Alfa Romeo Giulia (1962-1978) Probleme, Preise

Sportlimousine mit rassigem Motor

Giulia braucht nicht viele Worte: Ein Blick und der Klang ihrer rauen Stimme reichen aus, um uns den Kopf zu verdrehen. Giulia ist schlicht und einfach perfekt. Auch im Alltag ist sie eine reizende Begleiterin. Viel zu schön, um wahr zu sein?

Alfa Romeo Giulia (1962-1978) Kaufberatung Foto: Jörg Künstle 20 Bilder

Nein, jeder Tag mit Alfa Romeos Giulia ist ein Traum. Der sportliche Viertürer meistert alle Fälle des Lebens mit Grandezza und einer Lässigkeit, die mich nicht mehr loslässt. Die ungewöhnlich gestylte viertürige Limousine bleibt ein Hingucker, der auch nach mehr als 50 Jahren noch jugendlich frisch wirkt. Die übersichtliche Karosserie bietet ausreichend Platz und ist zudem so windschlüpfig wie ein aktueller Kompaktwagen.

Gute Ersatzteilversorgung

Alfa Romeo Giulia (1962) Foto: Weitmann
Die Alfa Romeo Giulia begeisterte manchen Tester so sehr, dass er selbst eine kaufte.

Dazu entwickelt die Giulia auf kurvigen Landstraßen viel Lauffreude und gute Leistungswerte – eine Frau für alle Tage. Ihre große Beliebtheit als Klassiker gewährt eine gute Ersatzteilversorgung. Allerdings weiß sie um ihre Beliebtheit, was die Preise stetig steigen lässt. "Die Giulia hat sich zu einem Kultauto entwickelt", meint der Bonner Alfa-Spezialist Hartmut Stöppel.

Schon als aktuelles Auto begeisterte die Giulia, die es mit einem 1,3-Liter- sowie einem 1,6-Liter-Motor gibt: Die Tester von auto motor und sport vergaben Bestnoten für die Karosserie, den leistungsfreudigen und kultivierten Motor, die sicheren Fahreigenschaften, die ausgezeichneten Bremsen (ab 1970 Scheiben rundum) und die Fahrleistungen. "Die Giulia nimmt nach wie vor eine Favoritenrolle unter den echten Sportlimousinen ein", urteilt Fritz Reuter 1971 über das Auto, knapp neun Jahre nach der ersten öffentlichen Vorstellung der Alfa-Limousine im Juni 1962 in Monza.

Das Urteil über die Giulia im ams-Gebrauchtwagen-Report kann bis in die Gegenwart gelten: "Die Giulia Super gilt heute als das solideste und am besten verarbeitete Modell im Alfa-Programm." Die Giulia Super ist als robust und zuverlässig bekannt: beste Voraussetzungen für einen Alltagsklassiker.

Neuerungen ab 1970

Alfa Romeo Giulia Nuova Super 1300 Foto: Jörg Künstle
Die ersten Änderungen kamen 1970, die Nuova 1974.

Zu den Giulia-Neuerungen zählten 1970 hängende Pedale sowie ein zwischen den Sitzen angebrachter Handbremshebel statt des Krückstocks unter dem Armaturenbrett.

Im Juni 1974 erschien mit der Giulia Nuova Super eine modernisierte Karosserie als Facelift. Die deutlich geglätteten Linien gefallen aber den Puristen nicht. Sie lieben vielmehr die faltenreiche Urform, wie sie Chefdesigner Giuseppe Scarnati schuf. Welche Giulia man als treue Begleiterin für den Klassikeralltag wählt, bleibt Geschmackssache. Technisch gibt es so gut wie keine Unterschiede.
Den besten Kompromiss aus Tradition, angenehmem Bedienkomfort und wirtschaftlichem Alltagsbetrieb bietet die zwischen 1972 und 1974 gebaute Giulia Super 1.3 – sie verfügt über den attraktiven Kühlergrill mit Doppelscheinwerfern

Ein Unterschied in den Fahrleistungen im Vergleich zur stärkeren Version mit dem größeren 1,6-Liter-Motor fällt im Alltag nicht so ins Gewicht – dafür liegt aber der Kaufpreis für die 1,3-Liter-Versionen um 1.000 bis 2.000 Euro niedriger.

Karosserie-Check

Ein höherer Kaufpreis im Vergleich zu einem auf den ersten Blick nicht ganz perfekten, aber günstigeren Auto zahlt sich meist schnell aus. Eine Restaurierung der Karosserie wird bei einer Giulia-Limousine teurer als bei einem GT oder einem Spider. Die größere Außenhaut sowie die zwei zusätzlichen Türen im Fond steigern den Aufwand gewaltig. Die Stahlqualität der Karosseriebleche ist bei der bis 1974 gebauten Ur-Giulia wesentlich besser als bei der von 1974 bis 1978 gebauten Giulia Nuova.

In Verbindung mit der schlechteren Rostvorsorge an der moderner wirkenden Karosserie macht dies die Giulia Nuova anfälliger für Rostschäden. Für beide Baureihen gilt: Komplettrestaurierungen übersteigen den Marktwert.

Technik-Check

Der rassige Vierzylinder der Alfa Romeo Giulia ist auch ein tapferer Dauerläufer, braucht aber ein gewisses Maß an Pflege. So sollten immer nach 30.000 Kilometer Ventilspiel, Zündung und Vergasereinstellung gecheckt werden, was im Idealfall etwa fünf Arbeitsstunden in Anspruch nimmt. Dabei werden auch die Vergaserflansche auf Schäden überprüft. Fand auch regelmäßig der jährliche Ölwechsel statt (6,5 Liter!) und wurde der Motor artig warmgefahren, sind Laufleistungen von 150.000 Kilometer und mehr kein Problem.

Die Getriebe der Alfa Romeo Giulia gelten als unproblematisch, leiden aber gelegentlich unter einer verschlissenen Synchronisierung, wenn sich beim Schalten Kratzgeräusche melden. Undichte Kupplungsnehmer-Zylinder können ebenfalls Schaltprobleme verursachen. Das Fahrwerk bedarf wie der Motor einer gewissen Pflege: Buchsen und Gelenke (Vorderachse) verschleißen und führen zu einem schwammigen Fahrverhalten. In der Fertigungs-Qualität gibt es bei den verschiedenen Giulia-Generationen und Motoren keine Unterschiede.

Preise

Noch immer zählt die Alfa Romeo Giulia zum glorreichen doppelten Dutzend der begehrtesten Klassiker, erkennbar an ihrem Wertanstieg während der letzten zehn Jahre. Dabei halten sich die Preisunterschiede der einzelnen Generationen und Motorisierungen in Grenzen. Beliebt sind vor allem die Super 1.6 (1965 bis 1971) sowie die ganz frühen Modelle mit Bandtacho bis 1966. Für mäßige Giulia Nuova sollten etwa 4.400 Euro einkalkuliert werden, eine frühere Giulia Super 1.6 kostet in mäßigem Zustand etwa das Doppelte. Für Autos in gutem Zustand sind die Preisunterschiede erheblich größer: 27.600 Euro ermittelt Classic-Analytics für eine Giulia Super 1.6. Eine Nuova Super liegt bei etwa 18.400 Euro.

Bei Einführung 1962 (Alfa Romeo Giulia) :
10.950 Mark
Bei Produktionsende 1978 (Alfa Romeo Giulia) :
13.990 Mark

Ersatzteile

Dank vieler Technik-Gleichteile in Alfa Romeo Giulia, Sprint GT und Spider ist die Versorgung sehr gut. Trotzdem sollte man auf die passende Erst- und Originalausrüstung achten, um den Werterhalt seines Schätzchens zu sichern. Für die großen Teile-Händler lohnen sich aufgrund der hohen Nachfrage auch Nachbauten. Ersatzteile gibt's zum Beispiel bei OKP in München: www.okp.de.

Schwachpunkte

  1. Frontblech/Stoßstange
  2. Vorderachsgelenke
  3. Kotflügel vorn
  4. Vergaserflansch
  5. Schweller
  6. Getriebesynchronringe
  7. Kardanwelle (Kreuzg.)
  8. Radläufe
  9. Heckblech
  10. Tank
  11. Silentbuchsen
  12. Schraubenfedern
Alfa Romeo Giulia, Igelbild

Wertungen

Alltagstauglichkeit
Ersatzteillage
Reparaturfreundlichkeit
Unterhaltskosten
Verfügbarkeit
Nachfrage

Fazit

Die Giulia gilt als Sportwagen mit vier Türen: Das klingt nach einem verlockenden Alltagsklassiker. Allerdings darf man sich nicht von den hohen Kaufpreisen abschrecken lassen. Wer beim Kauf sparen will, bezahlt durch hohe Ersatzteil- und Reparaturrechnungen in der Summe einen um vieles höheren Preis. Das Kultauto hat eben seinen Wert.