Alles über Classic Days Schloss Dyck
Zuschauer flanieren durch das Miscanthusfeld 27 Bilder Zoom

Schloss Dyck Classic Days 2010 - Miscanthusfeld: Auf Tuchfühlung ohne Berührungsängste

Bei den Schloss Dyck Classic Days ist die lebendige Clubszene auf dem grünen Gürtel des Miscanthusfeldes nicht mehr wegzudenken. Auf dem riesigen Areal hinter dem Schloss parkten bis zu 900 Klassiker. Autokenner füllen hier so manche Wissenslücke.

Vom Dach des Feuerwehr-Magirus Jupiter, der stolz wie ein Präsident mit seinem luftgekühlten Diesel V8 die Parzelle "Historische Nutzfahrzeuge" dominierte wirkte das Miscanthus Feld bei den Schloss Dyck Classics Days, wie ein animierter Auto-Katalog.

Ordnung muss bei den Schloss Dyck Classic Days sein

Sorgfältig in Kapitel aufgeteilt, hier die BMW-Clubs, gegenüber die NSU Interessengemeinschaft, dort die Glas-Freunde und in der Schneise um die Ecke hat der Mercedes-R 107-Club sein mobiles Domizil aufgeschlagen. Das ähnelt bis auf den weichen Untergrund frappierend dem Parkplatz der Sindelfinger Werksauslieferung von 1979. SL in allen Farben, Motor- und Ausstattungsvarianten, wie frisch bestellt.
 
Für Bewegung im Mosaik der Mobile sorgen die ständigen Ankommer und Wegfahrer und es gibt in diesem artenreichen Biotop auch Felder, die von Besuchern wild besiedelt werden. Da parkt dann ein Audi 100 LS neben einem Volvo 1800 ES, pardon Schneewittchensarg, und ein Chevrolet Corvair Coupé reiht sich neben einem nicht ganz artfremden VW 1303 Cabriolet ein. Miscanthus, dieser spröde Name für einen schnell wachsenden Rohstoff, den Hobby-Botaniker auch Elefantengras oder Chinaschilff rufen, ist an diesem letzten Juli-Wochenende bei den Schloss Dyck Classic Days das Synonym für ein großes spontanes Party-Picknick rund um den Wagen. Da wird eine Wallfahrt an den Niederrhein zur ökumenischen Bewegung, da ist ein Bentley Continental R ebenso willkommen wie ein Siata Spring.

Auf dem Miscanthusfeld kann man noch etwas lernen

Autokenner füllen hier im Schilfgürtel potenziellen grünen Bio-Diesels so manche Wissenslücke. Lamborghini Islero oder doch 350 GT? Ein entzückender Michelotti-Strandwagen auf Fiat 850 Basis namens "Shelette", nie gesehen. Ein Bristol 412 in Gunmetal-Grey parkt schüchtern neben älteren Markenkollegen aus der BMW 328-Ära. Ist der frühe Trabant ein P70 oder ein P50, und dieses merkwürdige, aber trotzdem hübsche Kombi-Coupé aus England, wie war noch der Name, ach ja, Reliant Scimitar, Miscanthus, der Gütige hält von diesem gefühlten Unikat gleich drei Exemplare für uns bereit. Einer rollt gerade fast lautlos über die kurzgeschorenen Stengel, die dem Boden Grip verleihen, nur beim Gasgeben hört man das typische Säuseln des Ford V6-Motors. Aber der Mercury Eight von 1949 kann es noch besser, der Fleetline-Straßenkreuzer brabbelt lässigen V8-Slang mit dem typischen Flat Head-Akzent seiner Epoche.
 
Ein Multipla auf Fiat 600-Basis huscht flüchtig durchs Bild. Drüben auf dem bunt gemischten Feld aller Marken und Modelle, herrscht gerade Partystimmung aus der Heckklappe des roten MG B GT heraus. Einträchtig wird hier mit alkoholfreiem Sekt auf die Besatzung des nachbarlichen Mercedes 280 SLC angestoßen, dessen milanbrauner Lack so herrlich in die grüne Landschaft passt. Nachbarn sind Freunde. Alpine A 310 V6 kuschelt neben Porsche 911 Targa, BMW 2500 und 3.0 S neben einen Mercedes 280 SE in der Mitte, Chevrolet Corvette und Ferrari 308 GTB kennen keine Berührungsängste, nur die Morgan bleiben bei den Schloss Dyck Classic Days lieber unter sich in ihrem Garten liebenswerter Eitelkeiten. Man will wirklich nicht zusammen mit einem Panther Kallista oder einem Caterham gesehen werden.

Singer Gazelle Cabriolet von 1962 ist Highlight

Miscanthus hält sie alle zusammen, umarmt sie mit milden Sonnenstrahlen, die nachmittags aus dichtem Wolkengeflecht blitzen, Lack und Chrom zum Glänzen bringen. Das Lebensgefühl Oldtimer findet bei den Schloss Dyck Classic Days im Grünen statt, nicht in entfesseltem Übermut, es ist kein Woodstock auf vier Rädern, aber in zivilisierter Ausgelassenheit. Wo hat man zuletzt acht Iso Grifo gezählt, wann 15 AC Cobra gefürchtet. Best of Show bei Bruder Miscanthus ist für den schilfberauschten Chronisten ein bizarres Mauerblümchen, das längst strengstem Artenschutz untersteht. Ein Singer Gazelle Cabriolet von 1962.
 

Alf Cremers

Autor

Foto

Arturo Rivas

Datum

13. August 2010
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