Wenn Männer helle Panama-Hüte tragen, ein dunkles Jackett überstreifen und mit weißen Papierbögen unter dem Arm über den Rasen schlendern, dann kann es sich nur um einen Concours d Èlegance handeln – so wie an diesem Wochenende bei der 2. Schloss Bensberg Classics.
Hochkarätige Jury bewertet hochkarätige Klassiker
Nach dem Vorbild von Pebble Beach tritt auch hier eine Jury mit prominenten Designer und Automobil-Experten zusammen: VW-Designchef Walter de Silva, Italdesign-Chef Giorgetto Giugiaro, Rennfahrer-Legende Jackie Ickx, Pebble Beach-Präsidentin Sandra Button, Ex-BMW-Designchef Chris Bangle und auto motor und sport-Chefredakteur Bernd Ostmann hatten die nicht ganz einfache Aufgabe, unter 40 Auto-Pretiosen das schönste Modell der Show herauszufinden.
Bernhard Knöchlein als Besitzer des BMW 328 Stromlinie By Wendler machte sich von Anfang an keine große Hoffnung auf einen Preis: "Die BMWs schneiden bei solchen Wettbewerben nie sonderlich gut ab." Das hält ihn aber nicht davon ab, in der Tradition seines Vaters überwiegend BMW-Oldtimer zu sammeln. "Wir besitzen die Stromlinie seit 1979. Sie ist zwar nicht richtig schön, aber schnell und effizient."
Ex-VW-Designchef Hartmut Warkuß, einst Kreateur des VW Beetle, entdeckt mit dem Karmann Ghia Typ 1 ein Modell, "das für seine damalige Zeit ungeheuer modern wirkte. Das hab ich bei VW in meiner Amtszeit immer vermisst: Mehr in die Zukunft zu schauen."
Design-Professor Lutz Fügener von der Hochschule Pforzheim zeigt sich dagegen vom Lamborghini Countach LP 400 total begeistert: "Das ist eine geniale Skulptur, bei der man auf keine Details hinweisen muss. Das Auto könnte man meinetwegen aus Sperrholz nachbauen, dann fänd ich es immer noch hochemotional." Ganz anders die Reaktion des Design-Experten auf die Vorkriegsautos im Wettbewerb: "Der Jaguar SS100 ist vollkommen unverwechselbar in seinen Proportionen. Aber es ist schon schwer herauszufinden, was hier noch gutes Design und was mehr Legende ist."
Publikumspreis für Kompressor-Mercedes
Daneben steht das Mercedes-Benz 540K Cabriolet A von 1937, das in den letzten Jahren von Kienle Automobiltechnik in Ditzingen nahe Stuttgart von Grund auf restauriert wurde und einen neuen Holzrahmen sowie eine neue Karosserie bekommen hat. Das 2,4 Tonnen schwere Monument deutscher Automobilgeschichte hat vor dem Krieg 22.000 Reichsmark gekostet und beeindruckte mit seinem 5,4 Liter-Reihenachtzylinder das Publikum so sehr, dass sie ihm den Preis "Best of Show by Public" verliehen. "Für mich strahlt der Wagen alle Insignien der Macht aus", so Fügener, "aber dafür war er wohl damals auch gedacht." Juror Chris Bangle bleibt dafür beim Bentley Speed Six von 1929 hängen, von dem insgesamt nur 182 Exemplare gebaut wurden und der mit einer Torpedo-Karosserie der Firma Barker die optimale Form bekam, um Geschwindigkeitsrekorde zu brechen: "Was kann man nicht alles aus Blech machen", sinnierte der Ex-BMW-Designchef, während er über das spitz zulaufende Heck strich. "Und das Schild mit dem Markenlogo sieht so aus, als ob es jemand einfach über dem Knie zurechtgebogen hätte."
Erhaben mit aufgerichteten Kühlermasken stehen die Vorkriegsautos vom Schlage eines Horch 930 S Stromlinie von 1939 oder eines Alfa 6C 2300 Mille Miglia vor Schloss Bensberg, während sich die Sportwagen aus der Nachkriegszeit mit einer ungeheuren Dynamik in Szene zu setzen wissen. Der Alfa Romeo Tipo 33 Stradale von 1967 hatte es so auch Karmann-Designchef Jörg Steuernagel besonders angetan: "Der drückt unglaublich stark auf die Straße. Das Design ist klar und nüchtern - dieses Auto hätte ich selbst gern entworfen."
Pebble Beach-Teilnehmer gewinnt den Concours d'Elegance
Vor den Augen der Juroren hat der Stradale aus dem Alfa-Museum allerdings nicht ganz bestanden: Der Titel "Best of Show" ging bei der 2. Schloß Bensberg Classics an das Bugatti Typ 57 Cabriolet, das sich im Besitz des Niederländers Franz van Haaren befindet. Die Karosserie stammt von der Firma Gangloff aus Colmar. Und zwar deshalb, weil sie im Vergleich zu Bugatti nur die Hälfte des Preises für ihre Arbeiten veranschlagte. Erst dieses Angebot überzeugte den Kaufinteressenten und so entstand das kostbare Einzelstück. Später verschwand es in den USA und wurde erst 2003 für Pebble Beach wieder in den Originalzustand zurückversetzt wurde. Die Jurymitglieder zogen vor der Arbeit ihre Hüte - um sie nach der Veranstaltung wieder ganz in der Garderobe verschwinden zu lassen.









