Dodge Monaco - So fährt sich das Blues-Brothers-Mobil: Bullen-Karre ohne Starallüren

Dodge Monaco

Der Dodge Monaco ist der heimliche Star der Musikkomödie Blues Brothers. Ein abgetakeltes und ausrangiertes Polizeiauto mit 7,2 Liter großem V8-Motor der California Highway Patrol mit dem Dan Akroyd und John Belushia alias Elwood und Jake mächtig Gas geben.

Eingerahmt in das von rauchenden Industrie-Schornsteinen geprägte Stadtbild Chicagos wartet Elwood Blues in einem ausrangierten Polizeiwagen - einem Dodge Monaco, Baujahr 1974 -, vor der Gefängnispforte darauf, dass der US-Bundesstaat Illinois seinen kleinen, dicken Bruder in die Freiheit entlässt. Jake steigt ein und beschwert sich über die Bullenkarre. Nicht einmal der Zigarettenanzünder funktioniert. Er schmeißt ihn demonstrativ aus dem Fenster. Die beiden fahren los, und Jake fragt den schlaksigen Elwood vorwurfsvoll: Wo ist der Cadillac? Wo ist das Bluesmobil?

Dodge Monaco mit 7,2-Liter-V8

Die Anfangssequenz des Blues Brothers-Films passt. Der Dodge Monaco ist keiner dieser Klassiker, vor denen man beim ersten Anblick auf die Knie fällt und mit denen man ehrfurchtsvoll und behutsam durch die Gegend cruist. Er ist keine makellose Glanzlack-Skulptur, beim dem ein Kratzer den Fahrzeugbesitzer an den Rand eines Herzinfarktes bringt.

Das Auto ist kernig wie Kojak. Ein Raubein, mit dem man wie die Blues Brothers durch Einkaufzentren brettern und ihn durch die Pylonengasse aus Eisenträgern der Chicagoer Hochbahn jagen will. Dafür hat man am besten das Heavy Duty-Paket und das A 38 Police Package von Dodge an Bord. Herzstück ist der Achtzylinder-Magnum-Motor mit gigantischen 7,2 Liter Hubraum, der auch in den legendären Muscle-Cars Dodge Charger und Challenger zum Einsatz kam. Das wuchtige Aggregat bringt es auf 515 Newtonmeter Drehmoment bei 3.200 Touren und leistet 280 PS.

Weitere Extras des Dodge Monaco: getönte Scheiben, verstärkte Bremsen und Stoßdämpfer sowie die direktere Firm-Feel-Lenkung. Oder, wie es Elwood in seiner nüchternen, unaufgeregten Art zusammenfasst: "Das Ding hat 'nen Bullenfahrwerk, Bullenstoßdämpfer und 'nen Bullenmotor." Den Cadillac hat Elwood gegen ein Mikrophon eingetauscht. "Das ist einzusehen", akzeptiert Bruder Jake den betriebswirtschaftlich grotesken Handel. Das neue Bluesmobil hat es dagegen schwerer. Es muss erst über eine Klappbrücke springen, bis der Wagen von Jake wenigstens eine gewisse Anerkennung erfährt.

Dodge Monaco ist der automobile Rainer Calmund

Und das ändert sich über den gesamten Film nicht. Zigfach rettet das Auto die Helden vor wild gewordenen Country-Musikern, Polizisten und Panzern und wird dennoch nicht zum gehegten Schätzchen. Sein Blechkleid bekommt nicht mal ein anerkennendes Klopfen. Anders als der rote Ferrari 308 GTS von Seriendetektiv Magnum taugt der ungepflegte, aber robuste Monaco eben nicht zum Filmheld. Und das, obwohl er mehr Verfolger abschüttelt und auf dem Schrott enden lässt als irgendein anderes Auto in der Filmgeschichte.

Während der Dreharbeiten zu Blues Brothers wurden angeblich nur fünf Bluesmobile zerstört. Das erscheint angesichts der schwammigen, indirekten Lenkung und der Karosserie im XXL-Format des Dodge Monaco kaum vorstellbar. Wie sich die immense Kraft des Magnum-Motors, ein kurzer Gasstoß genügt, und die Hinterräder winseln um Gnade, bei hohen Geschwindigkeiten mit dem dürren Lenkrad beherrschen lässt, ist ein Rätsel.

Der Dodge Monaco ist eine Art automobiler Rainer Calmund. Der dicke Ex-Manager des Fußball-Clubs Bayer Leverkusen bräuchte eigentlich zwei Stühle zum Sitzen, der gut zwei Meter breite und fast sechs Meter lange Monaco ab Tempo 150 sicherheitshalber zwei Fahrspuren. Vermutlich haben die Polizisten der California Highway Patrol, aus deren Fundus das Filmauto stammte, auch lieber auf der breiten Couch bei Kaffee und Donuts entspannt, statt mit dem Monaco bei Verfolgungsjagden Kopf und Kragen zu riskieren.

Police Package: Erhöhter Leerlauf für schwitzende Polizisten

Neben den obligatorischen Suchscheinwerfern und der Sirene war ein Extra des Polizei-Ausstattungspakets daher für die Beamten ganz wichtig. Damit Klimaanlage und Funk auch im Stand weiter benutzt werden konnten, baute Dodge einen Fast Idle Lock ein. Der hält die Drehzahl des Motors hoch, damit er auch im Stand nicht heiß läuft und genügend Kälte und Strom liefert. Extras wie den Fast Idle Lock und einen Halter für die Pump Gun gab es für Zivilisten nicht. Den Monaco bot Dodge in den drei Ausstattungsvarianten Custom, Brougham oder schlicht Monaco an.

Treuer Gefährte der Blues Brothers

Der Brougham war die Luxusversion mit Einzelsitzen, Holzimitat am Instrumentenbrett, einer Digitaluhr, verchromten Radkappen, elektrischer Sitzverstellung, automatischen Fensterhebern und zwei getrennten Aschenbechern für Fahrer und Beifahrer. In der Brougham-Ausstattung war der Zigarettenanzünder sogar beleuchtet. Aber wer braucht schon einen beleuchteten Zigarettenanzünder? Jake würde es reichen, wenn das blöde Ding überhaupt funktionieren würde.

Ansonsten enttäuscht der Dodge Monaco die Blues Brothers aber nicht. Die Jungs werden lediglich einmal Opfer des für heutige Verhältnisse exorbitanten Benzinverbrauchs von mehr als 20 Litern auf 100 Kilometer bei moderater Fahrweise. Wenn nicht ökologisch, so ist das Bluesmobil im Film wenigstens politisch korrekt: Als eine Horde Nazis hinter den Blues Brothers herjagt, legt es auf einer Brücke mit rauchendem Kühler einen Rückwärtssalto auf den Asphalt - und die Rechten rauschen in die Tiefe.

Bis zum völligen Zusammenbruch des Autos kurz vor Ende des Streifens hält das Bluesmobil tapfer durch. Elwood erstand die robuste Limousine im Film zum Schnäppchenpreis bei einer Auktion der Polizei von Mount Prospect, einem Vorort von Chicago. Der Wagen ist genauso verlebt wie seine Fahrer mit ihren dunklen Sonnenbrillen und den abgetragenen schwarzen Anzügen. Und genauso cool.

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Jens Katemann

Autor:

Motor Klassik, Heft 03 / 2006

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