Dass der alte Flugplatz in Finowfurt das noch erleben darf. Rund 40 Kilometer im Norden Berlins gelegen, langweilte er sich vor der Wiedervereinigung mit vorwiegend russischen Militärflugzeugen – heute huschen einmal im Jahr schnelle Oldtimer über seine Landebahn. Das hat er dem Roadrunner’s Paradise & Race 61 Festival zu verdanken, ein ausgefallenes Rock- und Rennspektakel, das vom 29. Juni bis 1. Juli gefeiert wird und jedes Jahr Zehntausende anlockt.
Beim Beschleunigungsrennengibt's kaum Beschränkungen
Bereits zum 15. Mal fand es statt und geht auf ein kleines Motorradtreffen zurück. Das heutige Race 61 ist jedoch keins dieser liebreizenden Kaffeekränzchen von blitzblankpolierten Karossen mit unfassbarem Sammlerwert; hier blubbern bunte Hot Rods, gut frisierte 60er und 70er Jahre Geschosse und viele alte Zweiräder um die Wette. Statt bester Lackqualität und hellstem Chrom werden Pinstripes und hohe Verdichtung gefeiert. Der Auftrag der teilnehmenden Geschosse: Möglichst schnell und unterhaltsam den Short-Sprint (150 Meter-Strecke) antreten.
Freitag wird angereist und technisch begutachtet, Samstag finden die Qualifikations- und Endläufe statt, Sonntag die Showrennen. 40 Euro kostet der Eintritt für alle drei Tage inklusive Zeltplatz. Aufs Gelände und bei Beschleunigungsrennen mitfahren dürfen alle zwei und vierrädrigen Raketen bis Baujahr 1976 - die Anzahl der Achsen und Zylinder ist freigestellt.
Showläufe mit wilden Paarungen
Neben den ernsthaften Rennen am Samstag erfreuten vor allem die Showläufe am Sonntag durch ihre wilden Paarungen: Da traten zum Beispiel ein BMW E28 Alpina gegen einen Jaguar mit Big Block-Herz, ein klassisches Herrenrad mit MZ-Hilfsmotor gegen eine Drag-Race-Ducatti, ein abgegriffener Mini gegen einen sportlich tiefergelegten VW Käfer an. Reichlich Hubraum ist zwar klar von Vorteil, aber keine Bedingung, um von den Zuschauern geliebt zu werden. Beweise lieferten unter anderem ein optisch runtergekommener Berliner Roller und eine extrem erleichterte Vespa, die beide teilweise deutlich stärker motorisierte Gegnern deklassierten.
Highlights neben der Strecke: Wall of Death und Startergirls
Abseits der Rennstrecke lassen sich auf einer kleinen Meile Helme, Jacken und Poster kaufen, die Wall of Death betreten, sexy Startergirls bewundern. Dazu wird Kaffee im Heck eines alten Fiat 2300 gebraut, frische Pasta auf vom Rücken eines Ape gereicht, dicke Bürger aus einem alten Wohnanhänger verdrückt. Schnell hat die Luft das richtige Verhältnis aus Sprit und Motoröl und man schlendert gemütlich über das weitläufige Gelände, staunt über viele kreative Umbauten und betagte Militärflugzeuge der ehemaligen DDR, die zwischen den begrünten Hangars ein unvergessenes Freilichtmuseum bilden.
Nach Fachgesprächen mit Gleichverrückten steht dann mit dem Sonnenuntergang das eigene Zelt, kurz darauf stimmen die ersten Bands an. Und spätestens am Morgen summt die innere Stimme: Solch' lockere Veranstaltungen sind selten - selten schön.







