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GMC Typhoon und GMC Syclone Fahrbericht: Vom Mini-SUV zum Renn-Truck

1992 machten die Techniker von GMC aus dem braven Mini-SUV Jimmy einen 280 PS starken Renn-Truck, den sie Typhoon nannten. Zu Recht, wie der Fahrbericht zeigt.

Vom GMC Typhoon zum aktuellen SUV-Trend: Seit dem Porsche Cayenne hat man sich an getunte Geländewagen gewöhnt. Breitreifen, angesetzte Kotflügelverbreiterungen und vor allem die gleich um mehrere Zentimeter tiefer gelegte Karosserie machen aus den hochbeinigen Wüstenschiffen bullige Brutalo-Kombis.

GMC erfindet das SUV-Tuning, als es SUVs noch gar nicht gibt

Natürlich sorgen Firmen wie Cargraphic, Hamann und Techart auch für mehr Power unter der Motorhaube. Doch erfunden hat diese Art von SUV-Tuning schon vor knapp 20 Jahren jemand anderes: GMC. Ausgerechnet GMC, die bereits 1909 gegründete Lastwagen-Division von General Motors, überraschte 1992 die staunende Kundschaft mit einem kompakten Power-SUV.

Dank seiner 280 PS war der brave Offroader imstande, der Sportwagen-Ikone Corvette die kantige Stirn zu bieten. Er hieß schlicht und zutreffend GMC Typhoon und machte in der US-Autowelt mindestens so viel Wind wie ein richtiger Taifun. Beim Sprint über die Viertelmeile (402,34 Meter) - damals noch die zentrale US-Testdis ziplin - klebte der rasende Überseekoffer einer Corvette praktisch bis ins Ziel an den vier runden Rücklichtern: Von null bis auf 96 km/h spurtete der Typhoon gleich schnell wie die 300 PS starke Corvette: 5,3 Sekunden. Und am Ende der Viertelmeile lag das flache Sportcoupé nur knapp vorn: 13,9 anstatt der 14,1 Sekunden des Mini-Monster-Trucks.

GMC Typhoon zelebriert den Wahnsinn alter Tage

Der GMC Typhoon ist damit das letzte echte, kraftstrotzende, auf VW Jetta-Format geschrumpfte US-Muscle-Car. Sein Konzept als revolutionärer Sport-SUV, sein technischer Aufwand und der daraus entstandene Fahrspaß erinnern an den Wahnsinn alter Tage. Das Stahlträger-Chassis, die Karosserie und der Allrad-Antrieb stammen nämlich von dem braven, bereits 1983 präsentierten Kompakt-SUV GMC S-15 Jimmy, der auch als Chevrolet S-10 Blazer vermarktet wurde. Die preisgünstigste Basisversion musste damals mit lächerlichen 82 PS auskommen.

Seine komplexe Antriebstechnik übernahm der GMC Typhoon von seinem ein Jahr älteren, bis auf die Ladefläche und Stoffpolster identischen Pick-up-Bruder Syclone, den GMC nur 1991 produzierte. Der serienmäßig immerhin bereits 203 PS leistende 4,3-Liter-V6 erhielt spezielle Kolben, einen Mitsubishi-Turbolader, einen Ladeluft- und Ölkühler sowie ein neu entwickeltes Auspuff- und Benzineinspritz-System. Eine quer zur Fahrtrichtung eingebaute 48-Millimeter-Drosselklappe stammt vom 5,7-Liter-V8 der Corvette. Dank Japan-Lader stieg das maximale Drehmoment des Turbo-V6 im GMC Typhoon auf 490 Newtonmeter, die Höchstleistung steht bei extrem niedrigen 4.400/min zur Verfügung.

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Fotoshooting in österreichischer US-Idylle

Doch genug der Theorie. Jetzt reisen wir in eine Region, wo der GMC Typhoon und sein Pick-up-Bruder Syclone zusammen auftreten. Syclone oder Zyklon nennt man übrigens die speziellen Wirbelstürme über Südostasien und dem pazifischen Raum. Doch so weit mussten wir nicht reisen. Ein Sieben-Stunden-Autotrip nach Osten reichte völlig aus. In Oberwaltersdorf, etwa 30 Kilometer südlich von Wien, warten Clemens Berndorff und Peter Mery in ihrem weißen Typhoon beziehungsweise schwarzen Syclone vor dem Billa-Supermarkt.

Gemeinsam fahren wir in GMC Typhoon und Syclone von hier in den vor wenigen Jahren neu errichteten Fontana-Wohnpark mit angrenzendem See und Golfplatz. Hier sieht es mit den breiten Straßen, den vielen Bäumen und den neoklassizistischen Wohnhäusern aus wie in Connecticut oder Massachusetts. Eine Super-Kulisse für das Foto-Shooting. "Das haben wir Frank Stronach, dem Chef von Magna-Steyr, zu verdanken", sagt Peter. "Der Austro-Kanadier hat seinen Europa-Firmensitz hier in Oberwaltersdorf. Dazu gehört auch diese im US-Stil errichtete Luxus-Wohnanlage für jedermann."

Luxus-Innenraum mit schwarzem Leder

Jetzt parken die beiden GMC Super-Trucks artig am Straßenrand. Nett sehen sie aus: zwei putzig kleine Trucks, geradlinig wie lustige Kinderzeichnungen, eigentlich Spielzeuge. Doch die Breitreifen und die nur wenige Zentimeter über dem Asphalt kauernde Karosserie des GMC Typhoon wirken irgendwie bedrohlich. Beide verfügen über ein schwarz gehaltenes Sport-Cockpit mit Drehzahlmesser, Öl- und Ladedruckanzeige sowie einen Automatik-Wählhebel im Stil eines Sportwagen-Schalthebels mit Ledersäckchen.

Fast der gesamte Innenraum und die Sitze des GMC Typhoon sind mit schwarzem Leder bezogen. Das rechtwinklig gestaltete Instrumentenbrett und seine Bedienelemente wirken wie ein HiFi-Receiver von Technics. Viel Kopffreiheit, große Fensterflächen und schlanke A-Säulen lassen in dem nur 1,73 Meter breiten Typhoon kein Gefühl von Enge aufkommen.

Auch unterwegs auf der Straße, jetzt in Richtung A3 Südost-Autobahn, kommt kein Gefühl von Enge auf: Der GMC Typhoon giert auf völlig neue Art nach Tempo, nach Auslauf, nach Freiheit. Man fühlt sich wie in der gelungenen Kreuzung eines Opel Frontera mit einem Porsche 911. Von diesem scheinen die noble, schwarze Lederausstattung und die superbe Beschleunigung zu stammen. Nur schalten müssen wir nicht, das übernimmt die Viergang-Automatik.

Vorwärtsdrang arbeitet gegen das labile Fahrwerk

Vom Stand weg legt der GMC Typhoon mit einem leichten Ruck los und stürmt mit Macht voran. Der V6 röhrt etwas schräger als ein großvolumiger V8 und läuft auch spürtbar härter. Zwischen den kurzen Schaltvorgängen der Automatik reist der Power-Orkan nicht ab. Es geht vorwärts, als blase ein Typhoon den weißen Zauberwürfel über die Straße.

Nur die wenig präzise Lenkung und ein Fahrwerk mit nachlassender Spurtreue bei mehr als 160 km/h trüben etwas den Spaß. Dennoch setzen der GMC Typhoon und sein fast baugleicher Bruder Syclone noch heute Maßstäbe in Sachen Längsbeschleunigung und Understatement. Besitzer Berndorff meint dazu. "Der Typhoon ist für mich eine Design-Ikone und die diskreteste Art, eines der letzten echten US-Musclecars zu fahren."

Autor

Foto

Dino Eisele

Ausgabe

Heft 02/2011
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