Alles über Alfa Romeo 33/2 Stradale
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Alfa Romeo T33/2 Stradale im Fahrbericht: Der schönste Alfa aller Zeiten

Beim Alfa Romeo T33/2 Stradale wurde 1967 reinrassige Renntechnik aufregend verpackt. Der V8-Mittelmotor-Rennsportwagen mit Straßenzulassung gilt vielen als schönster Alfa aller Zeiten. Motor Klassik hat eine Runde mit der italienischen Schönheit gedreht.

Für ein Automobil dieser Klasse müssen wir schon mindestens einen Immanuel Kant aufbieten. "Schönheit", so der Königsberger Philosoph in seiner "Kritik der Urteilskraft" von 1790, sei "interesseloses Wohlgefallen". Heißt bei einem Sportwagen wie dem Alfa Romeo T33/2 Stradale: Ob und wie der Alfa Romeo fährt, ob er konkurrenz- und gar siegfähig war oder ist und mit welcher Technik er dies bewerkstelligt, ist für das Schönheitsempfinden völlig unerheblich. Und der Alfa Romeo T33/2 Stradale ist schön, dieser Stradale, der an einen blutroten Farbtropfen im Windkanal erinnert - so wunderschön, dass selbst nüchterne Techniker, die lieber über Nockenprofile als über den Goldenen Schnitt diskutieren, andächtig vor ihm in die Knie gehen.

Technik hält was das Äußere verspricht

Was auch Sinn macht bei einem lediglich 99 Zentimeter hohen Gefährt wie dem Alfa Romeo T33/2 Stradale, um alle Details des anmutigen Designs zu erfassen - die geschwungenen Radverkleidungen etwa mit den leichten Verbreiterungen oder den schmalen Lufteinlaß vorn mit dem Alfa-Herz in der Mitte oder die schräg stehenden Scheinwerfer rechts und links davon. Das Schönste am Alfa Romeo T33/2 Stradale aber ist, dass die Technik unter der von Franco Scaglione gezeichneten und bei der Carrozzeria Marazzi in Caronno Pertusella gefertigten Aluminiumhaut hält, was das aufregende Aussehen verspricht.

Womit wir den Bereich des "interesselosen Wohlgefühls" verlassen und uns dem Wohlgefühl der Dynamik zuwenden. "Die Spica-Einspritzanlage des Alfa Romeo T33/2 Stradale muckt noch ein wenig, sonst läuft er tadellos", meint Maurizio Monti, Cheftechniker des Alfa Romeo Museo Storico im Mailänder Vorort Arese, während er den Zweiliter-V8 des Alfa Romeo T33/2 Stradale mit kräftigen Gasstößen auf Temperatur bringt. Diesen ultrakurzhubigen Motor mit Alfa-typischen zwei obenliegenden, kettengetriebenen Nockenwellen pro Zylinderbank hatte Carlo Chiti gewissermaßen im geistigen Gepäck, als der Dottore der Flugzeugtechnik 1964 mit seiner Firma Autodelta zu Alfa zurückkehrte (nach einem ersten Gastspiel von 1952 bis 1957), um für die nächsten zwei Jahrzehnte die Rennaktivitäten zu organisieren.

Straßenableger des Alfa Romeo Tipo 33

Zuvor war Chiti bei Ferrari maßgeblich am 156 Sharknose und dem Gewinn der Formel 1-WM 1961 beteiligt gewesen und hatte danach zusammen mit Giotto Bizzarrini die Firma ATS gegründet, um Ferrari Konkurrenz zu machen - was nicht wirklich gelang. Für ATS wiederum hatte Chiti einen kleinen 1,5-Liter-V8 konstruiert, und mit diesen Erfahrungen - und einer aus den Fünfzigern stammenden Idee für einen Alfa-V8-Motor - ging er nun daran, einen Sportwagenmotor für die Zweiliter-Klasse zu entwerfen. Dieses Projekt hatten der Design-Manager Orazio Satta Puliga und der technische Leiter Giuseppe Busso bereits seit einigen Monaten in Arbeit, der Projektname lautete 105.033 - daher der Name des neuen Rennsportwagens: Tipo 33.

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Ungewöhnlich an dem Wagen war vor allem die Rahmenkonstruktion: ein aus abgedichteten, dicken Rohren bestehendes H, in dem das Benzin in Kautschukschläuchen schwappte, verbunden mit einem Magnesium-Hilfsrahmen vorn und der Motoraufnahme hinten. Darin ruht der Zweiliter-V8 längs eingebaut, dahinter arbeitet ein Sechsganggetriebe. Die Radaufhängungen bestehen aus Dreieckslenkern rundum, die Scheibenbremsen hinten sitzen direkt am Differenzial. Am 6. März 1967 wurde der Alfa Romeo T33 auf der Teststrecke in Balocco vorgestellt, eine Woche später gewann Testfahrer Teodoro Zeccoli im belgischen Fleron ein Bergrennen und setzte einen neuen Streckenrekord. Und weil sich das Rennwagen-Projekt 105.33 so viel versprechend anließ, arbeiteten Satta, Basso und Chiti ab Januar 1967 auch an einer Straßenversion des T33 - mit 95 Prozent der Performance der Basis - den Alfa Romeo T33/2 Stradale.

V8-Motor klingt wie ein Reihenvierzylinder

Die Liste der Änderungen ist kurz: Der Radstand wurde beim Alfa Romeo T33/2 Stradale um zehn Zentimeter erweitert, um das Cockpit geräumiger zu machen, das Sechsganggetriebe erhielt eine Porsche-Synchronisation, und der Zweiliter-V8 mit Doppelzündung, zwei Verteilern und vier Zündspulen wurde etwas milder abgestimmt auf 230 statt 260 PS bei rund 9.000 Touren - wobei nicht ganz klar ist, worin die Änderungen am Motor genau bestehen. Nach Insiderangaben hatten die meisten Alfa Romeo T33/2 Stradale auch eher 240 bis 260 PS. Im Leichtmetall-Gehäuse des V8 rotiert übrigens eine so genannte flache 180-Grad-Kurbelwelle, wodurch der Alfa-Motor im Unterschied zu einem Ami-V8 mit 90-Grad-Welle klingt wie ein Vierzylinder. Von außen hört sich das beim Alfa Romeo T33/2 Stradale eher unspektakulär an.

Hinter dem abgegriffenen Lederlenkrad des Alfa Romeo T33/2 Stradale aber, die Ohren gefühlt nur wenige Zentimeter von den acht offenen Ansaugstutzen entfernt, brüllt und heult der kleine V8-Motor im Alfa Romeo T33/2 wie Shir Khan an der Stelle im Dschungelbuch, an der sein Schnurrbart Feuer fängt. Bei vollem Drosselklappenquerschnitt geht es im Alfa Romeo T33/2 Stradale richtig voran. Wobei der Ultrakurzhuber bereits bei gut 2.000 Touren sauber läuft und ruckfrei Gas annimmt, um dann haltlos, allerdings mit kleinen Bäuerchen zwischendurch, nach oben zu jubeln. Damit hat der V8 des Alfa Romeo T33/2 Stradale ein nutzbares Drehzahlband von beinahe 7.000 Umdrehungen, fast wie ein Motorradmotor. Im Verbund mit dem eng gestuften Sechsganggetriebe und 870 Kilogramm vollgetankt sind enorme Fahrleistungen möglich, Ende der 60er ermittelten die Kollegen unter sechs Sekunden auf 100 und eine Vmax von 252 km/h für den Alfa Romeo T33/2 Stradale. Die Bremsen sind dem angemessen, und am Fahrwerk fehlen jedenfalls keine fünf Prozent zum reinen Rennwagen: Selbst mit den alten Dunlop-Racing sind im Alfa Romeo T33/2 beeindruckende Kurvengeschwindigkeiten möglich.

Nur 18 Exemplare wurden gebaut

Die Reifen sind vermutlich seit der Vorstellung in Frankfurt im September 1967 auf diesem Alfa Romeo T33/2 Stradale mit der Nummer 75033.001, dem ersten Prototyp; spätere Exemplare hatten nicht nur vor den Hinterrädern, sondern auch hinter den Vorderrädern Lufteinlässe. Nur 18 Stück wurden bis März 1969 gebaut. Ein Verkaufserfolg war der Alfa Romeo T33/2 Stradale somit nicht - dafür fragen sich heute alle jüngeren Alfa-Enthusiasten, warum ihre Eltern einst nicht Haus und Hof verpfändet und einen Stradale für sie aufbewahrt haben. Zumindest auf der Rennstrecke holte der Alfa Romeo T33/2 Stradale den einen oder anderen Siegeslorbeer, insbesondere bei Bergrennen.

Das gilt noch mehr für die Rennversion des Alfa Romeo T33, allerdings auch erst nach Beheben einiger Mängel: Zu Beginn war das Heck zu steif, die Front zu weich, und zum Wechsel des hinteren Stabis, so Zeccoli, "musste man den Motor ausbauen". Wirklich erfolgreich war der Alfa Romeo T33 erst, als er einen Gitterrohrrahmen und einen Zwölfzylinder bekam und 1975 und 1977 Weltmeister wurde. Doch da hatte er sich von der Urversion und dem Alfa Romeo T33/2 Stradale schon weit entfernt. Letzterer bleibt im Gedächtnis als wohl einmalig geglückte Verbindung aus äußerer Form und inneren Werten. Womit sich die Techniker nun wieder entspannt zurücklehnen und erklären können, sie hätten es schon immer gewusst: Wahre Schönheit kommt eben doch von innen.

Autor

Foto

Hans-Dieter Seufert

Datum

4. März 2013
Dieser Artikel stammt auf Heft Motor Klassik 02/2010.
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