"Ich liebe Goodwood, weil ich schon als kleiner Junge mit kurzen Hosen an der Seite meines Vaters hier war, als Assistent beim Filmen der Rennen". Dieses Jahr macht Mason mal Pause, kümmert sich lieber um die Promotion seines neuen Buches, das er über ausgewählte Autos seiner Sammlung geschrieben hat. Sein Co-Autor Mark Hales startet in Masons Ferrari GTO bei der RAC TT Celebration, gemeinsam mit Ex-Formel-1-Pilot Martin Brundle. Masons rote Rarität, zuletzt soll in den USA einer für 30 Millionen Dollar den Besitzer gewechselt haben, wird natürlich auch in dem Buch vorgestellt.
Beim Festival geht es um die Show
Auch wenn es Nick Mason zu viel Trubel ist, in diesem Jahr selbst zu fahren, besucht er natürlich das weltweit einmalige Festival, bei dem es weniger ums Racing als vielmehr um die Show geht, wie der Doyen der Motorsporthistoriker, Doug Nye unterstreicht. Nye, der vom Rennergebnis bis zur Speichendicke jedes Detail im Motorsport kennt, ist der einflussreichste Berater des Earl of March und wurde hinzugezogen, als Charles March 1992 das Estate von seinem Vater übernahm. Neben der Pferderennbahn und dem Golfplatz am Goodwood House fehlte ihm die Nutzung der Rennstrecke. Gesagt, getan: Nye kümmerte sich um die Autos, der adelige Landbesitzer besorgte den Rest.
Zeitreise in die VergangenheitHeute ist Goodwood weit über den Kreis von Motorsportinsidern hinaus bekannt und wird, was die Bekanntheit angeht, in einem Atemzug mit Le Mans, Monte-Carlo und Indianapolis genannt, den anderen Wallfahrtsstätten. „Sold out“: die gelben Schilder mit schwarzer Schrift stehen schon an den Zufahrtsstraßen des Geländes in der Nähe von Chicester in der Grafschaft West Surrey. Wer sich eins der begehrten Tickets im Vorverkauf gesichert hat, erlebt eine Szenerie, als wäre die Zeit 1966 angehalten worden. Da nämlich fanden die letzten Rennen auf dem Circuit statt. Die Werbung an der Boxenanlage, die Bauten im Fahrerlager, ja sogar das Programmheft sehen so aus wie zu Zeiten von Freddie March, dem rennbegeisterten Opa von Charles.
Den „magischen Schritt zurück in die Geschichte“ nehmen auch die Zuschauer wörtlich: vom Dress aus den 1940er Jahren bis in die Swinging Sixties ist alles dabei. Die Herren geben sich aber im Schnitt weniger Mühe als die Damen - oder sie übertreiben maßlos, in dem sie sich künstliche Bärte ankleben, die schlecht sitzen und die Anmutung einer Karnevalsverkleidung haben. Stilsicher dagegen agieren die Mitarbeiter von Porsche Classic, die in den grauen Arbeitskittel und Schlägerkäppis so aussehen, als hätten sie den Porsche 911, dessen Restaurierung sie beim Revival Meeting fortsetzen, schon 1964 vom Band gefahren.
Auch einige Fahrer schmeißen sich gekonnt in Schale. Martin Brundle etwa durchschreitet in einer Flugkapitänsuniform das Fahrerlager, Andy Priaulx wagt den Mix aus Schlägerkäppi (wahrscheinlich aus dem Kleiderfundus seines Opas) und hochmodernem BMW-Renndress, und Arturo Merzario trägt immer noch die gleiche Frisur wie in den 1970er Jahren.
Die schnellste Zeitmaschine der WeltDas historische Kleidungs-Amalgam zeigt aber auch kleine Risse. Manches Auto trägt bei genauem Hinsehen etwas modernere Züge als der Stall-Nachbar nebendran. Der E-Type mit dem roten Hardtop gehört einem gewissen Mister Newey, der bei Red Bull für die Konstruktion und die Technik der ultramodernen Formel-1-Boliden mit Weltmeistergenen verantwortlich ist. Da er mit dem E-Typ, dessen DNA bekanntlich 50 Jahre alt ist, Rennen fährt, möchte er gern das Auto so gut wie möglich machen. Angeblich nutzt der begnadete Rennwagen-Konstrukteur noch ein klassisches Zeichenbrett statt eines Computers, seine Gedanken aber sind der letzte Schrei, auch beim E-Type, der so gar nicht in die Zeitmaschine passen will, und das nicht nur äußerlich.
Er fährt trotzdem und sein Teamkollege Gerhard Berger fährt im Newey-E-Type allen auf und davon. Doch zwei Safetycar-Phasen sorgen für ein bisschen mehr Gerechtigkeit, und Newey selbst mit einem winzigen Fahrfehler für den Erfolg von Martin Stretton und Jon Minshaw, den historischen Racern, die der Gesandschaft aus der neuen Rennsportwelt ein Schnippchen geschlagen haben.
So what? Die Show stimmte doch und am Sonntag noch präsentierte Adrian Newey Gästen voller Stolz seinen E-Type wie die Besucher ihre originellen historischen Kleider. Übrigens - das gibt es auch nur in Goodwood: Alle Autos und Motorräder bleiben bis zum Veranstaltungsende am Sonntag im Fahrerlager. Keiner wagt, gegen die eiserne Regel zu verstoßen und sein Fahrzeug früher aufzuladen. Sonst wird er nicht mehr eingeladen, in die schnellste Zeitmaschine der Welt.








