich mach das", sagte der, "wenn du mir hilfst."
An einem Samstag lud Jdanoff seinen 914 auf einen Anhänger und klingelte, pünktlich um acht Uhr morgens, bei dem Fremden. "Wir haben dann gemeinsam acht Stunden an meinem Auto geschraubt. Das war eine wunderbare Erfahrung." Bei der Montage halfen ihm zwei Freunde. "Es war die klassische Nummer. Ich besorgte einen Kasten Bier, und wir hatten viel Spaß."
Trotz gesprengtem Budget: Es hat sich gelohnt
Seither fährt Jdanoff seinen VW Porsche oft, vor allem bei Rallyes in der Region. Dabei wundert er sich, wie unbekannt ein 914 inzwischen ist: "Außerhalb der Oldtimer-Szene können ihn nur noch wenige einordnen." Auf der Straße wird der Mittelmotor-Targa längst als Exot bestaunt.
Dieser 914, ist sich Constantin Jdanoff sicher, war die richtige Entscheidung; auch wenn er schließlich deutlich teurer als geplant geriet - und aus den optimistischen sechs Monaten Arbeit zuletzt ein gutes Jahr geworden ist. "Man sollte einmal im Leben", so seine Devise, "ein Auto restaurieren." Eine Lebensaufgabe muss daraus jedoch nicht werden.

