2. Schloss Bensberg Classics: Rallye Historique: 63 Oldtimer unterwegs im Bergischen Land

 Ferrari 250 GT Spyder California SWB

Vor der traumhaften Kulisse von Schloss Bensberg startete am 11. September ein erlesenes Feld klassischer Automobile zu einer Rallye, die dicht besetzt mit Prominenten aus Industrie und Show Business war.

"Eigentlich wollte ich ja Gärtner werden." Ein überraschendes Geständnis zu Beginn der Rallye Historique im Rahmen der Schloss Bensberg Classics, die an diesem Wochenende zum zweiten Mal stattfand. Noch dazu, weil diese Worte aus dem Mund eines weltberühmten Rennfahrers stammen: Jacky Ickx, der 116 Formel 1-Rennen bestritt und zweimal Vize-Weltmeister wurde, gerät gleich zu Beginn der Veranstaltung ins Philosophische. "Es war nie mein Ziel, Rennfahrer zu werden."

Hans-Joachim Stuck chauffiert Christiane Paul

Dafür steuert er den Lamborghini 400 GT von 1967 gefühlvoll auf der ersten Etappe rund um Schloss Bensberg durchs Bergische Land. Kein Wunder, hatte er sich doch vorher bei Lamborghini-Testfahrer-Legende Valentino Balboni die richtigen Tipps im Umgang mit dem eleganten Sportwagen geben lassen.

Eleganz stand bei der Schloss Bensberg Classics eindeutig im Vordergrund. Sei es der NSU Wankel Spider von 1968, der VW Karmann Ghia Typ 34 Cabrio oder das BMW 327/28 Cabrio von 1939 mit Marc-Andreas und Maren Krombach am Steuer - durch die kurvenreichen Strecken rund um Moitzfeld, Herkenrath um Brombach zog sich eine Ansammlung wunderschöner Pretiosen, die der zum Teil abgelegen wirkenden Gegend für wenige Stunden einen ganz neuen Glanz verschaffte.

Dabei war es beachtliche Prominenz, die neun zum Teil wirklich knifflige Wertungsprüfungen hinter sich brachte. Hans-Joachim Stuck chauffierte in einem Porsche 356 B 1600 Coupé Rallyedebütantin und Schauspielerin Christiane Paul, die nach der ersten Zeitkontrolle den Überblick über die Bordkarte zu verlieren drohte: "Dürfen wir jetzt weiterfahren, und wann müssen wir überhaupt wieder da sein", bohrte sie ihren Fahrer mit nahezu verzweifelten Blicken. Auch Rosamunde Pilcher-Filmstar Erol Sander geriet gleich zu Beginn mit der Rallyeleitung in den Clinch, als er seinen Buggy Apal von 1973 durch die Zeitkontrolle lotste: "Die haben uns ja die falsche Zeit eingetragen." Sprach es, schwang sich beherzt aus dem kompromisslos offenen Zweisitzer und machte sich auf die Suche nach der richtigen Zeit.

Für viel Unruhe im Starterfeld sorgte auch die erste Gymkhana-Übung, bei der es galt, mit dem Hinterrad auf der Beifahrerseite möglichst exakt eine kleine Fußmatte zu treffen, ohne irgendwelche Hilfen vom Co-Piloten in Anspruch zu nehmen. Während manch einer noch danach suchte, wo das winzige Stück Gummi überhaupt lag, lotste auto motor und sport-Chefredakteur Bernd Ostmann seinen Porsche Carrera 2,7 Coupé auf den Zentimeter genau auf die vorgegebene Fläche. Null Strafpunkte und der Sieg in den ersten zwei Wertungsprüfungen ließen bei der Mittagspause in Schloss Lerbach die Sonne für das Team besonders stark scheinen.

Schwierige Gymkhanas forderden die Teams

Doch der Nachmittag hielt für das Rallye-Feld noch ganz andere Überraschungen bereit: Mit der Stoßstange möglichst nah an ein Holzstück zu fahren, was man nur ahnen, aber nicht sehen konnte, gehörte mit zu den diffizilsten Aufgaben der Schloss Bensberg Classics, die längst nicht jeder bewältigte. Manch einer stand fast einen Meter von dem Hindernis entfernt und kassierte dafür satte 500 Strafpunkte. Die GP 9 in Lennefe 2 galt es dagegen zunächst vorwärts, dann rückwärts und dann wieder vorwärts zu durchrollen - und dafür verließ Motor Klassik-Chefredakteur Malte Jürgens sogar den Fahrer-Sitz und nahm im Fond Platz, um in diesem Falle seine Co möglichst exakt rückwärts durch die Lichtschranke zu rollen.

Filmstar Erol Sander kam am späten Nachmittag immer besser in Schwung - die letzte Zeitkontrolle geriet dabei zu einer Punktlandung: "Ich bin zwölf Sekunden zu früh", strahlte er, sichtbar erleichtert, doch noch in der geforderten Zeit durchs Ziel gerollt zu sein. Nach über 180 Kilometern durchs Bergische Land schwang sich das Starterfeld mitsamt dem VW Lufthansa-Bulli, dem AC Shelby Cobra 289 und dem Bugatti Type 35 T, pilotiert von Bentley-Chef Franz-Josef Paefgen, zurück auf den Schlosshof von Bensberg. Auch Jackie Ickx brachte seinen Lamborghini 400 GT wieder sicher zurück - ohne erkennbare Absichten nun doch noch in den Gärtnerberuf zu wechseln: "Es macht einfach Riesenspaß, hier mit ganz vielen Menschen die gleiche Leidenschaft zu teilen. Deshalb bin ich hier."

Marc-Andreas und Maren Krombach gewinnen die 2. Rallye Historique

Mit 912 Punkten auf ihrem Konto gewannen Marc-Andreas und Maren Krombach mit ihrem BMW 327/28 Cabriolet von 1939 die Rallye Historique. Platz zwei und drei belegen Teams von Skoda Auto Deutschland: Peter Sudeck und Alexander de Becker retten im Skoda Octavia TS von 1961 mit 933 Punkten 79 Punkte Vorsprung vor Mark Wallenwein und Peter Göbel ins Ziel, die auf einem Skoda 110R von 1971 starteten.

Der fünfmalige Le-Mans-Sieger Jackie Ickx pilotierte den 1967er Lamborghini 400 GT mit 1.112 Punkten ins Ziel. Geleitet wurde er von Birgit Priemer, stellvertretende Chefredakteurin auto motor und sport. Dahinter liegt Bernd Ostmann, Chefredakteur auto motor und sport, und Peter Heinz Thulauf Porsche Carrera 2.7 Coupé (1.254 Punkte) und Thomas und Martin Frank vom Team Audi Tradition auf einem 1965er DKW Vemag Malkzoni GT (1.435 Punkte).

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Birgit Priemer/ Kai Klauder

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