Mercedes-Benz 560 SEL 6.0 AMG in der Auktion

140.000 Dollar trotz einiger Fragezeichen

Weitgereister Tuning-Luxus aus Affalterbach: Auf einer Auktionsplattform bot sich die Gelegenheit, einen seltenen Mercedes 560 SEL 6.0 AMG zu ersteigern.

1991 Mercedes-Benz 560 SEL 6.0 AMG Foto: The MB Market / StarPeopleWorld 22 Bilder

Bei Autos ist es hin und wieder wie beim Menschen: Manchmal muss man erst die Welt kennenlernen, um schließlich den Platz zu finden, an dem man sesshaft wird und den man dann als Heimat bezeichnet. Als Beispiel sei dieser Mercedes 560 SEL 6.0 AMG des Modelljahres 1991 angeführt: Geboren im Schwäbischen, reiste er um die halbe Welt nach Japan, um dort zum Tuning-Klassiker zu reifen. 2018 ging es für die AMG-S-Klasse in den US-Bundesstaat Florida, wo sie kürzlich zur Auktion angeboten wurde.

Dieser W126 mit langer Karosserie ist ein spätes Exemplar, das von den Affalterbachern vom Serien-560er zum 6.0 AMG umgebaut wurde; der W140er mit mächtigem V12-Motor stand bereits in den Startlöchern. Wie gehabt verpasste der Tuner dem ab Werk 300 PS starken 5,5-Liter-V8-Zweiventiler seine Vierventil-Zylinderköpfe und neue Nockenwellen. Damit erreichte der Tuner bis zu 385 PS und ein maximales Drehmoment von maximal 566 Newtonmetern, sofern kein Katalysator installiert war. Die Kosten allein für das Motor-Tuning? Knapp 60.000 Mark.

Mit Katalysator und Sperrdifferenzial

Allerdings deuten die Unterboden-Bilder und das Foto eines im Werk angebrachten Aufklebers stark darauf hin, dass es sich hier um die spürbar gezähmte Katalysator-Version handelt. Deren Daten lauten eigentlich 330 PS und maximal 482 Newtonmeter, wobei der Sticker von 276 kW (375 PS) berichtet. Doch egal, ob mit oder ohne Abgasreinigung: AMG übernahm bei seiner Sechsliter-Version die originale Viergang-Automatik vom Basis-560er, installierte an der Hinterachse aber ein traktionsförderndes Torsen-Sperrdifferenzial. Zudem zeigt sich der hintere Hilfsrahmen verstärkt. Die Auspuffendrohre tragen das AMG-Logo.

Das angebotene Auto zeigt sich im typischen AMG-Chic der damaligen Zeit. Vorne und hinten präsentiert der W126 stärker ausgeformte Stoßfänger, seitlich sind die passenden Schwellerleisten zu sehen und das Heck krönt der Abrisskanten-Spoiler mit eingeprägtem AMG-Schriftzug. Hinzu kommen die dreiteiligen AMG Aero III-Räder mit silbern lackierter Oberfläche und polierten Felgenrändern. Sie sind vorne wie hinten mit neuen Reifen der Marke Nexen in den Dimensionen 235/45 und 275/40 bezogen. Seine ursprüngliche Farbe, ein glänzendes Schwarz, trägt der Mercedes 560 SEL 6.0 AMG jedoch nicht mehr. In seiner Zeit in Japan wurde er auf den Farbton Astralsilber umlackiert.

Mit Holztischen im Fond

Der Innenraum ist großflächig in schwarzes Leder gehüllt. Das von Mercedes ab Werk verbaute Wurzelholz hat AMG an weiteren Stellen ergänzt, etwa am Automatik-Wählhebel und an den Türen. Hinzu kommen die Klapptische und beheizbare Sitze im Fond, die diese S-Klasse zur schnellen Chauffeurslimousine machen. Wie schnell es bisweilen zugeht, zeigt der Tacho mit 300-km/h-Skalierung an, der hinter dem Momo-Vierspeichen-Lenkrad mit AMG-Logo sitzt. Die Ausstattung umfasst unter anderem einen Tempomat, ein elektrisches Schiebedach und eine Klimaautomatik.

Ein reines Sammlerauto ist dieser Mercedes 560 SEL 6.0 AMG übrigens nicht. Der Tacho zeigt 72.945 Kilometer, und auch der an einigen Stellen angeschrammte und nicht überall komplett rostfreie Unterboden zeugt davon, dass diese Limousine nicht nur in der klimatisierten Garage stand. Die letzte Inspektion gab es im vergangenen Jahr. Dabei wurden alle Flüssigkeiten getauscht und die Bremsanlage auf Vordermann gebracht. Unfälle sind seit dem US-Import nicht bekannt.