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Einkaufstour US-Autos: Sieben US-Cars-Händler unter der Lupe

Um US-Cars zu kaufen, muss man nicht unbedingt in die Staaten reisen. Motor Klassik tourte durch Deutschland, besuchte sieben US-Cars-Spezialisten und sichtete deren Angebot.  

Gebrauchte US-Cars findet man gewöhnlich nicht bei den typischen Kiesplatzhändlern. Es ist ja auch so: Wer Schuhe kauft, der geht in einen Schuhladen, wer Uhren kauft, der geht in einen Uhrenladen, und wer ein amerikanisches Automobil kauft, der geht in einen Ami-Laden.

Aktive US-Cars-Szene in Deutschland

Deshalb kann der Kunde beim gut sortierten US-Cars-Händler in der Regel gleich mehrere V8-Traumwagen aus verschiedenen Jahrgängen inspizieren. Das verdanken wir der hierzulande sehr selbstständigen US-Cars-Szene, die auf ihren Treffen, Ausfahrten und in ihren Clubs auch ohne Europäer und Japaner auskommt. Und genau so machen es die Händler von US-Cars.

Was sieben US-Cars-Spezialisten in Deutschland bieten, hat Motor Klassik während eines dreitägigen Trips von Südbaden bis an die holländische Grenze erkundet. Dabei stellte sich heraus, dass sich nicht nur die angebotenen Modelle so stark unterscheiden wie Johnny Cash von Van Halen, sondern auch die Philosophien und die Größe der besuchten US-Cars-Betriebe.

US-Cars-Spezialist #1: Sport and Muscle Cars in Achern

Wir beginnen in Achern bei Sport and Muscle Cars. Firmenchef Uwe Wolf hat sich, wie der Name schon verrät, fast ausschließlich auf sportliche Zweitürer der Jahre 1965 bis 1974 spezialisiert, die aus der goldenen Ära der Muscle Cars stammen. Zwei seiner zum Verkauf stehenden Prachtexemplare der US-Cars treten als Fotomodelle bei einer anderen Geschichte auf: Dodge Challenger R/T SE und Shelby Mustang GT 500.

Wer auf Wolfs Website die Liste der bereits verkauften US-Cars betrachtet, dem steigt ungebremst der süßlich stechende Geruch von verbranntem Benzin und qualmenden Reifen in die Nase: 73er Pontiac Formula 400, 71er Oldsmobile 442 Convertible, 71er Camaro 350 SS und viele mehr. In der Regel warten fünf bis sechs angebotene US-Cars in einer hellen, aufgeräumten Halle auf neue Besitzer. Das große Interesse an amerikanischen Muscle Cars sei ungebrochen, berichtet Wolf: "Einige Leute wollen etwas Spezielles, wenn sie auf Oldtimer-Treffen gehen, und das finden sie bei mir." Der Muscle-Car-Spezialist würde seine bislang verkauften US-Cars sogar wieder zurückkaufen: "Deren Wert ist in den letzten Jahren deutlich nach oben gegangen." Sport and Muscle Cars besteht bereits seit 1989, seit Mitte 2007 führt Wolf nach Trennung von seinem Partner die Geschäfte mit den US-Cars allein.

Mustang-Experte: Classic Mustang Shop (CMS) bei Rheinmünster

Keine 30 Kilometer vom Muscle-Car-Händler entfernt hat der Classic Mustang Shop (CMS) von Martin Merkel und Frank Lorenz auf dem Baden Airpark bei Rheinmünster seine Tore geöffnet. Dort kümmert sich ein 16-köpfiges Teams um die Wartung, Instandsetzung und Restaurierung der klassischen Mustang-Modelle von 1965 bis 1973. Werkstatt-Chef Lorenz restaurierte zunächst Mercedes Pagoden - und mit der gleichen Sorgfalt sind es seit mehreren Jahren Ford Mustang, bevorzugt die begehrten Cabrio- und Fastback-Versionen mit V8-Motor.

Wer als Kunde zu CMS kommt, kann in der Regel zwischen drei oder vier perfekt erhaltenen oder toprestaurierten US-Cars auswählen, deren Preise zwischen 40.000 und 60.000 Euro liegen. Oder er sucht sich vor Ort ein "Rohling-Exponat" aus, das CMS je nach Kundenwunsch bis zur Komplettrestaurierung neu aufbaut. Dann erhält der Kunde ein wirklich neues, zum Teil sogar optimiertes (Lenkung, Bremsen, Kühlung) US-Cars. Und die Wartung erfolgt im gleichen Haus. Auf Wunsch suchen erfahrene Einkäufer des Classic Mustang Shop in den USA nach besonderen Mustang-Varianten wie etwa die großen Mach 1-Modelle von 1971 bis 1973.

Volles US-Car-Programm bei American Import Cars in Pforzheim

Viel mehr als nur Mustang bietet American Import Cars von Daniel Titze. In einem gepflegten, ländlichen Gewerbegebiet bei Pforzheim betreibt der junge Unternehmer eine Werkstatt mit Importfirma für US-Cars. Seine jüngster Einkauf, eine riesige, chromglänzende Lincoln Continental-Limousine von 1958 steht vor dem weißen Gebäude, daneben ein gelber Mustang Grande von 1971 mit Mach 1-Streifenzier, der - was für ein irrer Zufall - genau so aussieht, wie ihn die Mädels im zweiten Teil von Quentin Tarantinos Roadmovie "Death Proof" fahren.

In der dunklen, aber trockenen Werkstatt warten noch fünf weitere US-Cars auf Käufer, darunter ein giftgrüner Plymouth Roadrunner 383 von 1968, ein Ford Fairlane 390 Cabrio von 1966 und ein Corvair Cabrio. Alle US-Cars befinden sich im fahrbereiten Zustand, benötigen aber zum Teil noch einige optische und technische Arbeiten. Entsprechend bewegen sich die Preise zwischen dem pflegebedürftigen Mustang und dem exzellent erhaltenen Lincoln von 8.000 bis 30.000 Euro. Außerdem fahndet American Import Cars in den USA auch nach speziellen Wunsch-US-Cars, bietet regulären Werkstatt-Service und checkt nach Voranmeldung mitgebrachte US-Cars.

Von der Schraubergemeinschaft zur US-Car-Werkstatt

Die US-Cars-Einkaufstour geht weiter nach Weinstadt bei Stuttgart, wo wir eine dynamische, aus vier Jungs und drei Mädchen bestehende US-Cars-Crew bei der Arbeit antreffen: In einer geräumigen Halle erhalten gerade drei bis auf das Chassis gestrippte US-Cars eine Komplettrestaurierung, alle aus den legendären Jahrgängen von 1967 bis 1971: Chevrolet Camaro, Dodge Challenger und Dodge Charger. Auf einer vierten Hebebühne wartet ein Plymouth Barracuda auf die Vollendung seines neu aufgebauten Fahrwerks und Lenkung.

Die Oldschool Custom Works entstand aus einer US-Cars- und Youngtimer-Schraubergemeinschaft und bietet seit zwei Jahren professionelle Werkstattarbeiten an US-Cars der Baujahre 1965 bis 1975. "Die Restaurierungen erfolgen im Kundenauftrag", berichtet Christian Rühle, einer der beiden Geschäftsführer. Sie würden zeigen, "dass man inzwischen dazu bereit ist, für einen restaurierten Ami das gleiche Geld auszugeben wie für einen Porsche 356 oder einen Jaguar E-Type". Hierbei werden bis zu 50.000 Euro investiert, das Basisauto im Wert von etwa 15.000 Euro noch nicht mitgerechnet.

Wer mit Christian Rühle und seinem Partner Sönke Priebe ins Geschäft kommen will, sollte konkrete Kaufvorstellungen haben. "Für die Suche nach einem bestimmten Modell und die Planung eines Projekts ist es für uns einfacher, wenn der Kunde möglichst genau weiß, was er will", sagt US-Cars-Profi Priebe. Deshalb gibt es bei der Oldschool Custom Works auch nur selten neu aufgebaute Komplettfahrzeuge. In der Regel sind das ehemalige Kundenautos. Daneben bieten Rühle und Priebe substanzfeste, aber wartungsbedürftige US-Cars, zum Beispiel einen schwarzen Pontiac Firebird Trans Am 400 von 1974 für 7.500 Euro.

30 Jahre Erfahrung mit der Corvette

Die US-Cars-Einkaufstour geht weiter und führt uns zum Corvette Center Mörfelden. Dort betreibt seit 30 Jahren Stephan von Harten mit vier erfahrenen Mitarbeitern seinen Corvette-Betrieb, wo die top-gepflegte und -restaurierte US-Cars aller sechs Generationen verfügbar sind. So steht im gläsernen Foyer ein wunderbares C2-Cabrio im dezenten Glen Green Metallic mit schwarzem Lederinterieur, dazu Viergang-Schaltgetriebe und originale Aluminium Knock-Off-Wheels für 56.900 Euro.

Gepflegte C3-Modelle sind ab etwa 30.000 Euro erhältlich. Hier erwarten den Käufer technisch wie optisch instandgesetzte, völlig alltaugstaugliche US-Cars. Das Corvette Center Mörfelden führt auch Restaurierungen durch und ist offizieller GM-Händler. Außerdem checken von Harten und sein Team für 135 Euro mitgebrachte Corvette, damit künftige Besitzer nicht zu viel für eine angenagte Möhre ausgeben.

Tom's Club für Cadillac- und Lincoln-Fans

Ein weiterer angesehener Markenspezialist unter den US-Cars-Händlern ist Tom Witzel. Seine Cadillac und Lincoln genießen bundesweit einen hervorragenden Ruf. In einer ländlichen, gut belüfteten Lagerhalle warten bei Limburg an der Lahn jeweils etwa zehn Exemplare der beiden Nobel-US-Cars auf neue Besitzer. Zu Tom's Club gehört auch ein spezialisierter Meisterbetrieb, der vor allem dafür sorgt, dass die Technik der US-Cars zuverlässig funktioniert und Verschleißteile ersetzt werden. Witzels Maxime, der seine langjährige Caddy-Leidenschaft zum Händler-Beruf machte, lautet nämlich: "Wir restaurieren nicht, sondern verkaufen nur rostfreie, topgepflegte Originale."

Dank bester Verbindungen in die USA zu befreundeten Händlern und Sammlern gelingen Witzel immer wieder sensationelle Diamantenfunde bei den US-Cars. Zum Beispiel ein 61er Cadillac Series 62 Sedan Six Window aus Kalifornien mit nur 15.000 Meilen Laufleistung, der "sich wie ein Vorführwagen fährt" und deshalb auch stolze 49.900 Euro kosten darf. Ansonsten beginnen Tom's Club Cadillac- und Lincoln-Freuden bei eher moderaten 22.000 Euro.

Mehr als 100 US-Cars auf Lager: RD Classics

Ankunft in Emmerich, das Nahe der holländischen Grenze auf der rechten Rheinseite gegenüber Kleve liegt. Hier residieren RD Classics, die auf ihrer Website mehr als 100 US-Cars anbieten, dazu noch einige Mercedes, Jaguar und Rolls-Royce. Vor einem dunkelbraunen, modernen, ehemaligen Fabrikgebäude wehen zwei US-Flaggen. In den hellen, zweistöckigen Ausstellungsräumen mit den schwarzweiß karierten Böden stehen tatsächlich rund 80 US-Cars von 1932 bis 1982, die meisten davon aus den 50er, 60er und 70er Jahren. Ein Tor führt weiter nach hinten in eine große, durch Oberlicht beleuchtete Halle, wo noch mindestens 150 weitere US-Cars zum Verkauf stehen. Jetzt heißt es tief durchatmen - damit hatten wir nicht gerechnet.

Danny Ebbers und sein Vater Remi, der gerade in den USA nach Autos fahndet, betreiben diesen US-Cars-Megastore und stehen mit ihren Vornamen hinter dem Kürzel "RD" Classics. "Das Ganze hat sich aus der Privatsammlung meines Vaters entwickelt", berichtet Ebbers junior, "der auch für einige Freunde Autos aus den Staaten holte." Daraus wurde dieser Riesen-Marktplatz, der durchaus Qualitäten besitzt: Alle US-Cars sind im kompletten Originalzustand; von einigen Modellen wie 73er Dodge Charger, 77er Lincoln Continental oder Cadillac Fleetwood-Limousine stehen mehrere zur Auswahl; und Freunde der Chrysler-Nobelmarke Imperial kommen voll auf ihre Kosten. Relativ schlank ist dagegen das Angebot an den US-Cars Camaro, Challenger, Firebird und Mustang. Der Zustand der Autos bewegt sich zwischen 2 + und 4 -, die Preise sind entsprechend angepasst.

Fazit: Ab 12.000 Euro gibt es brauchbare Autos, Sammler-US-Cars ab rund 30.000 Euro

Bleibt als Fazit festzuhalten: Das Angebot im US-Cars-Luxusbereich der großen Limousinen und Coupés ist reichlich und günstig. Ab etwa 12.000 Euro ist man mit Zustand-3-Autos dabei. Dünn gesät sind dagegen die gesuchten frühen (1967 bis 1972) Pony Cars und Muscle Cars wie Chevrolet Camaro und Chevelle, Dodge Challenger und Charger sowie Pontiac Firebird und GTO. Im Schnitt kosten derzeit gepflegte Standard-V8-Varianten rund 30.000 Euro. Wer hier nicht mehr als 15.000 Euro investieren möchte, erhält in der Regel ein technisch wie optisch sehr verschlissenes Exemplar.

US-Cars-Spezialisten mit eigener Werkstatt sind von Vorteil, weil deren Autos dem Alltagsstress besser gewachsen sind. Oder man lässt sich das Wunschauto vom erfahrenen Restaurierungsbetrieb originalgetreu neu aufbauen. Dieser Aufwand macht sich bezahlt: Der Run auf die Power-US-Cars hält an - Mustang und Corvette erhalten endlich angemessene Verstärkung.

Autor

Foto

Hardy Mutschler

Datum

29. Dezember 2010
Dieser Artikel stammt aus Heft Motor Klassik 10/2010.
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