Schon die Vorauswahl unterlag strengen Kriterien: Nur wer im Besitz eines FIVA-A-Passes war, durfte in Schloß Dyck am Concours d'Elegance teilnehmen - ein Nachweis, mit dem die Besitzer die Authentizität ihres Oldtimers unter Beweis stellen.
Bugatti und Benz saßen in der Jury
Insgesamt nahmen rund 50 Modelle in unterschiedlichen Kategorien an diesem Concours d'Elegance teil - und mussten vor den Augen der Jury bestehen, zu der mit den Enkelinnen von Berta Benz und Ettore Bugatti, Auto-Namenserfinder Manfred Gotta und Schloßherr Graf Simeon von Wolff-Metternich absolute Hochkaräter der Szene zählten - flankiert von Ford-Designchef Martin Smith, der als eine Art Mentor in diesem Wettbewerb fungierte.
Für den passionierten Oldtimer-Fahrer beginnt Design im Prinzip erst bei den Nachkriegsfahrzeugen: "Bei den Modellen aus den dreißiger und vierziger Jahren kann man über Eleganz reden, aber noch nicht über Design", erläutert Smith und bleibt als erstes mit bewundernden Augen vor dem Alfa 1900 Pinin Farina Coupé von 1953 stehen, der in der Kategorie Nachkrieg 1946 bis 1960 den Sieg erringen konnte. "Ich hab das Auto unrestauriert gekauft und zwei Jahre daran geschweißt", erzählt der stolze Besitzer.
Auch der Lancia Flaminia 3 C Supersport punktet bei Smith: "Das Design ist zwar etwas skurril, aber hochinteressant. Die Frontscheibe verläuft gleich in zwei Richtungen konvex und wirkt dadurch etwas aufgeblasen." Kleine Designfehler entgehen dem Experten nicht: "Die Chromeinfassungen von Heck- und hinterer Seitenscheibe sind zu dick geraten. Da bleibt kaum noch Platz fürs Blech."
Während Smith weiter durch den 80 Hektar großen Garten der Orangerie-Halbinsel aus dem 17. Jahrhundert spaziert, fällt ihm der Fiat 8V (genannt Otto Vu) 80 Supersonic von 1954 ins Auge: "Das Auto ist wundervoll modelliert. Schauen Sie mal auf die Räder, die verschwinden fast unter der Karosserie. Das würde man heute ganz anders machen", erzählt Smith mit einem Lachen im Gesicht. "Mir gefällt besonders die lange Fronthaube. Nur der Heckspoiler scheint etwas zu kurz geschnitten zu sein." Kein Wunder, dass der Fiat in der Sonderklasse One-Off des Concours d'Elegance den Sieg unter anderem vor dem Skoda Sagitta von 1936 einfährt. Nur 114 Exemplare wurden von dieser Variante gebaut, die mit dem sportlichen V8-Motor sogar an Rallyes wie der Targa Florio und der Mille Miglia teilgenommen hat. Kaum vorzustellen, dass dieser traumhafte Sportwagen mit einer Front im Haifischmaul-Look bis Ende der neunziger Jahre vor sich hin rostete, bis er in der Schweiz entdeckt und restauriert wurde.
Best of Show - Duesenberg Model X Boat Roadster
Strenger fällt das Urteil von Designexperte Martin Smith beim Anblick des Skoda Sagitta aus: "Damit kann ich nicht viel anfangen", kommentiert Smith, der sich immerhin noch zu der Bemerkung hinreißen lässt, dass er die kleine Variante des Popular "ganz lustig" findet. Immerhin handelt es sich beim Sagitta um ein Modell mit luftgekühlten Motor, von dem Skoda nur sieben Exemplare gebaut hat und der Mitte der dreißiger Jahre mal als ein neues Skoda-Einstiegsmodell geplant war, bevor der Krieg dazwischen kam.
Ernstere Worte findet der Ford-Designchef beim Anblick des Duesenberg Model X Boat Roadster von 1927, der mit seinem Besitzer aus Michigan/USA angereist ist: "Das Auto lebt ganz stark von seinen Proportionen und ist mit seinen separat angeordneten Kotflügeln total imposant." Das Model X Straight 8 ist eines von nur 13 gebauten Prototypen, die zum Synonym für High-End im amerikanischen Automobilbau der Vorkriegszeit wurde. Mit seinem 4,2 Liter Achtzylinder bringt der Duesenberg eigentlich beste Voraussetzungen für eine flotte Ausfahrt mit, doch sein Besitzer räumt unumwunden ein, "dass das Auto ganz schwer zu fahren ist. Dafür habe ich andere Modelle." Die möglicherweise nicht ganz so beeindruckend sind - der Duesenberg jedenfalls kassiert die begehrte Trophäe "Best of Show".
Ganz so elitär geht es bei den Teilnehmern der Sonderausstellung "Lovely Heros" (bis 1975) nicht zu: Als Herbert Schiffers mit seinem Borgward Isabella Cabrio von 1975 vor der Jury vorfährt, erzählt er, wie viel Arbeit er in seinen Traumwagen aus den fünfziger Jahren gesteckt hat, als er ihn 1975 in einer Scheune gefunden hat: "Ich habe das Auto 2.400 Stunden lang restauriert, bis ich es wieder in einem perfekten Zustand gebracht hatte." Das muss wahre Liebe sein.









