Kaufberatung Mercedes-Benz 450 SEL 6.9: Das beste Auto der Welt?

Mercedes-Benz 450 SEL 6.9

Der Mercedes-Benz 450 SEL 6.9, das einst beste Auto der Welt, wartet mit nur durchschnittlichen Langzeitqualitäten auf. Der Rost knabbert respektlos am Blech der stattlichen Limousine, und der unvermeidliche Verschleiß der Technik kann teure Reparaturen verursachen - speziell, wenn der V-Achtzylinder-Motor einer Überholung bedarf.

Das Blech der W 116-Modelle erweist sich zwar als nicht ganz so rostfreudig wie das der großen Mercedes aus den Jahren davor, doch das sorgt kaum für eine nennenswerte Entspannung. Allein im Frontbereich gilt es auf etliche kritische Punkte zu achten. Dazu zählen die Traverse vor dem Kühler, die Frontschürze oder der Bereich um die vorderen Blinker.

Nach dem Öffnen der Motorhaube verdienen die Stehbleche und die Spritzwand einen prüfenden Blick - letztere speziell im Bereich unter dem Durchlass für den Bowdenzug der Motorhauben-Entriegelung. Als heikel gelten übrigens die an der Spritzwand befindlichen Befestigungspunkte des Querstabis- beziehungsweise der Vorderachse, die in Folge von Korrosion abreißen können. Manchmal sind sogar die Befestigungen der vorderen oberen Querlenker marode. Rost entsteht meist auch an den Schwellerenden vorn und hinten, um die Wagenheberaufnahmen und an den hinteren Radläufen.

Nicht vergessen sollte man, die unteren Partien der Türen zu inspizieren, wo sich Rost bildet, wenn die Ablauflöcher verstopft sind. Ebenfalls auf Korrosion fördernde Feuchtigkeit stößt der Interessent zuweilen im Kofferraum. Eine gründliche Untersuchung ist daher ratsam, und dazu gehört ein Blick in die Reserveradmulde, wofür man das Rad herausnehmen sollte.

Wertungen
Alltagstauglichkeit
10 Sterne
Ersatzteillage
8 Stern
Reparaturfreundlichkeit
4 Stern
Verfügbarkeit
4 Sterne
Nachfrage
2 Sterne
Unterhaltskosten
2 Sterne

Dem voluminösen V-Achtzylinder-Motor mit Trockensumpfschmierung, Hydrostößel und K-Jetronic werden Laufleistungen von 300.000 bis 400.000 Kilometer nachgesagt - wenn die Wartung nicht zu kurz kam. Doch Dritt- und Viertbesitzer, die den Wagen günstig erwerben konnten, haben oft die Service-Intervalle großzügig ausgedehnt, was späteren Besitzern unter Umständen teure Reparaturen beschert. So schlägt zum Beispiel eine Komplettüberholung des Motors in einer Fachwerkstatt mit 30.000 bis 40.000 Euro zu Buche.

Wer die Ausgaben für hochoktaniges Super Plus spart, riskiert zudem durchgebrannte Ventile. Ein Verschleiß der Hydrostößel macht sich durch lautes Ticken bemerkbar. Eine gewisse Aufmerksamkeit verdient die Hydropneumatik. Mit der Zeit geben die Federspeicherelemente ihren Geist auf und müssen erneuert werden – Preis inklusive Hydrodämpfer etwa 2.900 Euro. Verdächtige Geräusche an der Hinterachse können ein verschlissenes Differenzial bedeuten.

Preisentwicklung
Bei Einführung 1975 (Mercedes-Benz 450 SEL 6.9)   69.900 Mark
Bei Produktionsende 1980 (Mercedes-Benz 450 SEL 6.9)   81.200 Mark

Auch die Preise für die Sechsneuner befi nden sich im Aufwind, für gute Exemplare zahlen Liebhaber derzeit zwischen 25.000 und 30.000 Euro. In die Preisgestaltung fl ießen die vorhandenen Extras mit ein - ob Radiofernbedienung, eine beheizbare Rücksitzbank oder Vorhänge im Fond. Besonders Zubehör, das speziell für das entsprechende Auto in Einzelanfertigung entstand, kann den Preis um einige Prozentpunkte nach oben treiben.

Das Angebot an Fahrzeugen ist befriedigend, wenngleich gute Exemplare selten zum Verkauf stehen. Etwas günstiger werden die US-Versionen mit den wuchtigen Stoßstangen gehandelt, die aber zudem den Nachteil eines niedriger verdichteten und damit schwächeren Motors (zirka 250 PS) haben.

Der Ersatzteillage ist erfreulich gut, das Meiste kann dank Mercedes-Benz Classic direkt über die örtlichen Mercedes-Vertretungen geordert werden. Engpässe gibt es allenfalls bei Ausstattungs- und einzelnen Zierteilen. M-100-Motorteile sind recht teuer, aber auch, wie beim 300 SEL 6,3-Liter, die Reifen. Die Clubs informieren über die Umrüstung auf günstigere 15-Zoll-Alternativen.

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