Im August 2006 geschah etwas im Rheinland, dass man so in deutschen Landen kaum für möglich gehalten hätte: Ein Hand voll Enthusiasten sperrte rund um ein 900 Jahre altes Wasserschloss ein paar Straßen, verband sie zu einem knapp drei Kilometer langen Dreieckskurs, stellte noch ein paar Strohballen auf und rief auf zum fröhlichen Fahren rund um Schloss Dyck.
Rund 80 Rennklassiker folgten dem Aufruf, die Bandbreite reichte vom Porsche 356 über Fiat Abarth bis zum Mercedes-Benz 300 SLS, dazu kam Edelmetall wie Maserati 250 F oder 300 S sowie brachiales wie ein CanAm-McLaren M8. Sie verwandelten den Schlosshof in eines der schönsten Fahrerlager aller Zeiten, bei jedem Start des McLaren wackelten die Wände des alten Gemäuers, und alle Fahrer hatten mächtig viel Spaß auf dem Rundkurs. Motor Klassik war von Anfang an dabei, ebenso Mercedes-Benz, die sofort das Potential der Veranstaltung erkannten.
Concours d’Elegance "Jewels in the Park", Miscanthus-Feld und Rennkurs
Diese wuchs in den folgenden Jahren beinahe explosionsartig, zu den Läufen auf dem Rundkurs, dem Trips-Memorial, gesellte sich bald ein Concours d’Elegance auf dem gepflegten Rasen hinter der Orangerie mit dem hübschen Namen Jewels in the Park. Aus dem schönen Brauch, dass jeder Besucher, der mit dem eigenen Klassiker anreist, einen Parkplatz vor dem Schloss erhält, entwickelte sich bald das Treffen auf dem Miscanthus-Feld mit mehreren tausend Oldtimern und Youngtimern aller Art.
Die Pflaumenwiese direkt vor dem Schloss, auf der man im großen Motor Klassik-Zelt einen Kaffee trinken kann, lädt ein zum Einkaufsbummel für alles Wesentliche dieser Welt: Ein paar Knickerbocker aus den 20ern? Kein Problem. Ein Grammophon vielleicht? Jede Menge vorführbereit. Ein alter Heuer-Chronograph oder eine Trips-Uhr von Elysee? Die Auswahl ist groß. Der Platz zwischen den Zelten und entlang der Geraden, auf der sich die Rennwagen zum Start aufstellen, ist zudem angefüllt mit entspannten Menschen beim Picknick.
Motor-Festival in bester Tradition
Das wiederum ist es, was den Erfolg der Classic Days auf Schloss Dyck ausmacht: Die Veranstaltung ist ein Motor-Festival in bester Tradition, auf dem jeder ganz nach Geschmack auf seine Kosten kommt. Die Zuschauerzahlen steigen stetig, was nicht zuletzt an der geographischen Lage liegt: Schloss Dyck befindet sich nur wenige Kilometer von Neuss entfernt, Köln und Düsseldorf sind nur einen kräftigen Gas-Stoß weit weg. Knapp 40.000 waren es im vergangenen Jahr, deren Eintrittsgelder übrigens einem guten Zweck dienen: Der Veranstalter der Classic Days ist ein gemeinnütziger Verein, jeglicher Gewinn fließt in den Erhalt des Schlosses.
Dennoch sind die Preise im Vergleich sehr moderat: Im kommenden Jahr kostet die Tageskarte für Erwachsene im Vorverkauf 22 Euro, die Wochenendkarte 34 Euro. Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre kommen sogar für schmale drei Euro auf das weitläufige Gelände. Karten bestellt man am besten per Internet unter www.classic-days.de, und wer bis Weihnachten ordert und die Karten vielleicht unter den Weihnachtsbaum legen möchte, kommt in den Genuss eines besonderen Service: „Wer bis Weihnachten bestellt, erhält kostenlos eine Geschenkkarte dazu“, verspricht Organisator Marcus Herfort.
Werksteams und Rennlegenden
Frühes Bestellen ist ohnehin geraten, denn erfahrungsgemäß werden einige Karten auch im kommenden Jahr schon vor der Veranstaltung ausverkauft sein, an der Tageskasse ist dann kein Eintritt mehr möglich. Und das Programm für 2012, das sich endlich über drei volle Tage erstreckt, hat es in sich: Die Werksteams der meisten Hersteller wollen wieder vor Ort sein, der Concours d’Elegance und das Treffen auf dem Miscanthus-Feld sind ohnehin eine Klasse für sich, und dazu kommt ein ganz besonderer Ehrengast: Sir Stirling Moss, der vielleicht beste Fahrer seiner Generation, der schon länger einmal gerne auf dem Dreieckskurs fahren wollte: "Ich verfolge die Fortschritte der Classic Days regelmäßig in Motor Klassik, wir kommen gerne", erklärt der ehemalige Silberpfeil-Pilot und Mille Miglia-Rekordhalter. Wenn alles klappt, sollen im Fahrerlager und auf der Strecke gleich mehrere seiner ehemaligen Rennwagen zu sehen sein. Dass einmal Stirling Moss die Veranstaltung adelt, hätte sich im August 2006 auch niemand träumen lassen.








