Saab 9-3 Cabrio 2.0T Aero, YS3F (2009)

Viersitzer-Cabrio mit 240 PS im Fahrbericht

Viersitzige Cabrios bilden die perfekte Balance zwischen Fahrspaß und Alltagstauglichkeit. Anfang der 2000er hatte man in diesem Segment die Qual der Wahl. Saab spielte mit ihrem 9-3 ganz vorn in diesem Segment mit. Und wenn man ihn mit Aero-Paket und Hirsch Performance wird aus dem biederen Auto des Oberstudienrats ein richtiger Kurvenräuber.

Saab 9-3 Convertible 2.0T Aero „Performance by Hirsch“, Typ YS3F (2009) Foto: Sven Wedemeyer 18 Bilder

Dreißig Grad Celsius. Die Sonne steht hoch am Himmel. Wie ein Föhn bläst mir warmer Wind in den Nacken, als ich an einem Juninachmittag am Steuer des Saab 9-3 Cabrio in Kristallsilber-Metallic über die Landstraßen nahe Münster segle.

Straff liegt das Cabrio auf der Straße, die Reifen auf den nachgerüsteten 18-Zoll-Saab-Felgen krallen sich in den aufgeheizten Asphalt. Neben mir lehnt sich der Eigentümer des offenen Schweden zurück: Günter Vinke. "Da werde ich mir aber etwas von meiner Tochter anhören müssen, wenn ich dich den 9-3 fahren lasse, aber meine Tochter bisher noch nicht hinter das Steuer durfte", sagt er und grinst.

Nicht verwunderlich, dass Günter sein Cabrio hütet. Der Saab befindet sich in einem nahezu makellosen Zustand. Kein Kratzer im Lack, kein verschlissener Knopf, kein durchgesessenes Leder. Der Innenraum wirkt, als hätte er erst gestern das Werk verlassen. Statt Neuwagenduft umgibt uns Sommerluft und Sonnencreme, während wir die Landstraße entlanggleiten.

Saab 9-3 Convertible 2.0T Aero „Performance by Hirsch“, Typ YS3F (2009) Foto: Sven Wedemeyer

Der Zweiliter-Turbo-Vierzylinder wurde von Hirsch auf 243 PS aufgeblasen

Der Motor ist ein alter Bekannter aus dem Vectra

Der Zweiliter-Turbo-Vierzylinder wirkt willig, besonders oberhalb von 2.000/min. Dann baut sich Druck auf, der Turbo pfeift hörbar, und der 9-3 wirkt plötzlich lange nicht mehr so gelassen, wie er aussieht. Das Beschleunigen kitzelt im Bauch. Es ist ein leichtfüßiges, überraschend lebendiges Fahrgefühl.

Von außen wirkt der "Troll", wie Fans ihn in Anspielung auf Trollhättan nennen, dagegen recht solide: hochgezogenes Heck, klarer Kühlergrill, kräftige Silhouette. Verantwortlich dafür ist der Designer Simon Padian, der die Saab-Linie in die 2000er übersetzte – ohne sie zu verwässern.

Und natürlich spielt auch die Technik ihre Rolle. Der B207R-Motor im 2.0T leistet 210 PS, wer mehr wollte, bestellte das ab Werk eintragungsfähige Hirsch-Software-Upgrade und hielt dann 243 PS in den Papieren. Darüber rangierte nur noch der 2,8-Liter-V6-Turbo mit bis zu 280 PS – im Cabrio heute selten, weil viele im engen Motorraum thermisch überfordert wurden. Der 2.0T ist also nicht nur die vernünftigere, sondern oft auch die langlebigere Wahl.

Saab 9-3 Convertible 2.0T Aero „Performance by Hirsch“, Typ YS3F (2009) Foto: Sven Wedemeyer

Das hohe Heck ist typisch für Saab-Design.

Nüchternes Design, hohes Sicherheitsgefühl

Im Innenraum sitzen wir tief und gut gestützt in schwarzen Ledersitzen mit hohen Wangen. Die hohe Schulterlinie vermittelt angenehme Geborgenheit, der Fahrtwind bleibt draußen, die Sonne kommt trotzdem rein. Und langsam stellt sich ein Gefühl ein, das man heute nicht mehr oft erlebt: Man fährt nicht, um irgendwo anzukommen. Man fährt einfach.

Saab bot in seiner besten Zeit etwas, das man kaum bewusst wahrnahm: Gelassenheit, ohne träge zu sein. Komfort, ohne weich zu wirken. Eine Art inneren Dialog zwischen Fahrer und Maschine, der nicht erklärt werden muss.

Nach einer Weile rollen wir wieder hinein nach Münster. Der Motor tickt leise im Ausklingen, der Duft des warmen Leders mischt sich mit Abendluft. Der Saab wirkt, als könne er das ewig so weitermachen.

Und man versteht plötzlich, warum Saab-Fahrer ihre Autos nicht einfach "besitzen". Sie bewahren sie.

Saab 9-3 Convertible 2.0T Aero „Performance by Hirsch“, Typ YS3F (2009) Foto: Sven Wedemeyer

Der Saab durchzieht kurven Straff, ohne je die Contenance zu verlieren.

Technische Daten: Saab 9-3 Convertible 2.0T Aero "Performance by Hirsch" (2009)

Motor: Typ Ecotec B207R, wassergekühlter Vierzylinder-Reihenmotor, vorn quer eingebaut, Bohrung × Hub 86 × 86 mm, Hubraum 1998 cm³, Leistung 243 PS bei 5500/min, maximales Drehmoment 350 Nm bei 2500/min, Verdichtung 9,5 : 1, vier Ventile pro Zylinder in V-Anordnung, betätigt über zwei obenliegende kettengetriebene Nockenwellen und hydraulische Tassenstößel, Motorblock und Zylinderkopf aus Leichtmetall, fünf Kurbelwellenlager, elektronische Benzineinspritzung Siemens, Saab Trionic 8 Motormanagement, ein Turbolader, Ladeluftkühler, Ölinhalt 6,75 Liter,

Kraftübertragung: Sechsgang-Schaltgetriebe oder Fünfstufen-Automatik Aisin AF33, Vorderradantrieb,

Karosserie und Fahrwerk: Selbsttragende Stahlblechkarosserie, vorn Federbeine an unteren Dreiecksquerlenkern, hinten Mehrlenkerachse mit Quer- und Längslenkern, rundum Stabilisatoren, Schraubenfedern, Teleskopstoßdämpfer, servounterstützte Zahnstangenlenkung, Vierrad-Scheibenbremsen, ABS, ESP, Felgen 7J × 17, Reifen 235/45 R 17,

Maße und Gewicht: Radstand 2.675 mm, Spur vorn/hinten 1.524/1.506 mm, Länge × Breite × Höhe 4.647 × 1.780 × 1.450 mm, Leergewicht 1.675 kg, Tankinhalt 62 Liter,

Fahrleistungen und Verbrauch: Höchstgeschwindigkeit 245 km/h, Beschleunigung 0–100 km/h in 7,1 s, Verbrauch 10,7 l/100 km,

Bauzeit und Stückzahl: Saab 9-3 II 2002 bis 2011, 577.667 Exemplare

Saab 9-3 Convertible 2.0T Aero „Performance by Hirsch“, Typ YS3F (2009) Foto: Sven Wedemeyer

Wie es sich für einen Saab gehört, hat auch der 9-3 das Zündschloss in der Mittelkonsole.

Karosserie-Check

Auch wenn man es bei den Schweden anders vermuten mag, die Rostvorsorge ist beim 9-3 der zweiten Serie nicht makellos. So tritt Korrosion vor allem an den vorderen Kotflügeln und den hinteren Radläufen auf. Beim Cabrio sollte man regelmäßig den Verdeckkasten säubern. Verstopfte Ablaufrinnen sorgen hier sonst für blühenden Rost. Die originalen Verdecke sind von guter Qualität und wintertauglich. Sollte die Stoffmütze dennoch mal ausgetauscht werden müssen, schlägt dies mit mindestens 1400 Euro zu Buche.

Technik-Check

Die Zweilitermotoren sind die beste Wahl beim 9-3. Sie erreichen bei guter Pflege hohe Laufleistungen. Auch die Turbos sind unauffällig. Der 2,8-Liter-V6 leidet unter Hitzestau im engen Motorraum, was zu Motorschäden führen kann. Die T8-Motorsteuergeräte sterben ebenfalls häufig den Hitzetod, weshalb ein Nachrüstkit für den Hitzeschutz empfohlen wird – Ersatz gibt es nicht mehr. Unter Umständen fallen die elektronischen Zündschlösser aus.

Preise

Bei Einführung  (Saab 9-3 Cabrio 2.0T Vector) :
39.200 Euro

Ersatzteile

Noch bekommt man Ersatzteile recht gut. Ein Vorteil sind zudem viele Gleichteile mit der Limousine, dem Kombi und Opel-Modellen. Für Zier- und Interieurteile muss man sich dagegen auf dem Gebrauchtmarkt, bei Foren und Clubs oder in den Niederlanden umsehen. Dort gibt es noch einige Spezialisten mit vollen Lagern.

Schwachpunkte

  1. Rost an vorderen Kotflügeln
  2. Rost an hinteren Radläufen
  3. Rost im Verdeckkasten
  4. Federbrüche Hinterachse
  5. Hitzeprobleme (V6)
  6. AGR, Drallklappen (Diesel)
  7. T8-Steuergerät
  8. elektronisches Zündschloss
  9. Softlack im Innenraum
  10. verschlissene Verdecke
Saab 9-3 Convertible 2.0T Aero „Performance by Hirsch“, Typ YS3F (2009)

Wertungen

Alltagstauglichkeit
Ersatzteillage
Reparaturfreundlichkeit
Unterhaltskosten
Verfügbarkeit
Nachfrage