60 Jahre Toyota Corolla
Was den Corolla zum Bestseller macht
Drei Toyota Corolla aus 57 Millionen und eine Frage: Was ist das Besondere am Bestseller? Wir suchen mit AE86, E30 und 60th Sondermodell nach einer Antwort.
30.10.2026 Andreas Of-Allinger
Foto: Noël van Bilsen
12 Bilder
Oft genug sind es die unauffälligen, braven Dinge, die uns lange begleiten und genau deswegen ans Herz wachsen. Nehmen wir als Beispiel einen Toyota Corolla. Die Zuverlässigkeit eines Toyota ist sprichwörtlich, und sie gilt auch für den Corolla. Doch kaum jemand wird sich mit Herzklopfen für diesen japanischen Kompakten entschieden und seine Auslieferung in fiebernder Erwartung herbeigesehnt haben. Man hat ihn gefahren, Alltag und Urlaube damit verbracht und irgendwann das nächste Auto gekauft. Bis einem auffällt, dass Autos wie der brave Alltagsbegleiter aus den 90er-Jahren schon lange aus dem Straßenbild verschwunden sind. Wann haben Sie zuletzt einen alten Corolla im Verkehr entdeckt?
Ausfahrt mit drei Corolla-Generationen
Wir haben uns mit drei Corolla auf Spurensuche begeben: ein E30 der dritten Generation, ein AE 86 der fünften Generation und ein aktuelles 60th-Sondermodell. Die dritte Generation (1974 bis 1979) ist die letzte mit einer Blattfeder-Hinterachse, jedoch nicht die letzte mit Hinterradantrieb: 1979 bekam der Kompakte eine Schraubenfeder-Hinterachse.
Die fünfte Generation erschien 1983 mit modernem Kompaktwagen-Layout: Quermotor, Frontantrieb. Eine Ausnahme machten jedoch die sportlichen Coupés (AE 86), die weiterhin mit Längsmotor und Hinterradantrieb unterwegs waren. Doch dazu kommen wir noch.
E30/E50: So fährt der Corolla der 70er
Zunächst ist der E30 dran: Chromstoßstangen, Vinyldach und knallgelber Lack – diese Corolla-Generation stammt ganz klar aus den 70er-Jahren. Seit 1967 gab es den Corolla in Europa und einige Jahre später begannen sich japanische Hersteller mit günstigen Preisen für gut ausgestattete Autos auf dem europäischen Markt zu etablieren. Das Logo im Kühlergrill des E30 löst das Namensrätsel: Corolla steht in Latein für die Blütenkrone einer Blume. Passend dazu findet sich im Kühlergrill ein Kronensymbol.
Beim Einsteigen fällt auf, wie zierlich Autos der 70er-Jahre heute wirken. Doch trotz der dünnen Türen und schmalen Säulen wirkt die Karosserie solide. Der reichlich vorhandene, beige Kunststoff im Innenraum ist sauber verarbeitet und die wenigen Funktionen sind leicht zu begreifen. Der Motor näselt los und zieht schon ab Standgas stämmig durch. Das Drehmoment liegt früh an, so ist man auch im Stadtverkehr schnell im vierten Gang des leicht und präzise schaltbaren Getriebes.
Der Komfort passt trotz der hinteren Starrachse, eine Reise wäre auch wegen des geräumigen Kofferraums vorstellbar. Die dritte Generation, von 1974 bis 1979 gebaut, wurde bereits im Windkanal entwickelt. Eine aufprallabsorbierende Karosserie mit Knautschzonen und verstärkten Türen verbessert die Sicherheit.
AE 86: Kult-Coupé mit Hinterradantrieb
Nicht alle Corolla sind unauffällig verschwunden. Manche haben Kultstatus, wie die beiden roten Coupés oben. Der AE86 gehört zur fünften Generation, die eigentlich schon Frontantrieb hatte. Doch für die Schwestermodelle Corolla GT, Levin und Sprinter Trueno genehmigten sich die Techniker einen Sonderweg mit längs montiertem Motor und Hinterradantrieb.
In Japan wurde der "Hachi Roku" ab 1995 durch die Manga- und Anime-Serie "Initial D" populär: Der Protagonist liefert tagsüber mit einem Trueno Tofu aus und fährt damit nachts Drifts. Sorgfältig geführte Räder, ein geringes Gewicht von unter einer Tonne, eine herzerfrischend direkte Lenkung und ein Vierventilmotor mit zwei obenliegenden Nockenwellen, der am Gas hängt wie ein Terrier an der Leine, machen den Zweitürer zum Spaßmobil. Gute Exemplare sind längst teuer und in der Hand von Sammlern. "Hachi Roku", japanisch für 86, hat Toyota später bei GT86 und GR86 wieder aufgegriffen.
Der aktuelle Toyota Corolla
Das aktuelle Modell auf Basis der TNGA-Plattform (Toyota New Global Architecture) erschien 2018 und ist in Westeuropa als Hatchback sowie Kombi mit dem Namen Touring Sports erhältlich. Seit 2022 gibt es außerdem den kompakten Crossover Corolla Cross. Alle drei Modelle sind ausschließlich mit einem Hybridantrieb erhältlich, Kunden haben die Wahl zwischen 140 und 180 PS Systemleistung.
Damit fährt der Corolla im besten Sinne unauffällig: leise und komfortabel schwimmt der Kompakte im Verkehr mit. Besonders anspruchsvolle Passagen gibt es rund um die niederländische Stadt Den Haag nicht, und so kann der blaue Kombi vor allem mit seinem ruhigen Antrieb punkten, der je nach Situation den Elektromotor oder den Benziner nutzt und die Übergänge dank des Planetengetriebes und der jahrzehntelangen Hybriderfahrung von Toyota sanft gestaltet. Im Dauertest bewährte sich ein Toyota Corolla Touring Sports mit niedrigem Verbrauch und hoher Zuverlässigkeit. Toyota eben.
Zum 60. Geburtstag des Corolla gibt es ein Sondermodell mit einer Metalliclackierung in Borreal Blue, 17-Zoll-Leichtmetallrädern, 60th-Schriftzügen und 1400 Euro Preisvorteil.
Was ist das Erfolgsgeheimnis des Corolla?
Manche sagen, Toyota habe den Corolla in 60 Jahren so stark verändert, dass es sich inzwischen längst um ein ganz anderes Auto handele. Ganz Unrecht haben die Kritiker nicht, schließlich sehen sich der Corolla von 1966 und der von heute weder ähnlich, noch haben sie das gleiche technische Konzept: Damals Hinterradantrieb und Längsmotor, heute treibt ein Hybrid die Vorderachse an. Dazu kommt: In Europa hieß er von 2006 bis 2019 Auris.