Retro Classics 2010: Die Professoren-Dauphine von Mister Moon

Renault Dauphine - Retro Classics 2010

Auf der Suche nach dem besonderen Auto konnte man auch in diesem Jahr auf der Retro Classics fündig werden. Eine 1962er Renault Dauphine mit nur 17.000 Meilen auf dem Tacho spielte die Verführerin. Und auch der Verkäufer - Armin Bel Air - ist ein echtes Original.

Sie steht etwas verschüchtert zwischen einem Mercedes-Benz R107 und einem Cadillac De Ville, und doch überragt sie die beiden Nachbarn - natürlich nicht an Größe, vielmehr an Charme.
 
Nach drei Jahren wurde die Renault Dauphine 1965 eingemottet
 
Ihr Zustand ist sehr gut, dabei original, die Aufkleber erzählen schon eine Geschichte, bevor der Verkäufer sein Auto anpreisen kann. Sie geben einen Hinweis darauf, dass dieses Exemplar etwas Seltenes ist - sie sind in englischer Sprache.
Armin Bel Air, der Anbieter, klärt auf. "Das ist ein US-Import, den hab' ich aus Kalifornien von einem Freund. Vorbesitzer war ein Professor aus Berkeley, der den Renault nur drei Jahre lang von 1962 bis 1965 gefahren ist. Dann hat er ihn in der Garage abgestellt, mit zig Decken gegen neugierige Blicke geschützt - und offenbar vergessen. Ein Freund von mir hat ihn dann entdeckt und aus den Woodland Hills herausgeholt."
 
Der Zustand der Dauphine überzeugt - bei der Laufleistung und Geschichte kein Wunder. Und auch der aufgerufene Preis ist durchaus akzeptabel. Classic Data nennt 6.000 Euro für eine 1956er Dauphine in Zustandsnote 2. Von ursprünglich geforderten 8.500 Euro hat der Berliner Verkäufer den Preis auf 6.900 Euro reduziert. Doch da geht immer noch was: "Ach weißt Du, ich will ehrlich sein, ich steck da mit 5.500 Euro drin - und wenn ich die wieder reinbekomme, ist die Sache für mich okay. Das ist ja mehr ein Hobby von mir."
Kauf-Tipp: Renault Dauphine in überzeugendem Zustand
 
Für die 5.500 Euro geht die Dauphine glatt als Tipp der Retro Classics durch. Der Chrom ist pickelfrei, an der Karosserie ist kein Rost zu sehen und der Motor mit seinen 17.000 Meilen sollte zwar mit Öl einmal komplett gespült werden, doch er dreht. Auch der Innenraum präsentiert sich in Top-Zustand, den Marienkäfer auf dem Rücksitz gibt's bei gutem Verhandlungsgeschick bestimmt noch dazu. Und der überraschend große Kofferraum unter der Fronthaube nimmt bei Bedarf auch das Urlaubsgepäck auf.
 
Armin Bel Air ist 'ne eigene Marke, der Berliner betreibt in Berlin einen Klamotten- und Schuhladen und fliegt mehrmals im Jahr nach Amerika. "Ich kauf dann meist ein paar Autos und pack' die bis oben hin voll mit Deko-Kram und Klamotten - das sind meine rollenden Container", erklärt er. Zum zweiten Mal ist der Ami-Fan auf der Retro Classics. Im letzten Jahr hat er einen 57er Studebaker Silver Hawk verkauft. Diesmal hat er neben der Renault Dauphine noch einen 1988er Mercedes-Benz SL 560 der Baureihe 107 dabei, den er für 14.000 Euro anbietet.
 
Armin Bel Air steht auf große Amis, nicht auf niedliche Franzosen
 
Armin Bel Air fährt privat - na was? Natürlich 'nen Chevy Bel Air, den er Mister Moon getauft hat. Das 1958er Sport Hardtop Coupé wird von einem 454-Big Block beblubbert und passt dann doch besser zu dem US-Car-Fan. Von seiner letzten Amerika-Reise hat sich Armin Bel Air allerdings ein ganz außergewöhnliches Auto mitgebracht: Bog Frog nennt er das skurille Auto, dessen Karosserie fast komplett aus Holz besteht. Der Vorbesitzer - ein Bootsbauer - hat sich einen Strandbuggy in amerikanischen Dimensionen geschaffen, der mit seinem Airride-Fahrwerk in Berlin mit Sicherheit noch von sich reden machen wird.
 
Bei den Dimensionen seiner anderen Autos ist der letzte Hinweis durchaus angebracht: "Und schreib' bei dem Bild vom Motorraum, dass das nicht der Scheibenwischermotor ist." Was hiermit getan ist.
Von dem Zustand der Renault Dauphine können Sie sich in unserer Fotoshow überzeugen.
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Kai Klauder

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