Coys-Auktion bei der Essen Motor Show: Der geheimnisvolle Engländer

Essen Motor Show 2011 - Coys-Auktion

Zwischen Riesenfelgen, beleuchteten Unterböden und Currywürsten ist die Halle eins eine Insel der Ruhe. Hier lauern die Oldtimer-Auktionäre und warten auf Beute.

Heinz Dieter Koch macht das hier schon seit 20 Jahren. Herr Koch kann warten. "Da läuft so ein Engländer hier herum, ich glaube, der kommt wieder", meint der Mann von der Auto-Galerie Bad Breisig, und es ist nicht ganz klar, wer es hier auf wen abgesehen hat, wer Jäger ist und wer Beute.

Zehn Autos hat Koch mitgebracht, von einer der letzten Jaguar XJ-Limousinen mit langem Radstand bis hin zum Daimler Sports Saloon, auf den wohl der geheimnisvolle Engländer zielt. "So ein Auto kann nur ein Engländer kaufen. Die stehen doch auf ihr Königshaus", sagt Koch.

Daimler vom Duke of Windsor

Der Daimler aus dem Jahr 1938 gehörte einst dem Duke of Windsor. Es soll sogar historische Aufnahmen des Herzogs geben, auf dem das Auto zu sehen ist. Der olivgrüne Viertürer ist in ausgezeichnetem Zustand. Mindestens 150.000 Euro soll er bringen, "sonst nehme ich ihn wieder mit."

Koch stellt seine Autos bei Coys aus, das britische Auktionshaus, Baujahr 1919, ist schon zum zweiten Mal in Essen vertreten. Klar geht es hier in erster Linie um Rennwagen, Tuning-Autos und Zubehörteile, aber wo Autos ausgestellt werden, will auch Coys sein. Die Auktion ist erst am Mittwoch, 200 Bieter erwartet man, heute sind die roten Plastikstühle sind leer.

Dafür drängen sich schon am ersten Publikumstag der Motorshow die Fans an der Absperrung. Ohne Katalog kommt niemand rein, mahnt ein Schild, und der Katalog kostet 20 Euro. Es ist eine Abschreckungsmaßname. Nicht gegen die zwei ergrauten Herren, die gerade mit Taschenlampe einen Porsche 356 durchleuchten. "Das sind Sammler, die haben Ahnung, das sehe ich gleich", sagt Herr Koch.

MG TC von der Maggi-Erbin

Der wahre Feind ist der moderne Tuning-Banause, der alles anfasst, sich überall reinsetzt, ohne zu fragen. Herr Koch führt ein bisschen herum, schwärmt vom Zustand des 50er Delahaye und orakelt, dass die neue Maybach-Limousine nach der Einstellung der Marke gute Chancen auf einen echten Geldbringer hat. Er mault über den Zustand des MG TC, den die Erbin des Maggi-Imperiums offenbar nach Durchpflügen einer Liebstöckel-Plantage in ungereinigtem Zustand zum Verkauf anbietet.

Daneben steht ein extrem gepflegter Jaguar-C-Type. Kein Wunder, der ist praktisch nagelneu, eine Replika, die Pink-Floyd-Drummer Nick Mason hat anfertigen lassen. In Topzustand ist der echte Delahaye 235 MS. Ein Mindestgebot für den früheren  Pebble Beach-Gewinner ist im Katalog nicht notiert. Dort ist das teuerste Stück ein restaurierter Jaguar SS100, zwischen 275 und 325 sollten es schon sein - Riesen versteht sich.

Stangenware: AMG-Mercedes SLS

Herr Koch muss den Plausch kurz unterbrechen. Zwei Jugendliche haben das Areal geentert und fotografieren sich nun gegenseitig im AMG-Mercedes SLS. Herr Koch weist die jungen Herrschaften höflich darauf hin, dass sie sich unbefugt Zuritt verschafften und sich unbotmäßig verhalten. Dabei bleibt er ausgesucht freundlich. "Man weiß nie", raunt er anschließend. "Manchmal kommen drei Tage später die Väter und bezahlen das Auto bar."

Der SLS ist in seinen Augen ohnehin kein allzu schützenswertes Kulturgut. "Mercedes hat zu viele davon gebaut." Und so wendet er sich ab von der Stangenware und preist lieber wieder sein aristokratisches Einzelstück der Marke Daimler an. "Manchmal schleichen die Leute drei Tage um das Auto herum, manchmal kommen sie am Anfang, sind Tage nicht mehr gesehen, und dann tauchen sie wieder auf", doziert Koch über das Jagdverhalten des gemeinen Oldtimer-Sammlers. Koch ist gelassen. Der Engländer wird kommen, früher oder später wird er ihn erlegen.

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Kai Klauder

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