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Irmscher Omega C40 E, Baujahr 1991 17 Bilder Zoom

Irmscher Omega C40 E im Fahrbericht: Schnellster Kombi der Welt

Der Irmscher Omega Caravan war 1991 der schnellste Serienkombi der Welt. Von dem 272 PS starken Lastenkarren entstanden elf Exemplare. Wir fuhren ein Unikat in knallrotem Lack mit mehr als 317.000 Kilometern auf dem Tacho.

Der Name war leider Programm: Omega. Omega ist nicht nur der letzte Buchstabe des griechischen Alphabets, sondern auch der Modellname der letzten großen Opel-Limousine mit Heckantrieb, die von 1986 bis 2003 den Dauerbrenner Rekord ablöste.

Reihensechser mit rekordverdächtigen Drehmomentwerten

Mit Wehmut denken Opel-Fans an den Omega 3000-24 V mit 204 PS zurück, der für stramme 230 km/h gut war. Oder an den Omega Evolution 500 mit riesigem Front- und Heckspoiler und auf 230 PS getuntem Reihensechszylinder als Basisfahrzeug für die Deutsche Tourenwagenmeisterschaft (DTM). Doch konnten sich auf der Rennpiste die großen Opel-Limousinen nie gegen die Audi V8, BMW M3 und die Evo-Modelle des Mercedes 190 E 16V durchsetzen. Und der bis heute schnellste Serien-Opel aller Zeiten, der Lotus Omega mit 377 Biturbo-PS und über 280 km/h Topspeed, durfte nicht an der DTM teilnehmen: Turbomotoren waren seit 1991 in der Rennserie nicht mehr zugelassen.

Deshalb bekommt man fast feuchte Augen - mehr aus glühender Verehrung als aus tiefer Trauer - wenn man einen Irmscher Omega Caravan erblickt, den der Opel-Tuner Irmscher ganz nach der feinen Art des Hauses veredelt hat: Dezenter Front- und Heckspoiler sowie eine schlicht geformte Heckschürze, unter der ein rechteckiger Doppelrohr-Auspuff hervorlugt. Breite 225/55er-Reifen auf 16-Zoll-Felgen füllen die Radhäuser optimal aus. Das Fahrwerk besitzt verkürzte Federn mit progressiver Charakteristik und straffer abgestimmten Gasdruckstoßdämpfern, weshalb die Karosserie um 15 Millimeter tiefer liegt. Und unter der Motorhaube hämmert ein gewaltiger Reihensechszylinder-Sauger mit vier Liter Hubraum und 272 PS mit damals wie heute rekordverdächtigen Drehmomentwerten: Ab 1.600/min bis zur Höchstdrehzahl von 5.800/min liegen mehr als 320 Newtonmeter an, das maximale Drehmoment von 395 Newtonmeter wird bereits bei lässigen 3.300/min erzielt. Der Vierliter-Vierventil-Sechser von Jaguar stemmte dagegen nur 369 Newtonmeter bei 3.650/ min auf die Kurbelwelle.

Nur elf Exemplare des Irmscher Omega C40 E entstehen

Doch halt! Dieser rote 250-km/h-Bomber ist nicht mehr der Opel Omega Caravan von Onkel Martin, der darin seine drei Kinder zur Schule und seine Modellflieger zum Wiesen-Flugplatz transportierte, sondern ähnlich wie der in England aufgebaute Lotus Omega ein ganz anderes Auto. Es ist ein Irmscher Omega C40 E. So steht es auf dem Typenschild im Motorraum und in den Fahrzeugpapieren.

Die schwäbische Traditionsfirma in Remshalden bei Stuttgart schuf zum Teil sogar unter eigenem Herstellernamen diverse Sportmodelle, die über Opel-Händler zur Ergänzung der Rüsselsheimer Modellpalette vertrieben wurden. So entstanden unter anderem die Sportmodelle Manta i200 und i240, Omega Evolution 500 sowie Irmscher Senator 4.0i 24 V beim Opel-Haus-Tuner in Remshalden. Der insgesamt nur elf Mal gebaute Omega C40 E - das "C" steht für Caravan und das "E" für Exklusiv - ist im Prinzip die Kombiversion des ebenso luxuriös ausgestatteten Irmscher Senator 4.0i. Der Omega C40 E erhielt deshalb auch das identische mattschwarze Irmscher-Kühlergesicht, das sich von dem des Serien-Senator B (1987 bis 1993) deutlich unterscheidet. Beide Irmscher-Modelle verwöhnen ihre Insassen mit viel luxuriöser Ausstattung: elektrische Fensterheber, Klimaanlage, Bordcomputer, Teillederausstattung, Wurzelholzeinlagen, Stereo-Kasetten-Radio, Sportlenkrad (in Holz 101 Euro Aufpreis), 300-km/h-Tacho und als absoluten Höhepunkt zwei elektrisch verstellbare und beheizbare Recaro-Sportsitze mit Memory-Funktion.

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Wehe, wenn er losgelassen - der schnellste Kombi der Welt

Doch ehrlich gesagt und Hand aufs Holzlenkrad - mit dem Luxus-Flair klappt es nicht so ganz, denn mattschwarzer Kunststoff beherrscht den Innenraum fast vollständig. Freude kommt dennoch auf: Obwohl die Omega-Karosserie zwei Zentimeter schmaler als ein aktueller VW Golf ist, fühlt man sich im Opel besser aufgehoben, weil die Sicht nach draußen besser ist. Der Omega-Pilot darf sogar einen Teil seiner tomatenroten Motorhaube vor sich herfahren und fühlt sich dank großzügiger Rundumverglasung fast schon wie in einem Méhari oder Mini Moke, der nur mit einem Sonnendach bekleidet ist.

Das Gute-Laune-Gefühl steigert sich schließlich zur puren Freude, weil sich der samtweiche Vierliter-Sechszylinder nur durch ein gut gedämpftes Auspuffbrummeln bemerkbar macht. Selbst das auf Hochglanz polierte Hartholz-Lenkrad überträgt keine auch noch so zarten Vibrationen auf die sensiblen Fahrerhände. Fast widerstandslos gleitet der Automatikwählhebel auf die Fahrstufe D, und unser rollendes Gewächshaus setzt sich mit dem ersten Antippen des Gaspedals behutsam in Bewegung.

Wer unter keinem nervösen oder sportiven Gasfuß leidet, der kann jetzt wie Onkel Martin im normalen Omega Caravan seine Kinder zur Schule oder seine Modellflieger zum Wiesen-Flugplatz bringen, ohne dass das Ladegut irgendwelchen Schaden nimmt - obwohl der Irmscher etwas trocken über kleinere Bodenunebenheiten hoppelt. Doch wehe, wenn bei einem flotten Ampelstart der schlafende Bulle unter der roten Motorhaube geweckt wird, und das Dual-Ram-Ansaugsystem ab 4.000/min auf kurze Atemwege schaltet. Der brave Omega Caravan scheint jetzt hinten in seinem großen Laderaum einen versteckten Raketenmotor zu zünden und schiebt dermaßen gewaltig an, dass das Heck nervös zu tänzeln beginnt.

Auch während der automatischen Gangwechsel leisten die Halsmuskeln der Insassen Schwerstarbeit, wenn die Wucht der 400 Newtonmeter ihre Köpfe aus dem Gleichgewicht reißt. Im Testbericht von auto motor und sport sprintete der identisch motorisierte Irmscher Senator 4.0i mit Fünfgang-Schaltgetriebe in 6,4 Sekunden von null auf Tempo 100. Der Omega Caravan mit Vierstufen-Automatik braucht dazu etwa eine Sekunde länger, was ihn 1991 zusammen mit dem Audi 200 Avant Quattro 20V zum schnellsten Kombi der Welt machte.

Auch nach mehr als 300.000 km kein Geklapper und Geknarze

Auf kurvenreichen Nebenstraßen gefällt der Irmscher mit geringer Seitenneigung und einem präzisen, leicht untersteuernd ausgelegtem Handling. Trotz Automatikgetriebe lässt sich noch im mittleren Tempo ein gut kontrollierbares Power-Übersteuern provozieren, das in engen Biegungen jedoch sehr schnell in verhängnisvolle Dreher ausarten kann. Ein Sperrdifferenzial an der Hinterachse verhindert mit Erfolg die peinliche Leistungsverpuffung am kurveninneren Hinterrad und lädt deshalb bei zu viel Motorpower zu einem Tänzchen ein.

So kann der rote Omega-Corsar von Irmscher noch heute mit seinen Fahrleistungen und vor allem mit der Luft- und Leichtigkeit des Fahrens vollauf überzeugen. Umso mehr, wenn der Fahrer mit Erstaunen auf den 300-km/h-Tacho blickt und eine Laufleistung von 317.572 Kilometer entdeckt. Der Caravan diente mehrere Jahre lang dem heutigen Firmenchef Günther Irmscher als Dienstfahrzeug, das vor etwa zehn Jahren im Werksmuseum von Remshalden seinen verdienten Ehrenplatz erhielt.

Irmscher erinnert sich: "Dieser Omega C40 wurde als einziger auf Kundenwunsch in diesem knalligen Rot ausgeliefert. Später haben wir ihn für die Firma zurückgekauft. Insofern ist er ein Unikat." Und das hat sich bis heute sehr gut gehalten: Trotz des deutlich härter abgestimmten Fahrwerks nerven weder die Karosserie noch das Interieur mit Klapper-, Polter- oder Knarzgeräuschen. Und der Lack glänzt wie neu. Würde man von einem Opel Omega auch wirklich etwas anderes erwarten?

Von am 23. November 2012
Heft 03 / 2010
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