BMW M5 E39 W10 Prototyp

Wie fährt der BMW mit VW-Motor?

Im Auftrag von VW entstand im Jahr 2000 ein BMW M5 mit einem W10-Motor. Wir konnten mit dem Prototyp eine Runde fahren.

BMW M5 E39 W10 (2000) Prototyp Foto: Malte Buls

Dieses Auto sollte es gar nicht geben: Ein BMW M5 mit VW-Motor. Carbonschwarz, von außen unauffällig. Ein Prototyp, der nur ein Mal existiert. Mit einem Motor, von dem nur drei Stück gebaut wurden. Stärker als der serienmäßige V8 im M5. Der mit 400 PS aus fünf Liter Hubraum eine der schnellsten Limousinen seiner Zeit ist. Wie fährt sich das? Wir durften eine Runde drehen, bevor das Auto bei einer Auktion von Broad Arrow unter den Hammer kommt.

Nicht alle Prototypen landen im Schredder

Erprobungsfahrzeuge haben in der Autoindustrie oft kein langes Leben: Nach getaner Arbeit verschwinden sie im Schredder. Zulassung? Meist unmöglich. Verkauf an Privatpersonen? Ausgeschlossen. Doch manchmal gibt es Ausnahmen. AMG hat einen frühen Erprobungsträger für den SLS aufgehoben, weil es das erste Auto war, das komplett in Affalterbach entstanden ist. Der Mule auf Basis einer Dodge Viper stand im Februar 2026 auf der Retro Classics in Stuttgart. Ein Hingucker, denn Erlkönige stehen selten im Scheinwerferlicht.

BMW M5 E39 mit W10 und 480 PS

Auf der Techno Classica in Essen war 2025 ein carbonschwarzer BMW M5 ausgestellt, der auf den ersten Blick aussieht wie ein serienmäßiger M5 der Baureihe E39. Lediglich schmale Schriftzüge auf Motorhaube und Kofferraumdeckel deuten an, dass hier etwas anders ist: "Prototype W10 engine running in BMW M5" steht da. Und die Leistungsdaten: "450-500 HP / 550 Nm".

Auf dem Prüfstand sollen es 480 PS und 592 Newtonmeter sein – 80 PS und 92 Nm mehr, als der S62-V8 im M5 E39 leistet. Nur zur Einordnung: Der Hochdrehzahl-Achtzylinder der M GmbH gehört zu den stärksten und sportlichsten Saugmotoren, die man um das Jahr 2000 herum in einer Oberklasse-Limousine kaufen konnte.

Sportliche Literleistung: 96 PS/l Hubraum

Der VW-Motor ist nicht nur deutlich stärker als das originale M5-Aggregat, er hat auch eine höhere Literleistung als die serienmäßigen W-Motoren von VW: Während die VR6, W8 und W12 in Golf, Passat und Phaeton bei 66 bis 70 PS je Liter Hubraum liegen, kommt der W10 auf eine Literleistung von 96 PS.

Entsprechend kräftig tönt der W10: Nach einem langen Anlassersirren zündet der Fünfliter und fällt in einen unruhigen Leerlauf, der nach vielen Zylindern klingt. Kein V8-Brabbeln, kein 12-Zylinder-Säuseln. Im Leerlauf klingt der W10 rau und heiser. Es ist der Klang eines sportlichen Motors mit vielen Zylindern.

Wie fährt der M5 W10?

Der Motor reagiert zackig auf Gasstöße, die Drehzahl fällt schnell ab – das deutet auf eine geringe Schwungmasse und scharfe Nockenwellen hin.

Die Kupplung geht leicht, das Getriebe schaltet sich präzise. Der Motor hängt bissig am Gas, die Abstimmung hat nicht den Feinschliff eines Serienautos. Heiser grollend dreht das Fünfliteraggregat hoch und entwickelt reichlich Schub. Traktionskontrolle und ESP sind nicht aktiviert, die Reifen sind nicht mehr die neuesten – der Gasfuß sollte unter Kontrolle bleiben, will man nicht die über das Auto verlieren.

Die präzise Lenkung mit genau dem richtigen Maß an Schwergängigkeit ist typisch M5 und bietet sowohl auf Landstraßen als auch auf Autobahnen das exakt richtige Maß an Rückmeldung und Präzision. Im Vergleich zu aktuellen Autos wirkt ein E39 vergleichsweise kompakt. Die Ergonomie im Cockpit passt perfekt, die Verarbeitung wirkt sehr solide.

Der Fahrer schaut nicht auf die serienmäßigen Rundskalen des M5, sondern auf ein Motorsport-Instrument mit Drehzahlmesser, Warnleuchten und einer Textanzeige für Tankinhalt, Öl- und Kühlwassertemperatur sowie Öldruck. Drei VDO-Rundinstrumente und ein roter Not-Aus-Schalter sitzen auf der Mittelkonsole vor dem Schalthebel. Alles sehr sachlich und sauber eingepasst. Die Laufleistung des Prototyps ist unbekannt.

Ölwechselzettel im Motorraum weisen auf regelmäßige Wartung hin, der letzte Ölservice wurde 2025 gemacht – mit 10W60 in Bugatti-Spezifikation. Ein Hinweis auf die Exklusivität dieses Motors, wenn man so will: Es gibt nur drei. Einer steckt in diesem Auto, einer steht auf einem Displayständer und wird zusammen mit dem Prototyp versteigert und einer soll sich in Deutschland befinden.

Warum ein BMW M5 als Basis?

Der BMW M5 E39 war eine der schnellsten und sportlichsten Oberklasse-Limousinen seiner Zeit. Darum liegt es nahe, dieses Auto als Basis für den starken W10-Motor zu nehmen. Ein zweiter Grund war das Getriebe: Es gab damals keine andere Limousine mit einem Schaltgetriebe, das diese Leistung verkraftet. Der W12-Motor in Audi A8 und VW Phaeton war mit einem Automatikgetriebe kombiniert.

Was wir über die Entwicklung des W10 wissen

Über die technischen Details des ehemaligen Geheimprojekts ist wenig bekannt. Es liegt nahe, dass der Motor außerhalb der Entwicklungsabteilung von Volkswagen entstanden ist. Zwei Millionen Euro soll die Entwicklung gekostet haben, geleitet hat sie Sabine Willeke. Zwei Firmen waren offensichtlich an der Entwicklung beteiligt: SWR Motorsport GmbH und MPE Engineering, beide mit Sitz in Remscheid. Beide Firmen existieren nicht mehr.

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