Kaufberatung Mercedes 200 CE bis 300 CE - W124-Coupé
Robuster Gentleman: Coupé in Sacco
Diese Kaufberatung bezieht sich auf die frühen W124 Modelle, erkennbar an den fehlenden Sacco-Brettern vor Mopf 1, damit ist die erste Modellpflege zur IAA 1989 gemeint.
Diese Kaufberatung bezieht sich auf die frühen W124 Modelle, erkennbar an den fehlenden Sacco-Brettern vor Mopf 1, damit ist die erste Modellpflege zur IAA 1989 gemeint. Vor allem die Baujahre 1985 und 1986 neigen trotz guter Rostvorsorge verstärkt zu Korrosion. Die Coupés sind dank späterer Einführung (3/1987) weniger betroffen als die Limousinen und T-Modelle. Der Rost beginnt an den Dämpferbeinaufnahmen und ist vom Motorraum aus, besser noch vom vorderen Radhaus aus, sichtbar. Dieses tragende Teil neigt weit häufiger zum Durchrosten als die Aufnahmen der Schraubenfedern, die beim 124er an der unteren Windung brechen, was man im Fahrbetrieb nicht merkt.
Rost befällt in harmloserer Form auch die Vorderkotflügel zwischen Blinkleuchten und Kotflügeln. Härter trifft es in der Regel die Schweller an den Wagenheberaufnahmen und die benachbarten Unterkanten der Vorderkotflügel samt Schwellerspitzen. Bei den Viertürern ist manchmal der Übergang vom Schweller zur B-Säule befallen. Der Rost nistet sich meist unterhalb der aufgeclipsten geriffelten Kunststoffleiste ein. Die Radläufe erwischt es häufig, bevorzugt in Schwellernähe. Typisch ist auch Blasenbildung um die
Antennenbohrung. Bei Coupés sollte man den Heckscheibenrahmen genau untersuchen, beim T-Modell sind es die Rahmen der hinteren Seitenscheiben.
Feuchte Kofferräume sind fast normal bei Mercedes, typisch für den frühen W124 sind auch die sich in Fensterhöhe lösenden geschrumpften Türverkleidungen, die aufgescheuerten Sitzwangen und die gerissenen Instrumentenbrettauflagen.
- Alltagstauglichkeit
- Ersatzteillage
- Reparaturfreundlichkeit
- Verfügbarkeit
- Nachfrage
- Unterhaltskosten
Ein 124er-Mercedes gilt im Volksmund als unzerstörbar. Dies trifft jedoch nur auf gut gewartete Exemplare ohne Reparaturstau zu. Die aufwendige Technik braucht regelmäßige Pflege. Laufleistungen von 300.000 Kilometern sind auch für die Benzinmotoren nicht ungewöhnlich. Der Vierzylindermotor M 102 gilt vor allem nach Einführung der Duplex-Steuerkette ab Modelljahr 1986 unter Insidern als noch problemloser als das Sechszylinder-Pendant M 103. Der im Antriebskomfort mustergültige Sechszylinder leidet häufiger unter Ölundichtigkeiten an der Stirnseite und gelegentlich an defekten Zylinderkopfdichtungen.
Eingelaufene Nockenwellen waren anfangs ebenfalls ein Thema. Die Hydrostößel klappern gern während der Warmlaufphase. Klimakompressoren sind oft defekt, zudem steht auch bei Dichtproblemen eine kostspielige Überholung und Neubefüllung an. Die sehr komfortablen Viergang-Automatikgetriebe mit zwei Schaltprogrammen halten nicht immer so lange wie die Motoren. Auf eventuelle Schaltrucke und korrekte Schaltpunkte ist zu achten. Die Raumlenkerachse weist eine Menge von Lagerbuchsen auf, die nach 20 Jahren oft ausgeschlagen sind. Zu großes Lenkspiel ist beim 124er erst bei sehr hohen Laufleistungen ein Thema. Wichtig ist zudem, dass alle Sonderausstattungen funktionieren.
| Bei Einführung 1987 (Mercedes-Benz 230 CE) | 50.331 Mark |
| Bei Produktionsende 1992 (Mercedes-Benz 230 CE) | 63.042 Mark |
Das Angebot des populärsten Mittelklasse-Mercedes ist immer noch gigantisch. Elf Jahre Bauzeit und 2,3 Millionen Exemplare sichern den Liebhaber-Nachschub trotz Export-Offensive. Dort landen meist die Verbrauchswagen, vor allem Diesel-Limousinen. Gepflegte, originale Coupés sind dagegen bereits gesuchte Liebhaberautos. Man trifft bei der Fülle der 124er sogar Raritäten wie Quasi-Neuwagen an, so wurde kürzlich ein 260 E mit 18.000 Kilometern auf dem Tacho für 11.000 Euro angeboten. Als Faustregel für den zukunftsorientierten Coupékauf mit Wertzuwachs mag gelten: Gute Ausstattung, unter 150.000 km, zeitlose Farbkombination, absolute Originalität, scheckheftgepflegt, bis 3. Hand.
Abgasseitig sind alle Coupés bis D3 nachrüstbar. Classic Data bewertet einen 230 CE in Zustand 2 mit 6.900 Euro, einen vergleichbaren 300 CE mit 7.600 Euro.
Die Ersatzteil-Situation ist beim W124 nahezu optimal. Die Autos sind selbst 12 Jahre nach Produktionsende noch sehr präsent. Heute bestellt, morgen geliefert, heißt die Devise - bei jedem MB-Vertragspartner. Nur sehr ausgefallene Wünsche wie seltene Bezugsstoffe, etwa Velours dunkelolive oder eine Instrumentenbrettabdeckung in Blau, können so schnell nicht erfüllt werden. Selbst originaler Ersatz von Bosch, VDO oder Continental kommt mittlerweile aus Osteuropa, der Qualitätsstandard ist aber mindestens der Gleiche, zumal Verbesserungen aus der Serienproduktion eingeflossen sind. Gewarnt wird jedoch vor Fälschungen und Billigteilen. Original-Zuliefererteile sind im freien Handel manchmal günstiger.
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