Eicke Schürmann, Pressesprecher der Classic Days, weiß über die Historie des Camping gut Bescheid. "Die Ursprünge des Camping liegen in England. Zunächst war das eine aristokratische Urlaubsform. Nobles Picknick in den eigenen vier Wänden, in so genannten Horse drawn Caravans." Diese boten ihren adeligen Picknickern allen nur erdenklichen Luxus und Komfort.
"In Deutschland folgte das Camping einem ganz anderen Ansatz. Im Rahmen der Wandervogelbewegung war das Camping wie Kanu- und Radtourismus eher sozialistisch geprägt und später dann das kleine Geschwisterchen des Wirtschaftswunders." Damals war Camping noch eine günstige Urlaubsform, heute ist es viel teurer als der All-inclusive-Urlaub, den man über Internet bucht. An die Anfänge des Camping erinnern bei den Classic Days Schloss Dyck 29 Campinggespanne. Der älteste Wohnwagen stammt aus dem Jahr 1948.
Gespann- und Wimpel-Sammler - seit mehr als 60 Jahren Camper
Annemarie und Karl-Heinz Paumen aus Dormagen gehören zu den eingefleischten Camping-Freunden. Seit den Fünfzigern sind sie Camper und fahren seither mit Auto und Wohnanhänger in den Urlaub. "Die erste große Reise war 1962, als wir mit einem VW Käfer und einem Steilwandzelt zum Lago Maggiore gefahren sind", erzählen die beiden Rentner. Seither hat das sympathische Paar fast alle europäischen Länder bereist, wie der beeindruckende aufgespannte Baum mit Wimpeln beweist. "Die sind alle selbst erfahren", sagt Annemarie Paumen und zählt auf: "Finnland, England, Irland, Schottland, Spanien, Schweden, Norwegen, die Benelux-Länder und am Polarkreiswaren wir auch schon. Wir könnten Bücher schreiben, so viel Schönes haben wir in den fast 60 Jahren erlebt." Das Bild wird durch die zeitgenössische Ausstattung komplettiert. "Kocher, Hocker, Campingtisch - so etwas kriegen sie heute ja gar nicht mehr."
Lieblingsauto: Volvo 164 mit 440.000 Kilometern
Zu den Classic Days Schloss Dyck sind sie mit ihrem Ersthand-Volvo P 164 angereist. Der Schwede gehört schon seit 1974 zu ihrem rollenden Haushalt. "Wir haben den damals gekauft, weil wir mehr als sechs Jahre auf einen Mercedes hätten warten müssen. Außerdem saßen die Mercedes-Verkäufer auf so einem hohen Ross, da hab' ich irgendwann gesagt: Mit mir nicht!" Den Kauf beim Volvo-Händler haben die beiden nie bereut. Kein Wunder, der Volvo hat nie einen Schraubenschlüssel außerhalb der regulären Inspektionen gesehen", freut sich Annemarie Paumen. Mittlerweile hat der Schwede mit dem 160 PS starken Dreiliter-Sechszylinder auf den Urlaubstouren schon mehr als 440.000 Kilometer abgespult. Meistens mit Anhänger natürlich.
"Denn das Schönste ist ja auf dem Campingplatz ankommen, die Stützen runterklappen, den Schlüssel umdrehen und rein ins Haus", erklärt Annemarie Paumen. Bei der Begeisterung verwundert es nicht, dass die beiden mehrere rollende Häusern besitzen. Schließlich sind sie Sommers wie Winters unterwegs und haben "für jeden Einsatzzweck das richtige Gespann", sagt Karl-Heinz Paumen, "Wir haben ja mehrere Autos und mehrere Wohnanhänger. Wie viele genau, sagen wir lieber nicht, sonst halten sie uns noch für verrückt."
Im Alltag kommt ein Volvo 245 zum Einsatz, den Karl-Heinz Paumen 1993 neu gekauft hat. Ein Mercedes-Benz W 116 wird vor allem für die Wintertouren genutzt. Hinten am Haken zieht die S-Klasse dann einen sieben Meter langen und 2,30 Meter breiten Dethleffs-Wohnanhänger, der besonders gut gedämmt ist. Frau Paumen weiß nämlich die Qualität zu schätzen: "Ein Campingurlaub steht und fällt ja schließlich mit der Ausrüstung." Und ihr Mann pflichtet ihr bei: "Deswegen haben wir auch für verschiedenen Einsätze das passende Gespann. Im Sommer für kleinere Touren nehmen wir unser brasilbraunes 1979er Käfer-Cabriolet mit einem nur 390 Kilogramm schweren MKP Smutti hinten dran."
Und die Paumens haben ihre Leidenschaft für das Camping an ihre Kinder weitervererbt: "Alle unsere drei Kinder sind zu begeisterten Campern geworden"
Volks-Ferrari-Gespann - Fiat 850 Sport Spider mit Brüderchen
Direkt neben den Paumens parken Rudi und Anneliese Lahm aus Köln ihr Gespann. "Wir sind aber eher Neueinsteiger", erklärt Rudi Lahm. Erst vor drei Jahren waren wir zum ersten Mal mit unserem Gespann unterwegs - dann aber gleich richtig. Drei Monate sind wir bis nach Sizilien und zurück gefahren." Das passende Zugfahrzeug hatten die Kölner schon seit 1985, einen Fiat 850 Sport Spider von 1971, den "Volks-Ferrari", wie er in den Siebzigern genannt wurde. "Den Hänger, einen Scholz Brüderchen, hab ich dann über einen Clubkollegen vom Camping Oldtimer Club gefunden und ein viertel Jahr lang restauriert. Mit Schleifen, Lackieren, Polstern und so weiter - ich bin ja schließlich Rentner und muss mich bewegen."
Das kleine 52 PS-Fiat-Coupé zeigte sich dann auf der Tortour über die Alpen anfällig: "Ich hatte riesige Probleme: Eine Glühbirne musste ich auswechseln!", lacht Lahm, "bei Steigungen bis 16 Prozent ging alles gut, aber bei 18 Prozent bekam ich Schweißausbrüche." Anneliese Lahm erklärt augenzwinkernd: "Das ist sein Hobby - ich mach das alles nur mit." Einen Riesen-Spaß haben die beiden jedenfalls auf den Classic Days Schloss Dyck: "Alte Motorräder und Autos die laut sind und stinken - das ist einfach Klasse."
Wenn der Lackierer sich quer stellt - Buick Riviera Special Hardtop
Mehrere Nummern größer ist das Zugfahrzeug von Hildegard und Thomas Hansen aus Mönchengladbach. Die beiden sind mit einem 1956er Buick Special Riviera Hardtop zu den Classic Days Schloss Dyck gekommen. "Der ist 1990 bei einem USA-Urlaub hängengeblieben", erklärt Thomas Hansen. Per Container wurde der Buick nach Deutschland geholt und in rund 2.500 Arbeitsstunden komplett restauriert. "13 Jahre später ging es auf der gleichen Route zurück in die USA - zum 100-jährigen Bestehen der Marke Buick in Flint/Michigan. Thomas Hansen ist ein großer Buick-Fan und Präsident des Buick Clubs in Deutschland.
2003 kam auch der Wohnanhänger hinzu, der nach 500 Stunden Arbeit wieder wie neu glänzte. Für die auffällige Farbkombination des Gespanns stand ein Verkaufsprospekt Modell. "Zuerst wollte ich den Buick in blau-weiß lackieren lassen, doch da hat sich der Lackierer quergelegt. Sein Argument war damals: 'So fährt doch jeder Manta rum und außerdem kommt so der Chrom nicht zur Geltung'. Also habe ich das Prospekt herausgesucht und den Riviera in Orange-Gelb lackieren lassen."
Berry und Kees van Setten aus Holland
Sie gelten als die Prototypen der Campingfreund: Die Holländer mit ihren gelben Kennzeichen bevölkern gerade in den Sommermonaten die Autobahnen auf dem Weg zu den Campingplätzen dieser Welt. Berry und Kees van Setten aus Oss in den Niederlanden sind mit ihrem Singer 4AD von 1951 in den Schlosspark gekommen. Seit den ersten Classic Days sind sie dabei und haben diesmal einen interessanten Wohnanhänger an den Haken genommen. Das 360 Kilogramm-Leichtgewicht wurde 1964 gebaut und wir beim Aufbau einfach auseinandergeklappt. "Deswegen heißt er auch Knospe", erklärt Berry van Setten. Zusammengeklappt macht sich Knospe mit 1,40 richtig dünn hinter der britischen Roadster, aufgebaut sind es 2,25 Meter. Das Werbeprospekt preist an: "Die schmale Fahrbreite gewährleistet freie Sicht nach hinten im Rückspiegel, geringste Behinderung beim Fahren , kleinen Luftwiderstand und sichert in Verbindung mit der anerkannt guten Straßenlage angenehmes Fahren und große Reiseschnitte."
Der leichteste Wohnanhänger - Levante Graziella
Noch leichter als die Knospe ist der italienische Wohnanhänger Graziella vom Hersteller Levante, den Heiner Siggemann aus Gütersloh mitgebracht hat. "Der Graziella wiegt nur 260 Kilogramm und ist wohl der leichteste Wohnanhänger, den es gibt", erklärt Siggemann. Er fand ihn vor kurzem bei einem Internet-Auktionshaus und ist erst seit neun Monaten in der Oldtimer-Caravan-Szene dabei. Als Zugfahrzeug hat der BMW-Liebhaber seinen 2002 Automatic gewählt, für den er zum Glück noch rechtzeitig bei ebay eine nagelneue Anhängerkupplung ersteigern konnte. "Die war falsch beschrieben", freut sich der Mittvierziger, "und ich bekam bei 20 Euro den Zuschlag." Neben dem 2002 besitzt Siggemann noch einen 518i der Baureihe E28 und ein 02-Vollcabrio. "Bei mehr würde ich zu Hause Probleme bekommen", lacht Siggemann, der zum ersten Mal bei den Classic Days ist. "Das ist wie ein großes Gartenfest, hier sieht man Brot-und-Butter-Autos und Millionenautos, die Atmosphäre ist toll und die Leute super gelaunt - ich komme auf jeden Fall wieder."









