Bonhams-Auktion in der Mercedes-Benz World Brookland

Dieser Healey war ihr Schicksal

1953-55er Austin-Healey Special Test Car/100S Prototype Sports-Racing Two-Seater

Bei der Auktion in Weybridge wird am 1. Dezember ein Auto versteigert, das ungewollt zu einem Hauptdarsteller eines wichtigen Kapitels der Motorsportgeschichte wurde - eines tragischen. Stichwort: Le Mans 1955.

Bei der Auktion von Bonhams in der Mercedes-Benz World Brooklands wird ein unrestaurierter Austin-Healey angeboten, der gleich in zweierlei Hinsicht ein ganz bemerkenswertes Stück Automobilgeschichte ist. Er war Teil der Gruppe von vier speziellen Testwagen für das Modell „100“ und wurde 1953 und 1954 als Werksrennwagen eingesetzt. 1955 gehörte dieser Austin-Healey zum Starterfeld des 24-Stunden-Rennens von Le Mans und war in den fatalen Unfall mit vielen Toten verwickelt. Seit 42 Jahren war der 100S mit der Chassisnummer SPL 226/B untergestellt - völligunberührt. Bonhams schätzt , dass das Auto bei der Auktion einen Preis von umgerechnet bis zu 580.000 Euro erreichen kann.

Welche Rolle spielte dieser Austin-Healey in Le Mans 1955?
Rückblende: 11. Juni, 18.15 Uhr:  Das Rennen läuft seit 2 Stunden und 15 Minuten. Mike Hawthorn im Jaguar führt mit etwa 100 Metern Vorsprung, doch Juan-Manuel Fangio sitzt ihm im Mercedes seit vielen Runden dicht im Nacken. Auf dem Weg zu den Boxen überholt Hawthorn den Austin-Healey mit Lance Macklin am Steuer, schneidet aber das Auto mit der Startnummer 28 und bremst scharf vor ihm ab, um zum Boxenstopp einzuscheren.
Damit zwingt er Macklin zum Ausweichen nach links, aber der Austin-Healey-Fahrer bemerkt nicht den von hinten mit 260 km/h in einem weiteren Mercedes heranrasenden „Pierre Levegh“ (Pseudenym für den Franzosen Pierre Boullin) – der verheerende Unfall, bei dem „Levegh“ und 80 Zuschauer sterben und viele weitere verletzt werden, nimmt seinen Lauf.
Der Austin-Healey wird bei dem Unfall an der linken Seite und am Heck stark beschädigt, Macklin kann aber unverletzt aussteigen.

Was passierte mit dem Auto nach dem Unfall?
Dank der umfangreichen Dokumentation lässt sich die Geschichte dieses Auto fast lückenlos nachvollziehen. Es dauerte bis zum September 1956, ehe die Donald Healey Motor Company wieder über ihr ehemaliges Testfahrzeug verfügen konnte. Gerade war der Verkauf des 100/6 angelaufen und der Platz in der Firma in Warwick war knapp. An dem Wagen wurde die linken Kotflügel und die Tür ausgetauscht - im Gegensatz zum ursprünglich Aufbau aus Aluminium sind die Austauschteile aus Stahl. Im März 1957 erfolgte der Verkauf an den Privatfahrer David Buxton.

Wem gehörte dieser Austin-Healey bis jetzt?
Wie immer bei Auktionsangeboten unterliegt diese Information der Diskretion. Aber der jetzige Besitzer kaufte den Wagen mit der Chassisnummer SPL 226/B 1969 in dem Zustand, in dem er sich noch heute befindet, für etwa 150 britische Pfund - vor 42 Jahren.

Für welches Modell wurde das Auto als Testwagen genutzt und was sind die technischen Besonderheiten?
Mit diesem speziellen Austin-Healey 100 entwickelte die Mannschaft von Donald Healey die erste Baureihe seines Roadsters und des Sportmodells 100S. Die Specials unterschieden sich in wesentlichen Bauteilen von den Serienfahrzeugen, obwohl sie äußerlich identisch aussahen: erleichterter Rahmen, Karosserieteil aus spezieller Aluminiumlegierung mit Magnesiumanteil, von Austin-Versuchsabteilung getunter Vierzylinder, überarbeitetes Getriebe, Lockheed-Rennkupplung, andere Stoßdämpfer, dickere Stabilisatoren, verbesserte Bremsen vorn, Lucas-Rennelektrik und Dunlop-Rennreifen.

Wo wurde Chassis SPL 226/B  als Werkwagen eingesetzt?
Schon unter als Einsatzauto der Donald Healey Motor Company hatte der 100 mit dem Kennzeichen „NOJ 393“ eine beeindruckende Karriere: Le Mans 1953, 3. in der Klasse mit dem englischen Journalisten Gordon Wilkins und dem Belgier Marcel Bequart, Sebring 1954, 3. im Gesamtklassement mit Werksfahrer Lance Macklin und Georg Huntoon, Carrera Panamericana 1954 mit Lance Macklin (Ausfall), Bahamas Speed Week, 6. Im Bahamas Cup mit Lance Macklin.
Für den Einsatz in Le Mans 1955 überarbeitete BMC-Rennmotorspezialist Eddie Maher den zuverlässigen Vierzylinder nochmals mit einer geänderten Nockenwelle und zwei SU HD8 Vergasern - Leistung: 140 bhp.

Wer war Lance Macklin?
Oldtimerfans fällt bei dem Familiennamen wahrscheinlich zuerst sein Vater Noel Macklin ein - er gründete die Automarken Invicta und Railton sowie die Schiffswerft Fairmile Marine, die ihr Geld mit Jagd- und Torpedobooten verdiente. Lance Macklin, der am 2. September 1919 in Kensington geboren wurde, ging zwar nach seiner Ausbildung in Eton zur Marine, folgte aber seiner Leidenschaft fürs Rennfahren. Er bestritt 15 Läufe zur Fahrerweltmeisterschaft, startete drei Jahre für HWM und 1955 in zwei Rennen mit dem Maserati 250F von Stirling Moss. Ein Jahr zuvor wurde er Healey-Werksfahrer bei Sportwagenrennen. Nach seiner Rennfahrerlaufbahn arbeitete er in Paris für Facel Vega, nach deren Ende als Autohändler in London. Im Alter von 82 Jahren starb Lance Macklin im Jahr 2002.

Was sagt der Auktionator zu diesem Austin-Healey?
James Knight, der die Motorabteilung im Auktionshaus Bonhams leitet, besitzt selbst ein Austin-Healey 100: „Als schamloser Austin-Healey-Fan bin ich ganz aufgeregt, den Verkauf ein solch wichtigen und historischen Healey zu betreuen. Für mich ist der ‚100S‘ der begehrenswerteste Healey von allen. Mit dem Angebot dieses Ex-Werkswagens mit der Abstammung als „Special Test Car“ und einer solch bedeutenden Renngeschichte geht für mich ein Traum in Erfüllung.

Bonhams-Auktion "The December Sale - Important Motor Cars and Automobilia

  • Ort: Mercedes-Benz World, Brooklands Drive, Weybridge, Surrey KT13 0SL
  • Vorbesichtigung: Mittwoch, 30. November von zehn bis 17 Uhr
  • Beginn der Auktion: Automobilia am 1. Dezember 2011 um zehn Uhr, Fahrzeuge ab 14 Uhr
  • Kontakt: Telefon: +44 (0) 20 7468 5801, Fax: +44 (0) 20 7468 5802
  • E-Mail: ukcars@bonhams.com
  • Internet: www.bonhams.com

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Dirk Johae

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