VW zeigt etwas Mut und präsentiert den 1500
1961 produziert VW rund 4.000 Fahrzeuge (davon 3.400 Käfer) pro Tag. Damit sind die Wolfsburger 16 Jahre nach Kriegsende der größte Automobilproduzent Europas. Doch in den letzten Jahren haben sich die Innovationen in engen Grenzen gehalten, so ist der Käfer nur moderat modellgepflegt und technisch verbessert worden. Nun steht aber etwas Größeres an. Denn der Kundschaft wird der Käfer zu klein, die Rundumsicht und das Fahrwerk sind nicht mehr zeitgemäß. Vor allem aber soll der der Kofferraum doch bitte etwas größer sein. Und ein bisschen mehr Leistung kann ja auch nicht schaden.
Wie erfolgreich die größeren Autos sind, kann an den Abwanderungsraten der Kunden zu anderen Herstellern gesehen werden. Also stecken die Entwickler die Köpfe zusammen - und heraus kommt der VW 1500, den es als Limousine, Kombi, Cabriolet und Coupé gibt. Das Konzept bleibt allerdings dem Käfer sehr ähnlich, der Motor ist immer noch ein Boxer, er sitzt immer noch hinten, der Radstand bleibt bei den bekannten 2.400 Millimetern, die Außenabmessungen wachsen nur leicht (Länge plus 160, Breite plus 70 Millimeter) und die Leistung wird auf magere 45 PS gesteigert.
Andere Mittelklassewagen sind da schon weitaus moderner: Ford 12 M oder Opel Rekord. Und vor allem die zweite große Messe-Neuheit, die auf dem BMW-Stand präsentiert wird.
Dort schlendert man am gelungenen neuen 700 Cabriolet vorbei und sieht erst einmal nichts außer einer riesigen Menschentraube. Grund dafür ist der neue BMW 1500. Er scheint aus einer anderen Welt als der gerade beim VW-Stand gesehene 1500 zu kommen. Trotz des gleichen Namens verbindet die beiden fast gar nichts. Die Karosserie ist beim BMW selbsttragend, der Motor sitzt vorne und ist zudem ein hoch entwickeltes Aggregat. Die erste Variante des später legendären M10-Motors leistet 80 PS und damit beinahe doppelt so viel wie der VW-Boxermotor gleichen Hubraums. Als Höchstgeschwindigkeit gibt BMW 150 km/h an.
Der Slogan "Aus Freude am Fahren" passt wie die berühmte Faust auf’s Auge. Die Neue Klasse wird schnell zum Traum der jungen sportlichen Familienväter und dient der Marke BMW noch mehr als 40 Jahre danach als Werbebotschaft. Für das ungleich modernere Auto müssen die Käufer allerdings auch einen kräftigen Aufschlag im Vergleich zum VW 1500 zahlen: Der Preisunterschied beträgt etwa 2.000 Mark, der BMW kostet 8.500 Mark, der VW ist für 6.400 Mark zu haben.
Der beste Citroen heißt Renault R4
Neben den Mittelklassewagen erregen auch zwei Kleinwagen auf der IAA 1961 großes Aufsehen. Der Prinz 4 und der Renault 4. Letzterer ist der Ur-Ahn der aktuellen Mini-Vans - er bietet enorm viel Platz und ein durchdachtes Raumkonzept. Dazu dank langer Federwege ein komfortables Fahrverhalten. Und er kann alles noch ein bisschen besser als sein Landsmann Citroen 2 CV, weshalb auch der Spruch entsteht, dass der R4 der beste Citroen sei, der je gebaut wurde. Er ist mit 3.990 Mark nur 180 Mark teurer als der Standard-Käfer.
Der Prinz 4 (zum Preis von 4.590 Mark) gefällt weniger durch praktischen Nutzwert, als vielmehr durch sein sportliches Fahrwerk und das modernisierte Design.
Mercedes und Opel feiern Jubilare
Daimler-Benz feiert 1961 auf der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt 75 Jahre Firmenbestehen und zeigt auf seinem Messestand allerlei historisches. Das Unternehmen Opel ist noch einmal 25 Jahre älter und beweist dies mit dem ersten Produkt, einer Nähmaschine von 1862.




