Restaurierung: Lancia Beta Spider: Schrauben im Duett

Lancia Beta Spider, Motorhaube, Annette und Andreas Fessler

Andreas Fessler aus Hannover verwandelte einen maroden Lancia Beta Spider 2000ie in ein Schmuckstück. Bei der Restaurierung konnte er sich auf seine Gattin Annette verlassen, die tatkräftig mithalf.

Bloss nicht rot. Andreas wusste genau, was er suchte. Der Lancia-Fan hielt Ausschau nach einem Beta Spider, einem an sich schon recht seltenen Auto, doch für die besondere individuelle Note sollten bestimmte Ausstattungsdetails sorgen. Eine Klimaanlage und ein Interieur aus echtem Leder standen auf der Wunschliste. "Und er sollte nicht rot sein, denn das sind 90 Prozent aller Spider", sagt Andreas.

Seine Suche mündete zwangsläufig in einem US-Modell, denn nur die besaßen auch den gewünschten G-Kat, um die in der Umweltzone befindliche Garage ansteuern zu können. Seit über 20 Jahren schwärmt Andreas für die Marke Lancia und speziell die Beta-Baureihe. Damals zeigte ihm ein heutiger Arbeitskollege ein unter Gerümpel verborgenes Lancia Beta Coupé in einer Scheune. Dieser Anblick hatte Folgen. Der VW-Polo-Fahrer Andreas besorgte sich umgehend eine Klassik-Zeitschrift, in deren Kleinanzeigenteil er einen einzigen Beta fand. Und den kaufte er.

Erster Lancia Beta war ein klassischer Fehlkauf

"Ich hatte keine Ahnung und wusste eigentlich überhaupt nichts über diese Autos", erläutert er seinen ersten Fehlkauf. Aber er machte das Beste daraus und nutzte die in seiner Polo-Zeit gesammelten Schrauber-Erfahrungen, um dieses Fahrzeug, übrigens ein Lancia Beta Volumex Coupé, zu restaurieren. Nach und nach stieg Andreas tiefer in das Thema ein. Er wurde Mitglied in der Lancia Beta/Gamma IG, die mittlerweile Lancia IG heißt, und lachte sich einen Lancia nach dem anderen an.

Sein Herz verlor er aber an eine Frau namens Annette, und das war gut so. Denn Annette teilte seine Begeisterung für den Lancia Beta, wurde ebenfalls Clubmitglied und half gerne beim Schrauben. Ihr Lieblingsmodell in der Beta-Baureihe war der Spider. Drum freute sie sich ebenfalls, als Andreas bei Ebay fündig wurde. Der Lancia Beta Spider stand bei Bocholt und gehörte einem Privatier, der das Auto aus den USA importiert hatte - sozusagen als Lückenfüller in einem Container, weshalb er es verkaufen wollte.

Andreas sah sich den Wagen an. Hinter allen Positionen seiner Wunschliste konnte er einen Haken machen, und so schlug er zu. "Natürlich sah ich, dass an dem Auto viel zu tun war, aber es gab sonst keines mit dieser Ausstattung", rechtfertigt er den Kauf. Wenigstens brachte der Verkäufer ihm den Lancia Beta Spider nach Hause, und dort manövrierte Andreas die Neuerwerbung sofort in die Garage, um sie noch mal genau unter die Lupe zu nehmen. Einigermaßen beruhigt ging er zu Bett, doch im Verlauf der Restaurierung sollte dann doch noch das eine oder andere für Ärger sorgende Löchlein sichtbar werden, aber das ist ja nichts Neues.

Restaurierungsaufwand nach Zeitwert

Immerhin konnte Andreas bei der Restaurierung des Lancia Beta Spider auf den Luxus einer gebraucht erworbenen Hebebühne zurückgreifen, nachdem er bei früheren Aktionen dieser Art auf allen Vieren unter dem aufgebockten Wagen herumkriechen musste.

Neben diesen verbesserten Arbeitsbedingungen war für ihn noch etwas anderes besonders wichtig: "Ich wollte nicht mehr Geld in das Auto stecken, als es nachher wert ist." Daher musste er exakt kalkulieren, für welche Arbeiten und Teile er sein Budget belasten wollte. Der Motor des Lancia Beta Spider war laut Verkäufer bereits überholt worden, was Andreas nach der Begutachtung und einer kurzen Probefahrt bestätigt fand.

Da es nicht sein erster Lancia Beta war, konnte er einschätzen, wie ein gutes Triebwerk laufen musste. Daher verzichtete er darauf, den Vierzylinder-Doppelnockenwellen-Motor auszubauen und zu zerlegen, sondern gönnte ihm nur einen kleinen Service einschließlich Ölwechsel. Das sparte schon mal einiges an Geld.

Gefürchtet: Die Oberflächlichkeit der US-Autos

Die Demontage-Arbeiten und das Rostschleifen beziehungsweise Entfernen des Unterbodenschutzes an seinem Lancia Beta Spider erledigte er zusammen mit Annette. Bei der Inspektion der Karosse stieß Andreas immer wieder auf nachlässig beziehungsweise nicht fachgerecht reparierte Roststellen in Form aufgenieteter Bleche oder Glasfasermatten - typisch für viele aus den USA importierte Autos. "In Amerika scheint es nur darauf anzukommen, dass es oberflächlich gut aussieht", resümiert Andreas.

Selbstbewusst machte er sich daran, verrostete Bleche herauszutrennen und durch selbst angefertigte, neue zu ersetzen. Obwohl er von Beruf Systemberater in einem Unternehmen für Kommunikationssysteme ist, hat sich Andreas mit der Zeit auch ein gewisses Talent für solche Arbeiten erworben. Der Rost hatte hauptsächlich in den hinteren Radhäusern des Lancia Beta Spider gewütet. Aber auch eine Partie des Unterbodens musste er ersetzen.

Dazu klopfte Andreas ein Stück Blech über von ihm zurechtgeschnittene Holzleisten, die exakt der Sickenform im Bodenblech des Lancia Beta Spider entsprachen. Eine längere Zeit hielt ihn die Reparatur des Heckblechs in Atem, dessen unterer Bereich teilweise weggeschnitten war, um einen Doppelrohr-Sportauspuff montieren zu können. Diesen Auspuff ersetzte Andreas übrigens wieder durch einen Standard-Auspuff, den er allerdings für die Katalysator-Montage abändern musste.

Auf den Kat wollte er nicht verzichten, obwohl der Lancia Beta Spider während der Restaurierung seinen 30. Geburtstag feierte und somit dank H-Kennzeichen auch katlos in die Umweltzone fahren dürfte. An-, aber nicht durchgerostet präsentierte sich der Tank. Andreas entrostete ihn, in dem er kleine Steine einfüllte, das Behältnis an einer Trommel eines Betonmischers befestigte und dann rotieren ließ. Zum Versiegeln verwendete er Kreem weiß 2K. Die Lackierung der Lancia Beta Spider-Karosserie überliess er einem Profi. Doch die gesamten Vorarbeiten inklusive Grundierung übernahm er mit seiner Frau - unterstützt von jenem Arbeitskollegen, der ihn damals auf den Beta aufmerksam gemacht hatte.

Aus der Garage in den Hausflur

Auch der Lackierer schaute ab und zu vorbei und half mit nützlichen Tipps. "Dennoch brauchten wir viel mehr Zeit als gedacht", erinnert sich Andreas. Als der Lancia Beta Spider endlich lackiert und die Arbeit am Unterboden beendet war, wozu auch das Überholen der Radaufhängungen und Bremsen gehörte, ging es in großen Schritten dem Ende entgegen.

"Gehörigen Respekt hatte ich vor der Montage des Instrumentenbretts", weiß Andreas noch. Doch es klappte besser als gedacht. Da es in der Garage sehr eng zuging und im Winter nicht besonders warm war, schoben Annette und Andreas den Lancia Beta Spider kurzerhand in die grosszügige Diele ihres Hauses, wo sie die Frontscheibe, das Verdeck, die aufgearbeitete Inneneinrichtung und alle bereits zuvor gereinigten Anbauteile montierten - teilweise sogar mit Unterstützung ihrer neunjährigen Tochter.

Der Kauf neuer Rückleuchten für seinen Lancia Beta Spider hätte die Kalkulation von Andreas über den Haufen geworfen, doch er konnte diese spiderspezifischen und deshalb raren und teuren Teile durch ein Tauschgeschäft an Land ziehen. Viele andere Teile übernahm er von einem verunfallten Lancia Beta Coupé, das er noch besaß. Ach ja, etliche Merkmale des US-Spiders wie Meilentacho, Seitenleuchten und die dicken Stoßstangen hat er umgerüstet, wobei er zur Befestigung der Euro-Stoßstangen spezielle Adapterplatten herstellen musste.

Nach zwei Jahren intensiver Arbeit war der problemlos erteilte TÜV-Stempel der krönende Abschluss. Die Fesslers freuen sich nun über ihren besonderen Lancia Beta Spider, der, wie erwähnt, nicht rot ist sondern azzurro metallizzato. Das klingt auch schöner als rosso.

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Bernd Woytal

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