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Front des VW Polo G40 17 Bilder Zoom

VW Polo G40 Fahrbericht: Mini-Golf-GTI mit mächtig Druck

Der VW Polo G40 ist ebenso unauffällig wie als automobiler Lustspender vergleichsweise unbekannt. Vielleicht gerade darum: Wer den VW Polo G40 mal kennen gelernt hat, will das durch ihn bereitete Vergnügen kaum mehr missen.

Das kleine Coupé ist kaum größer als ein Fliegenschiss, auch die Zahl der unter der Haube versammelten Pferdchen haut heute keinen mehr vom Hocker. 113 PS - na ja, damit wird man schon irgendwie von A nach B kommen. Was in diesem Fall allerdings eine gründliche Fehleinschätzung ist: Der VW Polo G40 hat das Potenzial, die Lenker manch wesentlich potenterer Fahrzeuge unglaublich zu ärgern.

Der Polo G40 wiegt nur 835 Kilogramm

Den Grund hierfür offenbart sofort ein Blick in die Fahrzeugpapiere des VW Polo G40. Der Wagen bringt lediglich 835 Kilo auf die Waage - in Zeiten, in denen Fahrzeuggewichte jenseits von 1,5 Tonnen noch als gutes Mittelmaß gelten, mutet das geradezu magersüchtig an. Auch sonst trägt der kleine VW Polo G40 mit dem 1.272 Kubikzentimeter Hubraum messenden Vierzylinder-Motörchen nicht dick auf.

Äußerlich ist er kaum von einem normalen Durchschnittspolo der zweiten Serie zu unterscheiden, die von 1981 bis 1994 gebaut wurde. Wäre nicht an Kühlergrill und Heck jeweils ein G40-Emblem angepappt, könnten den VW Polo G40 nur Kenner an den moderat verbreiterten Kotflügeln und den roten Zierstreifen in den Stoßfängern als besonders kräftiges Exemplar der Gattung Polo identifizieren. Dass der VW Polo G40 serienmäßig mit BBS-Alu-Felgen in der Größe 5½ x 13 ausgerüstet ist, stellt ein weiteres - wenngleich nicht sicheres - Unterscheidungsmerkmal im Vergleich zum Basis-Polo dar, der natürlich ebenfalls entsprechend aufgerüstet werden konnte.

Dasselbe gilt für die dezente Tieferlegung des VW Polo G40 um einen runden Zentimeter. Eine weitere, allerdings aussagekräftigere Besonderheit fällt erst auf, wenn der Fahrer Platz genommen hat: Die Skala des Tachos reicht bis 240 Stundenkilometer. Ansonsten findet sich auch im Innenraum wenig Auffallendes. Protziges Leder, Holz, Chrom? Fehlanzeige. Im VW Polo G40 dominiert der bei Volkswagen in den Achtzigern und Neunzigern übliche Kunststoffchic - das wirkt nicht wirklich minderwertig, aber auch alles andere als nobel. Allenfalls die VW Polo G40-Sportsitze im Karo-Design tanzen etwas aus der Reihe.

Autofahren pur - kaum elektronische oder hydraulische Helferlein

Zum Kleinwagenflair des VW Polo G40 passen die filigrane Pedalerie im Fußraum und der lange, dünne Schaltknüppel, der aussieht, als würde er bei zu beherztem Zugriff leicht abbrechen. Die Befürchtung ist durchaus begründet, denn die aufzubringenden Lenk- sowie die Schaltkräfte sind im Vergleich mit modernen Servo-Sportlern vergleichsweise hoch.

Auch sonst bot der Konzern für den VW Polo G40 keinerlei elektronische oder hydraulische Helferlein an, selbst die Fenster müssen per Drehkurbel geöffnet werden. Natürlich gab's auch ABS weder gegen Aufpreis noch gute Worte. Aber das ist schon okay so. Wer den kleinen VW Polo G40 bändigen will, sollte nicht nur des Gasgebens, sondern auch des Bremsens mächtig sein. Dass es auch keine Servolenkung auf der Ausstattungsliste gab, ist nur konsequent. Wenn man den VW Polo G40 permanent mit dem kleinen Finger lenkt, geht schließlich leicht was im Getriebe kaputt, wenn dann mit der ganzen Faust geschaltet werden muss.

Und es kann in der Tat schnell passieren, dass der VW Polo G40-Fahrer beim Gangwechsel kräftig zulangt. Dies deutet sich bereits vor dem Start an, beim Einlegen des ersten Gangs. Irgendwie hakt es immer ein wenig. Zwar soll es beim VW Polo G40 spürbare Serienschwankungen geben - doch eine grundsätzlich etwas widerborstige Schaltung wie bei diesem Exemplar gilt als normal. Wer den richtigen Dreh raus hat und durch geschickte Gas- und Kupplungsdosierung auch die leichte Anfahrschwäche des kleinen Der VW Polo G40 kompensiert, wird mit einem mächtigen Vorwärtsdrang belohnt.

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In weniger als 8 Sekunden auf 100 km/h - 200 km/h sind drin

Nur wenig mehr als acht Sekunden benötigt der VW Polo G40 bis Landstraßentempo - vorausgesetzt natürlich, die beiden bis dahin notwendigen Schaltvorgänge gelingen flüssig. Einmal von der Leine gelassen wird auch schnell klar, dass dem VW Polo G40 die großzügige Tachoskala keineswegs nur aus Angeberei spendiert wurde. Anzeigen von deutlich über 200 km/h sind durchaus drin - nicht nur bergab mit Rückenwind. 1991 standen bei auto motor und sport im Test des VW Polo G40 exakt 199 Stundenkilometer auf den Messinstrumenten.

Dass sich selbst ein Kleinstwagen, derart rangenommen, einen Schluck extra genehmigt, sei ihm zugestanden. Das Testmagazin ermittelte seinerzeit einen Durchschnittsverbrauch von 9,7 Liter Superbenzin für den VW Polo G40. Tatsächlich sind aber auch problemlos Werte um und sogar unter sieben Liter pro hundert Kilometer zu realisieren.

Agil und handlich wie ein Kart mit Dach

So darf der VW Polo G40 als Vorreiter für den aktuell angepriesenen Trend gelten, geringe Kraftstoffverbräuche durch hohe spezifische Leistung zu erzielen. Volkswagen setzte dazu seinerzeit auf einen Spirallader, der, in der Funktion einem Kompressor ähnelnd, von der Kurbelwelle angetrieben wird. Anders als bei Turbomotoren steht die Mehrleistung also bereits bei niedrigen Drehzahlen zur Verfügung, ein Turboloch ist bei dem Aggregat des VW Polo G40 konstruktionsbedingt nicht vorhanden.

Tatsächlich gefällt der VW Polo G40 mit einer erstaunlich gleichmäßigen Leistungsabgabe und sehr ordentlicher Durchzugskraft, weshalb unkundige Fahrer geneigt sind, deutlich mehr Hubraum als 1,3 Liter unter der Motorhaube zu wähnen. Das Fahrgeräusch des VW Polo G40 ist kernig, die Lautstärke bleibt aber stets dezent. Auch auf der Autobahn und jenseits der Richtgeschwindigkeit setzt der kleine VW Polo G40 Gasbefehle im letzten Gang ohne Verzögerung und mit angesichts des kleinen Hubraums überraschender Agilität um.

Spätestens auf der Schnellstraße zeigen sich aber Grenzen beim Fahrkomfort. Zumindest auf nicht ganz frisch geteerter Bahn werden Insassen vom straffen Fahrwerk kräftig durchgerüttelt. In seinem Element ist der VW Polo G40 auf verwinkelten Landstraßen. Selbst sehr schnell gefahrene Kurven durcheilt er mit nur minimaler Seitenneigung, wobei die Federung noch ausreichende Reserven offenbart, um Bodenwellen weitgehend erfolgreich auszugleichen.

Mini-Golf-GTI ist ein Spaßmobil für den Alltag

Erst mal in Fahrt, bewegen sich auch die beim Rangieren als hoch empfundenen Lenkkräfte des VW Polo G40 im normalen Rahmen. Richtungswechsel lassen sich mit etwas Gefühl äußerst präzise einleiten, sodass der Kleine agil und handlich wirkt wie ein Kart mit Dach. Im Vergleich dazu fällt auch das Platzangebot sehr ordentlich aus.

Der VW Polo G40-Kofferraum fasst 240 Liter, das reicht normalerweise für den kompletten Wochenendeinkauf. Bei Bedarf lässt er sich durch Umklappen der Rücksitzlehne auf knapp 900 Liter erweitern. Ansonsten sitzen vier Personen durchaus kommod. Lediglich Fahrer, die über 1,80 Meter groß sind, müssen sich mit einer etwas grenzwertigen Kopffreiheit des VW Polo G40 arrangieren. Doch das tun sie gern: Es macht einfach zu viel Spaß, mit dem unauffälligen Winzling protzige Testosteron-Sportwagen oder übergewichtige High-Tech-Limousinen zu jagen.Und das Beste daran: Der VW Polo G40 kann auch als Alltagswagen den Fuhrpark bereichern.

Autor

Foto

Frank Herzog

Datum

30. Juni 2014
Dieser Artikel stammt aus Heft Motor Klassik 02/2010.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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