Alvis Graber Super Coupé Continuation Series

Sieht aus wie alt, ist aber neu

Der britische Autohersteller Alvis integriert ein weiteres Modell in seine Continuation Series. Das Graber Super Coupé ist vor allem in Japan begehrt.

10/2021, Alvis Graber Super Coupé Continuation Series Foto: The Alvis Car Company

Alvis Graber Super Coupé: Diese Modellbezeichnung klingt nicht gerade britisch. Doch der als Neuwagen angebotene Oldtimer kommt tatsächlich aus dem Vereinigten Königreich. Alvis produzierte in der Jaguar-Stadt Coventry zwischen 1920 und 1967 hochwertige Automobile. Fast wäre es viel früher vorbei gewesen, wenn nicht der Schweizer Autoimporteur und -designer sowie Karosseriebauer Graber dem in großen finanziellen Schwierigkeiten steckenden Unternehmen Mitte der Fünfzigerjahre unter die Arme gegriffen hätte. Graber entwarf zeitgemäße Coupé-Karosserien im Ponton-Stil, die dann bei britischen Auftragsfertigern produziert wurden. Alvis übernahm schließlich die finale Montage der Fahrzeuge.

10/2021, 1966 Alvis TF21 Graber Super Foto: Guillaume Nédélec / Newspress
Das Vorbild für das neue Alvis Graber Super Coupé: ein TF21 mit Sonderkarosserie von 1966.

2010 ließ die Alvis Car Company die kurz vor ihrem Ende nach Kenilworth umgezogene Marke am dortigen Standort wiederaufleben. Allerdings nicht mit neuen Modellen, sondern mit mehreren sogenannten "Continuation Series"-Fahrzeugen. Alvis fertigt seine Autos anhand von Originalplänen und auch aus Teilen, die seit dem Niedergang der Marke (sie wurde einst von British Leyland übernommen, aber schnell eingestellt) in Kenilworth kistenweise überlebt haben. Nun kommt mit dem TE 21 die letzte Baureihe hinzu, die die Marke Alvis bis zu ihrem zwischenzeitlichen Ende anbot. Jedoch nicht im Standard-Outfit, sondern mit Graber-Sonderkarosserie.

Typisches Fünfzigerjahre-Design

Das Graber Super Coupé und Cabrio ist der erste "neue" Alvis, der ein Nachkriegsmodell der Marke wiederauferstehen lässt. Formal präsentiert sich der Engländer sehr ausladend; vor allem der hintere Überhang ist enorm. Details wie die filigranen Stoßstangen, Chromleisten an Karosserie und rund um die Fenster sowie die Rundscheinwerfer weisen den Alvis als ein Auto aus, das eigentlich aus einer anderen Ära stammt. Sowohl die Front mit ihrem mächtigen Kühlergrill als auch die Windschutzscheibe stehen steil im Wind. Auffällig sind zudem die Lufteinlässe in der Motorhaube und das aus Stoff gefertigte Verdeck des Cabrios.

10/2021, Alvis Graber Super Coupé Continuation Series Foto: The Alvis Car Company
Die Karosserie formt Alvis mithilfe eines Rahmens aus Eschenholz.

Apropos Motorhaube: Darunter ackert ein Reihensechszylinder-Benziner. Der stammt in seiner Grundform ebenfalls aus Originalbeständen, zeigt sich aus ökologischen Gründen allerdings um eine elektronische Kraftstoffeinspritzung sowie eine Motorelektronik und ein neues Kühlsystem ergänzt. Dank des nun höheren Verdichtungsverhältnisses von 9,5:1 und besserer Fertigungsmethoden, die zu viel geringeren Toleranzen führen, ist der Dreiliter-Motor deutlich stärker als früher. Er entwickelt 174 statt 132 PS sowie maximal 283 Newtonmeter bei 3.750 Umdrehungen und gibt seine Kraft über ein synchronisiertes Fünfgang-Getriebe auf die Hinterräder weiter. Er soll das Alvis Graber Super Coupé in 8,9 Sekunden von null auf 60 mph (96,6 km/h) beschleunigen.

"Sanft und komfortabel bei Reisegeschwindigkeiten"

Weil Alvis die damaligen Chassis verwendet, führt der Hersteller die Fahrgestellnummern von früher einfach fort. Der Unterbau besteht aus verzinktem Stahl. Darüber spannt sich eine komplett aus Aluminium gefertigte Karosserie, die mithilfe eines Eschenholzrahmens geformt wird. Die 15-Zoll-Vielspeichen-Räder mit 165er-Reifen sind rundum einzeln aufgehängt. Dahinter versteckt sich die Bremsanlage, die mit Scheiben und Servounterstützung arbeitet. Ein besonders sportliches Fahrverhalten sollte jedoch niemand erwarten; Alvis selbst beschreibt es als "sanft und komfortabel bei Reisegeschwindigkeiten".

10/2021, Alvis Graber Cabrio Continuation Series Foto: The Alvis Car Company / Facebook
Das erste Cabrio aus der Alvis Continuation-Series soll 2022 nach Asien geliefert werden.

Innen finden vier Personen in einer weitgehend mit Leder ausstaffierten Szenerie Platz. An Behaglichkeit mangelt es nicht, was auch an der integrierten Klimaanlage liegt. Die genaue Ausstattung des handgefertigten Interieurs im Graber Super Coupé und Cabrio obliegt jeder Kundin und jedem Kunden selbst.Laut Alvis ist jedes Auto voll zulassungsfähig.

Der Hauptmarkt ist Japan

Das erste Exemplar tritt die weite Reise nach Japan an. Laut Alvis hat der dortige Importeur bereits Kunden für dieses Modell sowie für vier Vertreter anderer Continuation-Baureihen gefunden. Das dürften ziemlich wohlhabende Zeitgenossen sein: Das Graber Super Coupé kostet beispielsweise 323.000 Pfund, was aktuell knapp 380.000 Euro entspricht. Noch etwas teurer dürfte das Cabrio werden. Ein solches fertigt Alvis derzeit erstmals, um es 2022 ebenfalls nach Asien zu exportieren.

Fazit

Der hohe Preis lässt sich auch mit der sehr langen Fertigungszeit erklären: Zwei Jahre hat es – auch wegen Corona-bedingter Verzögerungen – gedauert, bis das erste Graber Super Coupé fertig war. Ob sich das alles gelohnt hat und ob es dieses Auto wirklich braucht, beurteilt der japanische Besitzer am besten selbst.