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Ford Capri II - Stakkato-Restaurierung: In 9 1/2 Wochen zum perfekten Capri

Seinen Ford Capri-Fund wollte Tilo Rögelein erst gar nicht restaurieren. Doch dann siegte der Ehrgeiz: Exakt neun Wochen und drei Tage dauerte die konzertierte Aktion in der Werkstatt. Das Ergebnis besitzt Pokal-Niveau.

Um den Ford Capri II 3000 Ghia wieder in seinen Neuzustand zu versetzen, war harte Arbeit und Ausdauer nötig. "Es waren kurze Nächte", erinnert sich Tilo Rögelein. Bis nachts um drei herrschte in seiner Werkstatt Leben. Freunde schauten vorbei und halfen, seinen Ford Capri II zu montieren. Der Termin duldete keinen Aufschub: Tilo hatte den fixen Plan, seinen Ford Capri II auf der Retro Classics zu zeigen. Und die öffnete am in genau neun Wochen und drei tagen ihre Tore.

Es war eine Ford Capri II-Restaurierung im Stakkato, aber Rögelein kennt sich aus in der Materie. Über 1.000 Ford Capri hat der 37-Jährige aus dem schwäbischen Erligheim in seinem Leben schon geschlachtet, das exakt zur rechten Zeit begann, wie er betont: 1969. Damals lief auch der Ford Capri erstmals vom Band. Sogar an seinen ersten Kontakt mit dem Ford-Coupé kann er sich noch gut erinnern. 1973 war es, als sein Vater einen Ford Capri 2300 kaufte. "Ich war völlig begeistert", sagt er: "So ein Auto wollte ich später haben." Er war Ford Capri-Fan geworden - mit vier Jahren.

Herr der 40 Capri

Es gab dann Zeiten in seinem Leben, da hortete er 86 Ford Capri. Heute sind es nur noch rund 40. Er hat reduziert, dennoch: Der Ford Capri lockt ihn. Er kann von ihm nicht lassen. Schon seine automobile Karriere begann konsequent. Mit 18 rettete er einen Ford Capri 2300 Ghia der dritten Serie vor seiner sicheren Verschrottung. Er baute ihn wieder auf und erfuhr damals schon, wie schwierig es war, an Ersatzteile zu kommen. "Die Ford-Händler halfen kaum", erzählt er, "sie hatten immer irgendwelche Ausreden." So kaufte er einen zweiten Ford Capri zum Ausschlachten, gefolgt von Nummer drei und vier. Heute füllen die Ford Capri-Teile drei Hallen.

Vor anderthalb Jahren hat der ehemalige Gärtner Rögelein sein Hobby zum Beruf gemacht. Im vergangenen Dezember war er wieder auf der Suche nach Ford Capri-Spuren im Internet. Er landete bei einer Verkaufsanzeige - ein Ford Capri der Serie II, mit Drei-Liter- Essex-V6 und Ghia-Ausstattung. Kaum mehr als 80.000 Kilometer war der Wagen einst in erster Hand gelaufen. 3.500 Euro schlug der Verkäufer als Verhandlungsbasis vor, "ein fairer Preis für diesen sehr originalen Wagen", urteilt der Ford Capri-Spezialist Rögelein.

Dass er letztlich deutlich weniger zahlte, hatte der Ford Capri-Besitzer sich selbst zuzuschreiben. Kurz vor der Übergabe war er zu einer letzten Spritztour gestartet - und prompt mit einem Reh kollidiert. Die Stoßstange, der Grill und die Frontschürze des Ford Capri II waren verbeult, ein Scheinwerfer zersplittert. Tilo Rögelein kaufte den Ford Capri dennoch. Sein Teilefundus ist umfassend genug, um auch für diese raren Stücke Ersatz zu bieten. "Ich durfte nur eines nicht tun: den Ford Capri in die Halle stellen", sagt er, "vermutlich hätte ich ihn dann zehn Jahre nicht angefasst."

Aus der Minimallösung wird eine Vollrestaurierung

So lockte ihn zunächst die Minimallösung: die Ford Capri-Technik richten, dann die kritischen Karosseriestellen überarbeiten und beilackieren. Aber Silbermetallic beilackieren? "Das ist schwierig, ich wusste das ja." Er baute seinen Plan aus: neues Frontblech, schweißen, Außenlackierung. Dann kam ein Freund vorbei. "Du lässt Motor und Achsen zum Lackieren im Auto?", fragte er kopfschüttelnd. Kurz wehrte Tilo sich noch, doch schon wenige Stunden später lagerten Achsen und Motor des Ford Capri II am Rande der Werkstatt - und die Karosserie war völlig ausgebeint.

"Es hat sich tatsächlich gelohnt", sagt Tilo. Nicht nur, weil er so zwischen Dachhimmel und Blechhaut ein Mäusenest samt ehemaliger Bewohner entdeckte, sondern auch, weil er hinter dem Getriebe versteckte Durchrostungen aufspürte. Dieses Problem ist typisch für die nobleren Ford Capri II Ghia-Modelle: Nur sie besaßen hier Teermatten zur Dämmung. Ford hatte sie damals fahrlässigerweise direkt aufs nackte Blech geklebt. Wo der Klebstoff hielt, passierte nichts. Doch die anderen Bereiche wurden auf Grund kapillar eindringenden Wassers zerfressen.

Tilo Rögelein fertigte passende Bleche an und schweißte sie ein. Den ebenfalls löchrigen Gebläsekasten an der Stirnwand des Ford Capri II ersetzte er mit einem gebrauchten Teil aus seinem Lager. Dabei optimierte er den unteren Bereich so, dass hier künftig kein Wasser mehr stehen kann - um dem alten Ford-Versprechen gerecht zu werden: "Alles ist auf Haltbarkeit gebaut", versprach der Ford Capri-Prospekt, "das Stahlblech der Karosserie wird zum Beispiel vierfach gegen Korrosion geschützt."

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Tipp für zufriedene Lackierer in Höchstleistung

Dass das so nicht ganz stimmen konnte, haben später zahllose Ford Capri-Besitzer leidvoll erfahren. Nur mit Glück finden sich heute noch gute Exemplare. Tilo Rögeleins Dreiliter-Ghia war ein solches: Er entdeckte noch etwas Rost an den Radläufen sowie den Taschen links und rechts des Kofferraums, viel mehr war es jedoch nicht. "In diesen Bereichen sind viele Ford Capri hoffnungslos zerfressen", weiß Tilo, "weil Ford sie hier mit Anti-Dröhn-Schaum ausgespritzt hat." Die Feuchtigkeit hielt sich, und das blieb selten ohne Folgen. Selbst die hinteren Blattfederaufnahmen, ebenso als kritische Ford Capri-Stellen bekannt, zeigten sich bei seinem Exemplar noch gesund. Nur die Heckklappe, die sich nach außen unverdächtig gab, offenbarte innen starken Fraß. Ein Ersatzteil fand der Ford Capri-Schrauber in einer seiner Hallen.

Für die Lackierung packte er die Ford Capri II-Karosserie auf drei gestapelte Euro-Paletten, eine Lösung, die sich bewährt hat: "Lackierer arbeiten nicht gern auf Bodenhöhe", weiß Tilo Rögelein, "und wenn ich ihnen die Karosserie in der richtigen Höhe bringe, sind auch die Schweller bis zur Kante und die Radhäuser sauber auslackiert." Er hat sich für das authentische Stratossilber entschieden, obwohl ihm die Farbe eigentlich zu bieder ist: "Ein knalliger Ton wäre mir lieber gewesen, aber für einen Farbwechsel schien mir dieser Ford Capri zu original."

Mit acht Kilo Hohlraumfett für die Zukunft gerüstet

Für zukünftigen Rostschutz sorgen ein neuer Unterbodenschutz und der üppige Einsatz von Hohlraumfett. Acht Kilogramm hat Rögelein in der Ford Capri-Struktur versprüht, zudem schützen nun Lokari-Innenkotflügel die Radhäuser vor Steinschlag. Während der Lackierer die Karosserie in Arbeit hatte, kümmerte sich Tilo Rögelein um den Essex-V6-Motor des Ford Capri II 3000 Ghia. Das komplette Kühlsystem hatte Kalk zugewuchert, inklusive des Kaltlaufreglers. Tilo demontierte den Zylinderkopf, schliff die Ventile neu ein und prüfte den Zustand - tadellos, befand er. Den 38er-Weber-Vergaser, der zwischen den Zylinderbänken sitzt, überholte er und stellte ihn neu ein.

Teile wie die Ansaugbrücke oder Radaufhängung wurden gestrahlt und lackiert, der Auspuff stammt von einem Schlachtfahrzeug. Auf eine Edelstahlversion verzichtete der Ford Capri-Experte bewusst: "Die klingen anders als das Original." Atemlos vergingen neun Wochen und drei Tage, dann fuhr der Ford Capri wieder - direkt auf die Messe nach Stuttgart. Es war ein doppelter Erfolg, denn er kehrte mit dem Motor Klassik-Pokal "Bester Youngtimer" zurück. Fazit: "Die vielen Nachtschichten haben sich auf jeden Fall gelohnt."

Experten-Tipps Ford Capri II - "Die Capri II-Modelle sind wenig beliebt"

Der Capri II löste 1974 seinen Vorgänger ab. Mit strafferen Linien, einer großen (und überaus praktischen) Heckklappe setzte er sich optisch klar von der Ur- Capri-Serie ab, die Ford ab 1969 anbot. Nur recht selten tauchen heute Exemplare auf dem Markt auf; meist sind es Vierzylindermodelle. Als besonders interessant dagegen gelten die V6-Dreiliter-Capri und die 1600 GT-Version - beide sind umso rarer. Trotz ihrer Seltenheit sind selbst diese Modelle nicht teuer. "Hohe Preise werden innerhalb der Szene nicht bezahlt", sagt Tilo Rögelein, der sich seit nahezu 20 Jahren mit dem Thema Capri beschäftigt. Besonders bedauerlich sei die Ignoranz von Ford, findet er: Während andere Hersteller längst die Erhaltung ihrer einstigen Modellpalette fördern, unterstützt Ford die eigene Tradition so gut wie nicht.

Typische Schwachstellen des Ford Capri II

Rost gilt als größtes Capri-Manko. Unter ihm leiden alle typischen Bereiche wie Schweller, Kotflügel, Radläufe, Lampenkästen, Bodenbleche, hintere Blattfederaufnahmen sowie Seitentaschen zwischen Radlauf und hinterer Stoßstange. Hier hatte Ford Schaum als Dröhnschutz eingespritzt. Die Ghia-Modelle rosten gern unter den ihnen vorbehaltenen Teerdämmmatten an der Stirnwand. Es gibt einige Reparaturbleche für den Capri II, oft können auch Experten wie Tilo Rögelein mit gebrauchten Blechen weiterhelfen. Der Drei-Liter-V6, der so genannte Essex-Motor, bietet zwar Drehmoment, gilt aber als etwas schwach dimensioniert.

Foto

Hardy Mutschler

Datum

27. November 2012
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