2. ADAC Deutschland Klassik: Großer Wandertag

 Ford Model T

Der ADAC lud vom 30. Juni bis 3. Juli zur zweiten Ausgabe der Deutschland Klassik, und eine Hundertschaft kam, um sich ganz ohne Stoppuhren und Schnitttabellen die Attraktionen Badens anzuschauen.

Wieder mal war die Nennliste hoffnungslos überfüllt. Von 150 Interessenten sprach der ADAC, einige der Teilnehmer vermuteten, dass es deutlich mehr sein müssten, die sich vergeblich für einen Startplatz zur langsamsten aller Oldtimer-Rallyes beworben hatten. Wie schon im Vorjahr waren 100 Autos zugelassen, mit Blick auf größtmögliche Vielfalt reichte die Palette von einem Ford Model T aus dem Baujahr 1911 bis zum 1978er VW Bus.

Auf den Spuren von Bertha und Carl Benz

Insgesamt 40 Marken waren vertreten. Allein die Wolfsburger Autostadt schickte eine Abordnung von sieben Autos, vom Viereinhalbliter Bentley Tourer von 1927 bis zum zitronengelben Porsche 914 und einer extrem seltenen Replika des Käfer-Prototypen VW 30 von 1937.

Wie schon bei der Premiere 2010, als die damalige Kulturhauptstadt Essen zum Startort erkoren worden war, entsprach die Wahl der Region auch 2011 einem Motto, und was bot sich eher an als der 125-jährige Geburtstag des Automobils. Und so starteten die Teilnehmer auf den Spuren von Bertha und Carl Benz zu einer Reise durch Baden.

Nach gewohntem Muster konnten Stoppuhren und Schnitttabellen zu Hause bleiben, schließlich ist die Deutschland Klassik einen automobile Wanderfahrt, das Kürzel WP bedeutet hier nicht Wertungsprüfung, sondern Wanderpunkt. Deren 16 waren auf der Route vorgesehen, darunter das Unimog-Museum in Gaggenau, die Stadtapotheke in Wiesloch, auf der Wegstrecke von Bertha Benz zur ersten Tankstelle der Welt gemacht, bis hin zum Benz-Museum in Ladenburg.

Die Schönheit Badens erfahren

Ganz ohne Prüfungen ging es dennoch nicht ab. Am Königsstuhl mussten die Teilnehmer ohne Schiebleere eine Zündkerze möglichst genau auf einen Elektrodenabstand von 0,7 Millimeter bringen. Bei den Unimogs war der Glanz des Lacks möglichst genau zu bewerten. Neben diversen Quizzfragen galt der Malwettbewerb am Schloss Schwetzingen als besonders schwere Herausforderung. Am besten schnitten in den drei Tagen Manfred Feyrer und Melanie Stöhr in ihrem 1962er Mercedes 300 SE Cabriolet ab und sicherten sich den ersten Rang in einem Wettbewerb, den alle Teilnehmer vor allem als Gaudi ansahen.

Ein wenig ernster ging es da schon beim Concours d’Elegance im Schwetzinger Schlosspark zu. In der Klasse bis 1945 machte der silberne Tatra T87 von Theodor und Jan Bartak aus Germering die beste Figur. In der Kategorie bis 1960 glänzte das Mercedes 220 S Cabriolet von Jürgen und Karla Völlm aus Krefeld am meisten, und die Klasse bis Baujahr 1981 gewann das Mercedes 250 SE Cabriolet der Kreuztaler Besatzung  Joachim und Elisabeth Horbrügger.

Alle Teilnehmer gewannen reichlich Eindrücke der Schönheiten Badens, das vor allem reichlich Fachwerk und ehrwürdige Gemäuer zu bieten hat, egal ob es um die Stadtkerne von Ettlingen, Eppingen oder Ladenburg ging, oder die Schlösser von Bruchsal und Eichtersheim. Auch das Wetter hatte ein Einsehen und belästigte die Automobil-Wanderer trotz instabiler Lage nur kurz mit ein paar leichten Schauern.

2012 wollen sich wieder mindestens 200 sonnige Gemüter zur dritten ADAC Deutschland Klassik treffen. Die dritte Auflage wird vom tiefen Südwesten in den hohen Nordosten durch Mecklenburg führen.

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