IAA 1967: Neue Themen, neue Technik

Renault, R4, IAA 1967

Bei der IAA 1967 ist der NSU Ro 80 einer der Höhepunkte: Er ist ein Meilenstein im Automobildesign, und mit seinem Zweischeiben-Wankelmotor ein Technologieträger. Einige Zeitgenossen tun sich damals noch schwer mit der Technik, doch viele Hersteller werden schnell zu Lizenznehmern.

NSU weist darauf hin, dass der Ro 80 nicht nach modischen Aspekten entwickelt wurde. Vielmehr hat sich das Äußere streng nach der revolutionären technischen Konzeption ergeben. Und außerdem wolle man nicht so bald das Design verändern und habe sich so nicht an den aktuellen modischen Tendenzen orientiert. Aus heutiger Sicht: Chapeau - das haben sie geschafft. Noch immer kann sich der Ro 80 sehen lassen, sein Design verdient das Attribut zeitlos.

Sicherheit wird zum großen Thema

In den USA treten neue Sicherheitsbestimmungen in Kraft. Damit sind auch international die Hersteller gefordert, ihre Autos zu überarbeiten und bei Neuentwicklungen dem Sicherheitsaspekt mehr Gewicht zu geben, um auf dem so wichtigen Markt im Spiel zu bleiben. Und die Hersteller agieren intelligent - aus dem Druck des nordamerikanischen Marktes werden einfach neue Verkaufsargumente. Allerdings werden auch meist nur die geforderten Veränderungen vorgenommen. So kommt es, dass auch weiterhin die Mehrheit der Autos mit Windschutzscheiben aus Einschichtglas über die Straßen fahren. Rühmliche Ausnahme ist Mercedes. Hier wird schon länger in die Sicherheit investiert und eigene Sicherheitstests durchgeführt.

Ähnlich verhält es sich es bei der Technik, auch hier geben die US-Bestimmungen die Entwicklungen vor. Bosch bringt ein elektronisch gesteuertes Einspritzsystem in Rekordzeit zur Serienreife. Auch hier sind die Erfordernisse des nordamerikanischen Marktes ausschlaggebend - die VW-Motoren würden ohne die Einspritzung nicht die strengen Abgasrichtlinien erfüllen.

Heute die gleichen Probleme wie vor 40 Jahren

Bosch stellte neue Elektromotoren vor, die in ihrer Leistung Verbrennungsmotoren nicht nachstehen. Die Vorteile sind schon damals klar: leiser, wartungs-unempfindlicher, weniger Platzbedarf. Zudem bietet Bosch mit der Impulssteuerung die Möglichkeit, ohne Energieverlust die Drehzahl und Geschwindigkeit stufenlos zu regeln.

auto motor und sport formuliert allerdings den Haken: "Wie soll man die elektrische Energie 'mitnehmen'? Die Kleinarbeit, die für die Verwirklichung leistungsfähigerer und leichterer Batterien nötig ist, bereitet ähnliche Schwierigkeiten wie die Entwicklung von Brennstoffzellen. So verlockend die Gedanken sind, an der Parkuhr Strom zu 'tanken' oder Kraftstoff unmittelbar in elektrische Energie umzuwandeln - morgen und übermorgen wird daraus noch nichts." An den Herausforderungen und Anforderungen an die Batterietechnik hat sich in den letzten Jahrzehnten fast nichts verändert.

Der neue BMW von Glas und der Abschied vom Zweitakter

Ein Jahr zuvor hat BMW für 9,1 Millionen Mark die Glas Automobilwerke übernommen. Nun werden die Glas-Modelle auf BMW getrimmt. Aus dem 1700 GT macht man mit dem neuen Motor des BMW1600 ti den BMW 1600 GT, aus dem großen Glas 2600 V8 den BMW 3000 V8. Der Enkel des Firmengründers, Hans Glas, sollte bis zu seiner Pensionierung 2004 Werksleiter des BMW-Werkes in Dingolfing bleiben.

Die Auto Union erkennt, dass der Zweitakter keine Zukunft mehr in Deutschland hat und präsentiert in Frankfurt nur Viertakter: Auto Union Audi, Audi 80 und Audi Super 90. auto motor und sport meint: "Die Marktposition des Audi jedoch ist zweifellos ausbaufähig – mit einem Auto, das größer, komfortabler, aber nicht allzu teuer ist." - Es sollte nur ein Jahr dauern, bis der Audi 100 auf dem Markt erschien.

Neue Materialien und Usability - schon 1967 ein Thema

Sie heißt damals noch Bedienungserleichterung und bezieht sich vor allem auf automatische Getriebe. Nahezu jeder Hersteller hat nun seine Modelle auch mit automatischem oder zumindest halbautomatischem Getriebe im Programm.

Die neuen Spaßmobile wie Buggy, der Fiberfab oder der Delta von Metzeler kommen mit Kunstoffkarosserien und zeigen den Fortschritt in der Verarbeitung des im Automobilbau relativ neuen Materials. Bei dem Delta I besteht die selbsttragende Karosserie komplett aus Kunststoff, während viele andere Hersteller ihre "Hauben" auf die einfache und günstige Bodengruppe des Käfer schrauben oder laminieren.

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Kai Klauder

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