Audi V8 (1988)

Fortschritt durch Allrad und Torsen-Differenzial

Der Audi V8 markierte 1988 Audis Einstieg in die Oberklasse. Mit Allradantrieb und Torsen-Differenzial setzte er technische Maßstäbe und forderte Mercedes und BMW heraus.

Audi V8 Originaltest 1988 Foto: Hans-Dieter Seufert

Das Herzstück des Audi V8 bildet ein 3,6-Liter-Vierventil-Achtzylindermotor mit einer Leistung von 250 PS bei 5800 Umdrehungen pro Minute. Mit einem maximalen Drehmoment von 340 Newtonmetern bei 4000 Umdrehungen pro Minute bot der Motor für seine Zeit beeindruckende Werte. Er wurde aus Aluminium gefertigt, um Gewicht zu sparen und gleichzeitig eine hohe thermische Effizienz zu gewährleisten. Dieser Motor war nicht nur ein Novum für Audi selbst, sondern auch ein klares Signal an die Konkurrenz: Die Ingolstädter wollten in der Oberklasse ernst genommen werden.

Die Kraftübertragung erfolgte über eine ZF-Viergang-Automatik mit drei Fahrmodi – Economy (E), Sport (S) und manuelles Schalten (M). Besonders bemerkenswert war das Planeten-Differenzial im Getriebe, das die Antriebskraft gleichmäßig zwischen Vorder- und Hinterachse verteilte. Ergänzt wurde dies durch eine Lamellenkupplung, die bei Traktionsverlust automatisch eingriff.

Das Torsen-Differenzial: Innovation im Detail

Eine der technologischen Kernkomponenten des Audi V8 ist das Torsen-Differenzial an der Hinterachse. Dieses Sperrdifferenzial arbeitet drehmomentfühlend und verteilt die Antriebskraft je nach Traktionsbedarf zwischen den Rädern. Im Zugbetrieb sorgt es dafür, dass bei Traktionsverlust an einem Rad mehr Kraft auf das andere übertragen wird – ideal für schwierige Straßenverhältnisse oder sportliche Kurvenfahrten.

Das Besondere am Torsen-System ist seine mechanische Funktionsweise: Es nutzt schrägverzahnte Schraubenräder, um Reibungsverluste gezielt in Sperrwirkung umzuwandeln. Dadurch bleibt das Fahrzeug auch bei anspruchsvollen Bedingungen stabil und beherrschbar. Allerdings hat das System Schwächen: Bei angehobenen Rädern oder extrem glatten Oberflächen kann es seine Wirkung verlieren.

Der permanente Allradantrieb quattro

Der Audi V8 war das erste Oberklassemodell mit serienmäßigem permanentem Allradantrieb – ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber Konkurrenten wie Mercedes oder BMW zu dieser Zeit. Das quattro-System verteilte die Antriebskraft standardmäßig im Verhältnis 50:50 auf Vorder- und Hinterachse. Bei Bedarf konnte jedoch bis zu 100 Prozent der Kraft an eine Achse geleitet werden.

Diese Flexibilität wurde durch eine elektronische Steuerung ermöglicht, die sowohl das Zentraldifferential als auch die Hinterachse überwachte. In Kombination mit dem Torsen-Differenzial bot das System eine außergewöhnliche Traktion und Stabilität – besonders auf nassen oder verschneiten Straßen.

Vergleich zur Konkurrenz: Stärken und Schwächen

Im direkten Vergleich zu Modellen wie der Mercedes S-Klasse oder dem BMW 7er zeigte sich der Audi V8 technisch innovativ, aber nicht ohne Schwächen. Während sein Allradsystem und das Torsen-Differenzial klare Vorteile in puncto Sicherheit boten, litt er unter seinem hohen Gewicht von rund 1,8 Tonnen. Dies wirkte sich negativ auf Beschleunigung und Agilität aus: Der Sprint von 0 auf 100 km/h dauerte laut Werksangabe 9,2 Sekunden – deutlich langsamer als einige Wettbewerber.

Zudem wurde kritisiert, dass der V8 optisch zu nah am Audi 200 lag und dadurch nicht genügend Exklusivität ausstrahlte. Auch der Verbrauch von durchschnittlich 16,5 Litern pro 100 Kilometer entsprach nicht den Erwartungen an ein effizientes Fahrzeug dieser Klasse.