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Maserati Mistral

Windspiel

Der letzte Gran Turismo von Maserati mit Sechszylindermotor besitzt überragende Qualitäten. Die kräftige Einspritzmaschine in einer kompakten, großzügig verglasten Karosserie kann heute noch begeistern.

Foto: Frank Herzog 16 Bilder

Kein Sonderangebot

Ist Geiz wirklich geil? Das fragte man sich in Sportfahrerkreisen schon vor 40 Jahren. Maserati verlangte 1966 in Deutschland für den Mistral exakt 50.000 Mark. Viel Geld für einen schlanken Spitzensportler, der mit nur sechs Zylindern geizte.

Ferrari und Lamborghini protzten dagegen mit modernen, hoch drehenden V12-Motoren, die im Vergleich beinahe verschenkt wurden: Ein Ferrari 275 GTB kostete 53.600, ein Lamborghini 400 GT 56.000 Mark. Was also sprach für das Sechszylinder-Coupé mit dem Dreizack?

Trend-Setter

Der geizig kalkulierte und – mit Verlaub – geil karosserierte Mistral kam damals trotzdem gut an: Die flache Motorhaube und das großzügig verglaste Fastback-Dach entzückten Passanten ebenso wie drehzahlfeste Autotester.

Ein zukunftsweisendes Novum der Mistral-Karosserie ist die große Heckklappe in Form des Heckfensters, eine Design-Idee, die in den 70er und 80er Jahren oft kopiert wurde: Jenson Interceptor, Porsche 924, Chevrolet Camaro, Renault Fuego und viele mehr. Und weil der Maserati ein reiner Zweisitzer ist, befindet sich unter der Scheibe ein großer, sorgfältig ausgekleideter Kofferraum.

Exzellente Übersicht

und Trotz einer Wagenbreite von nur 1,65 Meter und trotz der sportlich-tiefen Sitzposition ist das Raumgefühl in dem hellen, mit beigem Leder ausgestatteten Innenraum überragend.

Dank großer Fenster und niedrig positionierten Lenkrads mitsamt Instrumententräger genießt der Mistral-Pilot eine exzellente Rundumsicht.

Der Mistral fegt mit bis zu 255 km/h über die Straßen

Der 3,7 und auf Wunsch vier Liter große Leichtmetallmotor des Mistral leistet 245 beziehungsweise 255 PS. Die Topversion ereicht damit eine Höchstgeschwindigkeit von sagenhaften 255 km/h (Werksangabe), aber schon bei deutlich moderateren Tempi stellt sich ungetrübte Fahrfreude ein.

Sie ist das Resultat der genialen, viel besungenen Kombination eines kräftigen Großkolbenmotors in einer leichten Karosserie: 1.350 Kilogramm treffen auf 245 PS, vermittelt durch ein vortrefflich zu schaltendes ZF-Fünfganggetriebe.

Der Maserati-Sechser klingt vertrauensvoll und doch Respekt erheischend, mehr Bär als Tiger.

Qualitätsarbeit aus Italien

Vertrauensvoll wirkt auch die Fertigungsqualität des unrestaurierten Fahrberichts-Mistral – vom verzwickt-verzweigten Antrieb des Einspritzverteilers bis hin zu den funktionstüchtigen elektrischen Fensterhebern.

Der Tester von „Sporting Motorist“ notierte schon damals: „Die Mistral-Karosserie ist hervorragend verarbeitet. Fensterrahmen und Türen sind exakt eingepasst. Letztere schließen mit einem herrlichen ’plonk’.“