Kaufberatung Mercedes 300 SL Roadster - W 198: Das Hochglanz-Traumauto

Der Mercedes 300 SL zählt zu den weltweit begehrtesten Klassikern. Unrestaurierte Exemplare sind deshalb kaum mehr erhältlich, nahezu alle derzeit angebotenen 300 SL sehen auf den ersten und sogar zweiten Blick hervorragend aus. Doch hinter der glänzenden Fassade lauert oft schlampige Arbeit.

Aus oben angeführten Gründen ist das Thema Rost bei einem angebotenen 300 SL in der Regel kein großes Thema. Man darf davon ausgehen, dass bei einer Restaurierung die Rostnester erfolgreich und seriös bekämpft wurden. Dennoch ist darauf zu achten, dass authentisches Material Verwendung fand. Verdeckklappen aus Kunststoff oder Türen, Motorhauben, Schweller und mehr aus Stahlblech anstatt Aluminium mindern den Wert.

Ein guter Hinweis auf den Gesamtzustand der Karosserie und die Güte der Restaurierung bietet bei Roadstern ab Baujahr 1958 die Sicke unterhalb der Türen. Fehlt diese, sind voraussichtlich auch andere Partien der Karosserie entsprechend nachlässig wieder hergestellt worden. Deutlich mehr Probleme kann der kompliziert aufgebaute Rahmen aus verschweißten Stahlrohren bereiten. Hier lauern Risse und bei Unfallautos oft nur schwer einzuschätzende Schäden, welche die Fahrstabilität des bis zu 240 km/h schnellen Sportwagens stark beeinflussen können. Nur die Kontrolle des gestrippten Chassis auf einer zeitgenössischen Rahmenrichtbank, die derzeit nur bei der Firma Kienle und im Mercedes-Benz Classic Center möglich ist, gibt Gewissheit über den Zustand des Rahmens. Hinzu kommen Details wie das Material für die Sitzpolster: Echtes, authentisches Rosshaar ist schweißtreibendem Schaumstoff an Originalität und Nutzwert um Längen überlegen.

Wertungen
Alltagstauglichkeit
8 Sterne
Ersatzteillage
8 Stern
Reparaturfreundlichkeit
6 Stern
Verfügbarkeit
6 Sterne
Nachfrage
6 Sterne
Unterhaltskosten
10 Sterne

Trotz der neuartigen Benzin-Direkteinspritzung gilt die Technik des 198-Roadsters im Gegensatz zu den frühen Coupés als ausgereift. Der Motor startet zügig unter allen Betriebsbedingungen – bei Kälte mit manuellem Choke – und fällt in einen stabilen, etwas hohen Leerlauf. Nach Überwinden einer leichten Anfahrschwäche lässt sich der durchzugsstarke Motor sogar recht schaltfaul fahren, dritter und vierter Gang liegen sehr eng beinander.

Wenig bewegte Fahrzeuge mit überholungsbedürftigen Einspritzanlagen neigen jedoch zur Ölverdünnung. Der Kraftstoff wandert durch leckende Einspritzventile in den Ölkreislauf und gefährdet dessen Schmierfunktion. Benzingeruch am Peilstab wäre hierfür ein Indiz. Längere Standzeiten können zu Rissen im Zylinderkopf und zu Lagerschäden führen. Das Getriebe zählt nicht zu den sportlichsten, sollte aber auch im heißen Betriebszustand ohne Kratzgeräusche bedienbar sein. Gut gewartete Trommelbremsen wie im Fahrberichts-SL erreichen ausgezeichnete Verzögerungswerte.

Preisentwicklung
Bei Einführung 1958 (Mercedes-Benz 300 SL Roadster)   32.500 Mark
Bei Produktionsende 1963 (Mercedes-Benz 300 SL Roadster)   33.250 Mark

Nach dem drastischen Preiseinbruch Mitte der 90er Jahre gingen die Preise für gut erhaltene Mercedes 300 SL ständig nach oben und erreichen derzeit einen neuen Höchststand. Toprestaurierte Exemplare renommierter Firmen klettern schon mal über die 450.000-Euro-Marke. Modelle mit Scheibenremsen (ab 1961) sind geringfügig höher dotiert.

Auch für inzwischen äußerst selten gewordene unrestaurierte Exemplare, die meist als willkommene Basis für einen grundlegenden Neuaufbau dienen, werden oft mehr als 300.000 Euro ausgegeben. Kenner und Freunde echten Understatements sollten diesen Fahrzeugen nicht die wohlverdiente Patina rauben und nur deren Technik auf Vordermann bringen lassen.

Spezialisten wie das Mercedes-Benz Classic-Center, Kienle Automobiltechnik oder HK-Engineering sorgen für ein fast lückenloses Angebot an originalen wie auch technisch optimierten Teilen bis hin zu Technikkomponenten für den Rennsport (HK Engineering).

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