Er fuhr 201 km/h trotz nur 115 PS
Opel Kadett GSi und sein Aero-Trick
201 km/h Spitze in der Kompaktklasse, aber mit nur 115 PS: 1984 sorgte der Opel Kadett GSi für Aufsehen. Entscheidend war nicht nur der Motor, sondern ein damals radikales Aerodynamik-Konzept.
22.08.2026 Redaktion auto motor und sport
Foto: Wolfgang Wilhelm
Opel setzte beim Kadett E früh auf Aerodynamik, also geringen Luftwiderstand. Mit einem cW-Wert von 0,30 schnitt der Kadett die Luft deutlich sauberer als viele kantige Rivalen. Das senkte den Verbrauch und half bei der Endgeschwindigkeit.
Im Test lag die Höchstgeschwindigkeit bei 201 km/h, Opel nannte 203 km/h. Auffällig war laut Bericht nicht nur der Topwert, sondern wie leicht er erreicht wurde. Eine kurz gewählte Gesamtübersetzung half dabei, auch oben heraus noch zügig zu beschleunigen.
Die Kehrseite zeigte sich bei der Drehzahl: Schon an leichtem Gefälle kletterte sie über 6.500/min und damit in den roten Bereich. Der Motor galt als drehfreudig, aber das hohe Drehzahlniveau konnte auf Dauer nerven. Ein längerer fünfter Gang hätte den Gewissensbiss vieler Fahrer wohl gemindert.
Motorbild und echte Fahrleistungen
Der Vierzylinder reagierte spontan auf Gasbefehle und drehte spielerisch über 6.000/min. Bis etwa 4.500/min blieb er angenehm leise, darüber wurde der Brummton präsenter. Weil Windgeräusche dank der Form kaum auffielen, trat der Motor akustisch umso stärker in den Vordergrund.
Beim Sprint blieb der Kadett GSi hinter der Werksangabe: Statt 9,0 Sekunden von 0 auf 100 km/h standen 9,9 Sekunden im Test. Das ist kein Klassenprimus-Statement, aber immer noch klar "temperamentvoll" für einen damaligen Hot Hatch, also einen sportlichen Kompaktwagen. Die Stärke lag weniger im einen Messwert als im durchzugsstarken Gesamteindruck.
Auch beim Verbrauch zeigte sich der Nutzen der Aerodynamik. Unter neun Litern auf 100 km waren laut Bericht problemlos möglich, mehr als zwölf Liter verlangten schon einen ausgeprägten Bleifuß. Im Testmittel standen 9,7 L/100 km, damit gehörte der Kadett zu den Sparsameren seiner Klasse.
Alltag und Preis als Stolpersteine
Die strömungsgünstige Karosserie brachte Nachteile im Alltag. Das hohe Heck mit großem Spoiler verschlechterte die Sicht nach hinten spürbar. Dazu kam laut Bericht eine Neigung zur Innenraum-Aufheizung, weil Front- und Heckscheibe flach standen.
Im Cockpit sollte ein digitales Instrumenten-Layout beeindrucken, das "Mäusekino" mit Flüssigkristall-Anzeigen. Gerade die kleinen Anzeigen für Wassertemperatur, Tankinhalt, Öldruck und Spannung waren schlecht zuzuordnen, zudem litt die Ablesbarkeit bei schwacher Beleuchtung.
Fahrdynamisch gab sich der Kadett GSi sehr gutmütig, also leicht beherrschbar am Limit. Das Fahrverhalten blieb nahezu neutral mit leichter Untersteuer-Tendenz, Lastwechsel brachten das Heck kaum aus der Ruhe. Ganz am Ende scheiterte der "Golf-Killer"-Anspruch jedoch auch am Preisschild: Der GSi kostete sogar etwas mehr als ein Golf GTI.