Billige Zwölfzylinder von Ferrari? Sogar solche mit dem letzten V12- Urahn der legendären Konstruktion von Gioacchino Colombo? Auch die gibt es. Fallbeispiel gefällig? Der Spontanklick ins Internet, bei mobile.de, macht folgendes Angebot zum Nachdenken:
Der Ferrari 400 i mit Frontmotor ist der arme Hund unter den Ferrari
Ferrari 400 i Automatic, Rosso Corsa, rotes Connolly-Leder wie der Wagen auf unseren Archivfotos. Baujahr 1982, 92.000 km, diverse Neuteile wie Michelin TRX-Reifen (sehr teuer), Auspuff, Steuergerät für die K-Jetronic. Gute Service-Historie.
Laut Händler Aretz-Automobile in Dinslaken bei Wesel: "Ein Sammlerfahrzeug in exzellentem Zustand" - 24.500 Euro. Es ist schon die von 310 auf 315 PS erstarkte Variante mit einem noch besseren Drehmomentverlauf, falls man dies bei überbordenden 392 Newtonmeter im Dialog mit der Dreigangautomatik von General Motors überhaupt merkt.
Aussagekräftige Fotos bestätigen den sehr guten Eindruck, daneben steht gleich noch ein 400er. Der 400 i von Aretz ist nicht der einzige relative Billigheimer unter den Ferrari-Zwölfendern, ab 13.500 Euro geht es für einen rechtsgelenkten 400 i los, die meisten dieser eindrucksvollen Reisewagen Wagen pendeln sich zwischen 20.000 und 30.000 Euro ein.
Wie der BMW 750 i hat auch der Frontmotor-Ferrari 400, vormals 365 GT 4 2+2, bei Autoliebhabern keine guten Chancen. Er ist der arme Hund unter den Ferrari, in der Beißordnung des Rudels liegt lediglich der nur achtzylindrige Mondial darunter. Selbst das einstige Bertone- Stiefkind Ferrari 308 GT4 hat schon gleichgezogen. Und auch der technisch mit dem 400 GT völlig verwandte 365 GTC, mit seiner schwarzen Plastiknase nicht gerade eine Schönheit, kostet gut 90.000 Euro. Sie sind konventionell angetrieben. Transaxle wie der Daytona und der 456 GT - die posthume Rehabilitation des 400 GT -, haben beide nicht.
Luxuriös ausgetattet, groß und günstig - Gute Gene des Ferrari 400i
Wir ahnten es schon, es liegt an der Form. Sie ist den Ferraristi zu unspektakulär, zu ausladend, vielleicht zu sehr Ford Granada oder besser noch Rolls-Royce Camargue. Den stylte Pininfarina zur gleichen Zeit, auch einen Mercedes-Benz 300 SEL 6.3 kleidete er ähnlich ein. Etwas Gesetztes haftet dem 400 an. Ihm ist der Smoking näher als der Rennanzug, er polarisiert.
Seine Fans freuen sich nicht nur am geringen Preis. Sie lieben seine autoritäre Größe, seine graumelierte Herrenfahrerattitüde, seine hohe Wertigkeit im Detail - wie den gesteppten ledernen Dachhimmel, die prallen Einzelsitze im Fond, die Flugzeug-Atmosphäre suggerierende Mittelkonsole. Selbst der dominante Wählhebel wirkt in dieser Aura von mondänem Luxus nicht wie ein Fremdkörper. Die Automatik ist schon seit dem Vergaser-400 von 1976 kein Ferrari-Tabu mehr.
Ihm, dem 340 PS starken, mit sechs Weber-Doppelvergasern unwiderstehlich attraktiv inszenierten Vollblut-Zwölfzylinder, trauern viele nach. Benzineinspritzung, ABS oder gar Automatik statt der markentypischen Fünfgang-Kulissenschaltung sind eben für viele nicht Ferrarilike, weil dies an der ungezähmten Sinnlichkeit der Autos rüttelt. Zum Charakter des für mühelos hohe Reiseschnitte geschaffenen Trans Europe Express passt die extrem weich schaltende GM-Automatik sogar sehr gut. Obwohl sie Biss kostet.
Fast unverschämter Preisverfall beim Ferrari 400 i
Ein BMW 750i ist geradezu unverschämt billig. Doch der mächtige Ferrari ist alles andere als eine lässige Hängematte, kein fliegender Teppich wie ein BMW 750 i. Der herrliche, stets kribblig-betörende Klang des Colombo-V12 berauscht die Sinne und stimuliert die Fahrfreude, sicher und elegant schmiegt sich das schwere Coupé mit dem echten Rohrrahmen- Chassis in die Kurven einer schnell gefahrenen Etappe über Landstraßen. Seine Drehfreude begeistert, ebenso sein Durchzug aus dem Drehzahlkeller.
Immerhin wurden in 17 Jahren von der 400er- Familie, zu der auch der Ur 365 GT 4 2+2 mit den drei Rückleuchten und der späte 412 gehört, 2.978 Exemplare gebaut. Der Neupreis des 400i lag 1981 bei 123.000 Mark - dafür gab es gleich zwei Mercedes 500 SEL. Nur ein Rolls-Royce Silver Spirit notiert nach fast 30 Jahren mit einem noch schlechteren Kurs.
Anders als dem furiosen Ferrari 400 i ist dem BMW 750 i Laufkultur wichtiger als Leistung. Lesen Sie auf der nächsten Seite mehr über den BMW 750 i.


