Dodge Li'l Red Express Truck (1979)

Dieser Pickup-Truck war 1978 das schnellste US-Car

Nein, diesen Pickup hatte kein Tuner auf der Bühne, den hat Dodge 1978 wirklich so gebaut. Der Dodge Li’l Red Express war Amerikas erster Performance-Truck.

Dodge Li'l Red Express Truck (1979) Foto: Sven Wedemeyer 20 Bilder

Dieser Pickup-Truck ist 1978 das schnellste amerikanische Auto auf dem Markt. Zumindest dann, wenn das Rennen nach einer Viertelmeile endet. In 14,7 Sekunden schafft der Dodge Li’l Red Express Truck diesen Sprint in den Messungen der Zeitschrift "Hot Rod" für die Novemberausgabe 1977. Zugegeben, Dodge stellt den Redakteuren damals ein Vorserien-Auto zur Verfügung, aber selbst der Serien-Truck schafft die Viertelmeile in 15,7 Sekunden, und das ist schneller als ein Chevrolet Camaro Z28 (16,3 s), schneller als ein Pontiac Firebird Trans Am (16 s) und sogar schneller als eine Corvette C3 (15,8 s) aus diesem Jahr. Doch spätestens, wenn der Dodge mit circa 190 km/h seine Spitzengeschwindigkeit erreicht, ziehen die anderen wieder an ihm vorbei.

Dodge Li'l Red Express Truck (1979) Foto: Sven Wedemeyer

Den Dodge Li'l Red Express gab es ausschließlich in rot. 

Dennoch imponierte, was Dodge da gebaut hatte. Ein derart aufgepumptes Nutzfahrzeug hatte Amerika bis dato nicht gesehen. Als hätte sich ein kleiner Junge gewünscht, dass sein Matchbox-Auto über Nacht auf Lebensgröße wächst. Tatsächlich entsteht der "Kleine rote Express-Truck" im Zuge der Adult-Toys-Serie, die Dodge ab 1977 herausbringt und bei der jedes Modell aus der Nutzfahrzeug-Sparte mit knalligen Lackierungen, martialischen Namen und Tuning ab Werk um Kunden buhlt. Sie werden als "Macho Power Wagon", "Warlock", "Street Van" und "Macho 4x4 Ramcharger" verkauft. Der Li’l Red Express markiert die Leistungsspitze unter diesen Spielzeugen für Erwachsene.


Die Basis bildet ein D150-Pickup. Unter der bulligen Haube installierte der Chrysler-Ingenieur und Kopf hinter dem Muscle-Truck, Tom Hoover, einen 5,9-Liter-V8 der LA-Serie in der Polizei-Ausführung. Diese hatte bereits unter anderem geänderte Zylinderköpfe, schärfere Nockenwellen, einen Thermo-Quad-Vierfachvergaser und eine geänderte Ansaugbrücke. Hoover verpasste dem Motor noch die Kurbelwelle eines 1968er LA-340-V8 sowie einen Luftfilterkasten, der über zwei Schläuche Frischluft unter den Standlichtern im Kühlergrill einfängt.

Dodge Li'l Red Express Truck (1979) Foto: Sven Wedemeyer

228 PS holt der V8 aus Chryslers LA-Serie aus 5,9 Litern Hubraum.

Mut zur Lücke

Ergebnis der Kraftkur: 228 PS und 400 Nm Drehmoment, die eigentlich wegen Emissions-Gesetzen ein Stück weit durch einen Katalysator hätten gebändigt werden müssen. Doch Hoover findet eine Lücke in den Regularien und verpasst dem Li’l Red Express stabilere Blattfedern an der Hinterachse, wodurch sein zulässiges Gesamtgewicht auf über 6000 Pfund geschlüsselt werden kann, was ihn als Truck zumindest 1978 von der Kat-Pflicht befreit. 1979 schließt die EPA (Environmental Protection Agency) dieses Schlupfloch. Peter Pfaffs 1979er-Exemplar auf unseren Fotos – erkennbar an den rechteckigen Lampen im Grill, der 78er besitzt runde – ist also mit einem Katalysator ausgerüstet. Trotzdem begrüßt uns der 5,9-Liter-Chrysler-V8 mit einem kräftigen Röhren aus den beiden stehenden Auspuffrohren hinter der Kabine, als wir den winzigen Zündschlüssel im Zündschloss drehen. Ein grandioser V8-Sound, der nichts von seinem Muscle-Car-Charme verloren hat.

Dodge Li'l Red Express Truck (1979) Foto: Sven Wedemeyer

Insgesamt wurden nur 7306 Exemplare gebaut.

Mit dem Wählhebel hinter dem Lenkrad lässt sich die Fahrstufe D einstellen, und ein Ruck geht durch den Truck, als das Dreistufen-A727-LoadFlite-Automatikgetriebe den Kraftschluss herstellt. Dieses ließ Dodge übrigens unangetastet. Hierbei handelt es sich um die auf Pickups ausgelegte A727-TorqueFlite-Automatik, die auch im Dodge D150 die Übersetzung sortiert. Willig sprintet der leuchtend rote Truck nach vorne, als der Fuß schwerer auf dem Gaspedal lastet und der Vierfachvergaser mit Sprit geflutet wird. Ein Antritt, den man so nur von anderen Muscle-Cars kennt, begleitet von einem rauen, dröhnenden Klang, der wie heißes Wachs die Ohren ausfüllt – die pure Dramatik. Die Hände umklammern das Dreispeichen-Sportlenkrad, das streng genommen zum 78er-Modelljahr gehört, und der Fahrtwind pfeift durch die Seitenfenster in die Kabine. Wer da kein Kribbeln im Bauch verspürt und die Mundwinkel nicht bis hinter die Ohren hochzieht, hat das Autofahren nie geliebt.

Dodge Li'l Red Express Truck (1979) Foto: Sven Wedemeyer

Das Bett besteht aus echtem Eichenholz.

Die starre Hinterachse samt Sperrdifferenzial und der straffen Blattfedern hoppelt fröhlich hinterher. Nein, als waschechter Pickup ist der Li’l Red Express sicherlich kein Komfort-Wunder. Immerhin, wer die mit schwarzem Vinyl bezogenen Einzelsitze orderte, konnte diese manuell verstellen, was für Pickups eher unüblich war. Sonst ist der beinahe comichaft anmutende Laster aber ebenso spartanisch ausgestattet wie seine Nutzfahrzeug-Brüder. Selbst eine Klimaanlage, für einen Ami eigentlich so wichtig wie die vier Reifen, sucht man hier vergebens – zu schwer für gute Performance auf dem Drag-Strip.

Heute muss der Li’l Red Express nichts mehr beweisen, denn wenn wir ehrlich sind, hat jeder moderne Sprinter mit 170-PS-Diesel gefühlt mehr Punch als dieser 79er-Muscle-Truck. Aber er schafft es sicherlich nicht, aus einer schnöden Lieferfahrt ein unvergessliches, emotionales Erlebnis zu machen, so wie es der Dodge Li’l Red Express vermag.

Technische Daten des Dodge Li'l Red Express (1979)

Motor Typ LA 360 EH1, wassergekühlter V8-Motor (90°), vorn längs, Bohrung x Hub 101,6 × 90,9 mm, Hubraum 5898 cm³, Leistung 228 PS bei 3800/min, Drehmoment 400 Nm bei 3200/min, Verdichtung 8,2 : 1, zwei Ventile pro Zylinder, betätigt über eine zentrale, kettengetriebene Nockenwelle, hydraulische Ventilstößel und Kipphebel, Motorblock und Zylinderköpfe aus Grauguss, fünf Kurbelwellenlager, ein Vierfachvergaser Thermo Quad 850 CFM, Ölinhalt Motor 4,7 l

Kraftübertragung Dreistufen-Automatikgetriebe A727 LoadFlite, Hinterradantrieb, Sperrdifferenzial

Karosserie und Fahrwerk Stahlblechkarosserie auf Kastenrahmen mit Traversen, vorn Federbeine mit oberen und unteren Querlenkern, Zugstreben und Kurvenstabilisator, hinten Starrachse mit halbelliptischen Blattfedern, Längslenkern, rundum Teleskopstoßdämpfer, Servo-Zahnstangenlenkung, Scheibenbremsen vorn, Trommelbremsen hinten, Felgen 8J, Reifen 275/60 R15

Masse und Gewichte Radstand 2921 mm, Spur 1580/1625 mm, Länge × Breite × Höhe 5176 × 1940 × 1500 mm, Gewicht 1792 kg, Tank 76 l

Fahrleistungen und Verbrauch Vmax 190 km/h, 0–100 km/h in 6,8 s, Verbrauch 18 l/100 km

Bauzeit und Stückzahl 1978 bis 1979, 2188 Exemplare des Modelljahrs 1978, 5118 Exemplare des Modelljahrs 1979

Dodge Li'l Red Express Truck (1979) Foto: Sven Wedemeyer

in 6,8 Sekunden sprintet der Performance-Truck auf Tempo 100.

Karosserie-Check

Die typischen Schwachstellen an Karosserie und Rahmen teilt sich der Li’l Red Express mit seinen Pickup-Brüdern aus der Dodge-D-Serie. Daher sollten immer der Rahmen mit den Aufhängungspunkten der Karosserie, die Radläufe und Türunterkanten nach Rost abgesucht werden. Außerdem rostet der Truck mitunter am Scheibenrahmen der Windschutzscheibe unter der Regenrinne. Außerdem sollte die Holzverkleidung der Ladefläche in vernünftigem Zustand sein. Zwar gibt es diese sogar noch original zu kaufen, sie kostet aber ein kleines Vermögen. Ähnliches gilt für die vielen Chromteile wie den Kühlergrill, die stehenden Auspuff-Rohre und die Western-Five-Slot-Felgen.

Technik-Check

Da der EH1 auf der Polizeiversion des 5,9-Liter-Chrysler-LA-V8 basiert, ist er noch eine Spur robuster ausgelegt als die herkömmlichen LA-Motoren und erreicht regelmäßig gewartet hohe Laufleistungen. Ebenso die 727-LoadFlite-Automatik, die auf den Einsatz in schweren Pickups ausgelegt ist. Öl-Leckagen aufgrund von porösen Dichtungen können vorkommen. Der originale Thermal-Quad-Vergaser gilt allerdings als störanfällig, weshalb viele Besitzer auf Edelbrock-Vergaser umrüsten. Wichtig ist, dass der originale Luftfilterkasten mit den beiden Schläuchen zu den Lufteinlässen an den Parklichtern vorhanden ist. Gealterte Elektrik macht sich am Scheinwerfer-Relais bemerkbar.

Preise

Classic-Analytics-Preis 2025 (Zustand 2/4): 34.500 / 9.700 Euro

Ersatzteile

Zwar hat Dodge eine Menge Mopar-Großserienteile verbaut, die noch heute problemlos aufzutreiben sind, aber es wurden auch einige Spezial-Komponenten verwendet. Um diese zu identifizieren und zu besorgen, ist der Kontakt zur internationalen Szene hilfreich.

Schwachpunkte

  1. Kastenrahmen
  2. Radläufe
  3. Türunterkanten
  4. Windschutzscheibenrahmen
  5. Chromschmuck
  6. Holz auf der Ladefläche
  7. Vergaser
  8. Scheinwerfer-Relais
  9. verschlissenes Interieur
  10. Originalität
Dodge Li'l Red Express Truck (1979)

Wertungen

Alltagstauglichkeit
Ersatzteillage
Reparaturfreundlichkeit
Unterhaltskosten
Verfügbarkeit
Nachfrage