Techno Classica 2010 - Tipps der Redaktion, Teil II: Doppel-Achter und Zweirad-Träume

Techno Classica 2010 - Das müssen Sie sehen! - Tipps der Redaktion

Franz-Peter Hudek und Michael Schröder präsentieren ihre persönlichen Highlights der Techno Classica 2010 (7. bis 11. April): Kauftipps, Schnäppchen, Gruseliges, persönliche Favoriten und Autos auf der größten Oldtimermesse, die man wirklich gesehen haben muss.

Teil II: Franz-Peter Hudek und Michael Schröder von Motor Klassik nennen ihre Highlights der diesjährigen Techno Classica.

Franz-Peter Hudek - im Zeichen der Acht
 
Motor Klassik-Autor Franz-Peter Hudek hat auf der Techno Cassica 2010 Achtzylinder gefunden, die außergewöhnlich sind. Und ein doppelter Achter ist auch dabei.
 
Zwei klassische Amerikaner zu fairen Preisen - 1966er und 1969er Mustang Cabrio
 
Auf dem Außengelände IV Findet Hudek zwei interessante klassische US-Cars, beides Mustang Cabrios und in gleichwertigem Zustand. Der eine ist aus dem Jahr 1969 und trägt die aggressive Schnauze des beliebten und bekannten Bullit-Mustang, den Steve McQueen zu Weltruhm brachte.
 
"Die 28.500 Euro sind realistisch und nicht überzogen. Und gerade die späteren Modelle eignen sich auch als Alltagsklassiker. Sie bieten mehr Platz und das aggressivere Äußere." Dieses Exemplar ist auch gerade wegen seiner mageren Ausstattung interessant - keine elektrischen Fensterheber und neben einem kleineren Sportlenkrad nur eine ins Klischee vom prolligen Ami-Car passende Auspuffanlage. "Die wird enorm Krawall machen. Doch kann man sie ja schnell gegen eine originalgetreue Anlage tauschen. Das Beste an den US-Cars ist, das es alle Teile noch gibt - zu günstigen Preisen. Und die Technik ist überschauber. Da kann jeder mit umgehen und die einfachen V8 eignen sich hervorragend für Anfänger."
 
Ein zweiter Mustang nur wenige Meter weiter gibt ein kleines Kontrastprogramm. Das rot-in-rot gehaltene Modell stammt aus dem Jahr 1966 und wirkt handfester - mehr Chromschmuck, weniger aggressiv, eher niedlich. 9.000 Euro kostet es mehr als das 1969er Modell - auch eine Preisvorstellung, die nicht überzogen ist.
 
Franz-Peter Hudeks Fazit: "Die sind beide ihr Geld wert. Ich persönlich würde das spätere Modell bevorzugen. Das ist markanter und muskulöser."
 
Das Auto des Übergangs: Rover P6 von 1975
 
"Der Rover P6 ist, genau wie der 69er-Mustang, ein Übergangsauto der Siebziger - weg vom Chrom, stattdessen kommt immer mehr schwarzer Kunststoff zum Einsatz.", erklärt Franz-Peter Hudek. "Unter der Haube des Rover werkelt der Buick-V8, der von British Leyland in vielen Autos eingesetzt wurde. Das ist ein toller Außenseiter, kein typisches Mainstream-Auto - und interessanter als jede DS. Und wenn es sein muss, läuft der auch 180."
 
Die Lederausstattung zeigt sich in gutem Zustand, die Ausstattung mit Automatik und Ausstellfenstern vorne wie hinten sowie den vielen kleinen Details, die von der britischen Automobilbaukunst künden, kann begeistern. "Und der Preis von 11.900 Euro ist angemessen.2

Das wunderschöne Millionen-Ding - Siata 208 CS Berlinetta Coupé
 
Es ist so flach, dass es kaum auffällt. Das von Pinin Farina gezeichnete Siata-Coupé bei dem Schweizer Oldtimerhändler Hüni. Gleich vorweg: Mit einem Preis von rund eineinviertel Milllionen Euro wird das Auto für die meisten ein Traum bleiben - aber was für einer. Aus jedem Blickwinkel wirkt die reduzierte Form stimmig, die vielen wunderhübschen Details lassen eine Frage aufkommen - bei welchem Rennwagen findet man eine derartige Detailverliebtheit? Antwort von Hudek: "Bei keinem. Normalerweise wird bei einem Rennwagen ja das Optische kaum berücksichtigt. Dieser Siata ist eine schöne Ausnahme."
 
Die Front des Siata 208 CS Berlinetta wird von dem Haifischgrill dominiert, der in Kombination mit den eleganten Klappscheinwerfern eine Sportwagen-untypische Formensprache bildet. Am Heck finden sich nur zwei winzige Leuchten, ein Tankdeckel mit Schnellverschluss, eine kleine Chromleiste und die Innenraum-Entlüftungsschlitze. "Mehr braucht doch kein Mensch", sagt Hudek.
 
Die Türen sind, wie bei Rennwagen der Ära üblich, ohne überflüssige Verkleidung - schließlich vergrößern sie den Innenraum auf ein erträgliches Maß. Angetrieben wird der Siata von dem legendären 8V-Motor, der gemeinsam mit Fiat entwickelt wurde und in diesem Siata zum ersten Mal eingesetzt wurde.
 
Der Doppel-Achter: BRM-Formel-1-Rennwagen mit H-16-Motor
 
Als 1966 das Reglement der Formel-1 umgestellt wurde, wuchs der Hubraum von 1,5 auf drei Liter. BRM wählte eine einfache Lösung und fügte zwei V8-Motoren in einer neuen H-Konfiguration zusammen. Der BRM H16 P115-01 Leightweight ist ein Einzelstück und neben ihm baute BRM nur noch einen Wagen mit H16-Motor.
 
Die beiden längs verbauten Motorblöcke wurden um 90 Grad gekippt und treffen sich liegend auf einer gemeinsamen Kurbelwelle. Heraus kam im Fall des von Jackie Stewart in der Formel 1 pilotierten Modells, das hier in Essen auf der Techno Cassica steht, der einzige 16-Zylinder in der Geschichte der höchsten Motorsport-Klasse. In fünf Grand Prix’ musste Jackie Stewart mit dem hohen Gewicht auf der Hinterachse zurecht kommen.
 
Aufregender Scheunenfund - Facel Vega FV3 Coupé von 1957
 
Fehlende Teile, Risse im Leder und abplatzender Lack - was bei einem Facel-Vega-Fan normalerweise zu Hände über dem Kopf zusammenschlagen und dann schützend vor die Augen halten führen würde, ist bei dem Exemplar in Halle 6 der ultimative Reiz des Ungewöhnlichen. Das FV3 Coupé von 1957 ist der erste in die Schweiz ausgelieferte Facel-Vega und wurde seit rund 40 Jahren nicht mehr gefahren. Einige Fehlteile und der Scheunenfund-Zustand hielten einen Interessenten nicht ab. Der Wagen war schon früh verkauft.
 
Besser als neu - Porsche 906
 
Franz-Peter Hudek: "An diesem 906 sieht man, dass Porsche immer noch im Aufwind im klassischen Bereich ist. Das Problem: Keiner gibt soviel Geld aus und setzt ihn bestimmungsgemäß beim Rennsport ein. Der verschwindet dann ehr im Wohnzimmer oder einer klimatisierten Garage."
 
Das ist das Schicksal vieler Rennwagen, die nach einer Reglementänderung zunächst ein trauriges Dasein fristen. Eben noch auf den Rennstrecken unterwegs, dürfen sie dort nicht mehr eingesetzt werden. Ebensowenig im Straßenverkehr. Sie können also kaum noch gefahren werden, sind  Ladenhüter und viele verschwinden in der Versenkung. Doch wenn sie im historischen Motorsport eingesetzt werden können, ändert sich das Bild. Nun werden sie zu hoch gehandelten Pretiosen.
 
Wie der Porsche 906 aus dem Jahr 1966 in Halle 6  der Techno Classica. Mit großem Aufwand wurde die Flunder aus Zuffenhausen restauriert und strahlt wie neu - nein, besser als neu, denn in so einem Zustand wird Rennwagen von Porsche jemals das Werk verlassen haben. Seit der Restaurierung wurde er keinen Meter gefahren, ist aber "Ready to Race", wie das Verkaufsschild informiert. Für "695.000 Euro All in" ist er zu haben.

"Immer, wenn ich mir ihr nähere, bekomme ich feuchte Hände und Herzrasen"
 
Michael Schröder, Ex-Motorrad-Redakteur, schwärmt hier von der Paris-Dakar-Siegerin von 1985. Die von HPN umgebaute BMW GS mit 1.043 Kubikzentimeter und ca. 75 PS holte 1985 unter Gaston Rahier den Sieg bei der härtesten Rallye der Welt. "Und der Belgier Rahier war noch kleiner als ich", freut sich Schröder, "der konnte nur im Rollen aufsteigen. Das war auch das Geheimnis seines Sieges: Er konnte gar nicht anhalten."
 
Vor Jahren durfte Michael Schröder "nach fünf Jahren hartnäckigen Nachfragens" einen Tag lang genau diese Maschine bei HPN aus Seibersdorf testen. "Zum Aufsteigen lehnte ich sie an eine Mauer. Dann ging’s in die Kiesgrube. Ich titelte damals 'Zwerg-Rase'."
 
"Das geht gar nicht" - Mercedes 280 SLC in Glitzer-Lack
 
Auf Freigelände II zeigt Michael Schröder auf einen Mercedes-Benz 280 SLC, der „Total restauriert“ wurde. Der Lack strahlt und glitzert in einem Bronze-Ton, Ventildeckel und andere Motorteile bekamen eine Verchromung spendiert. Für das 1977er Modell werden 35.000 Euro aufgerufen. Schröders Kommentar: "Das geht gar nicht."
 
Gleich nebenan steht sein persönlicher Favorit auf vier Rädern. Ein Mercedes 280 SE von 1975 in Grün-Metallic. Das Auto befindet sich seit 1977 in zweiter Hand und beeindruckt mit einem optisch guten Zustand und der schönen 70er-Jahre Farbkombination. Im Innenraum laden Stoffsitze in Karo-Muster zum Verweilen ein, durch das geöffnete Schiebedach sieht man die Unterlagen samt Scheckheft auf dem Beifahrersitz liegen.
Die Ausstattung mit Automatik, elektrischem Schiebedach, Tempomat und Scheinwerferreinigungsanlage gefällt Schröder. 2Und eine Anhängerkupplung für den Motorradanhänger ist auch schon dran." Der Mercedes besitzt schon eine H-Zulassung und hat 181.000 Kilometer auf der Uhr. Der Preis von 8.500 Euro lässt Michael Schröder überlegen, zum Handy zu greifen, um den Anbieter anzurufen. Die Hände zucken noch mehrmals auf dem weiteren Weg.
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Kai Klauder

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