Boschert B300 Gullwing Coupé von 1989

Mercedes W124 Coupé mit Flügeltüren und 283 PS

Dieser Flügeltürer ist nicht von Mercedes: Der Boschert B300 kommt am 16. Mai 2026 am Comer See unter den Hammer. Das Einzelstück auf Basis eines 300 CE der Baureihe W124 soll sechsstellig kosten. Es wurde Ende 2023 schon einmal versteigert.

Broad Arrow Auctions 24 Bilder

Zur IAA im September 1989 präsentierte Hartmut Boschert den B300 Gullwing – ein spektakuläres Unikat, das zu den kühnsten Umbauten seiner Zeit zählt. Der Diplom-Designer aus Emmendingen bei Freiburg verwandelte einen 1988 gebauten Mercedes 300 CE der Baureihe C124 in ein Coupé mit Flügeltüren und der Front des damals gerade eingeführten SL R129. Das aufwendig umgestaltete Einzelstück zierte prompt das Titelblatt von auto motor und sport 20/1989.

Flügeltüren-Coupé mit SL-Front

Die Karosserie wurde im Detail optimiert: Boschert kürzte sowohl das Dach als auch das Heck des ursprünglich schwäbischen Coupés um 25 Zentimeter, wodurch das Profil deutlich tiefer und dynamischer wirkte. Seitlich verbauten die Ingenieure 1,66 Meter breite, hydraulisch schwingende Flügeltüren, inspiriert vom legendären 300 SL Gullwing und bei diesem Fahrzeug elektrohydraulisch betrieben – die einzige echte Flügeltür-Ausführung unter den insgesamt rund elf gebauten B300. Die Front erhielt maßgefertigte Kotflügel und die Scheinwerfer des brandneuen R129, wodurch ein überzeugender SL-Look entstand, wie ihn selbst andere Tuner in dieser Eleganz kaum erreichten.

Reihensechser mit Registerturbo und 283 PS

Unter der maßgeschneiderten Haube arbeitet ein drei Liter großer Reihensechszylinder (M103), der von der niederländischen Firma Mosselman mit zwei Turboladern und Ladeluftkühler auf 283 PS erstarkt wurde. Die beiden Sequenzial-Turbolader – je einer für niedrige und hohe Drehzahlen – sollen das Turboloch minimieren und die Kraft gleichmäßig an die Hinterräder liefern, unterstützt von einem Fünfgang-Schaltgetriebe. Damit beschleunigt der B300 auf bis zu 258 km/h. Der TÜV Bayern bescheinigte dem Coupé sogar eine höhere Verwindungssteifigkeit als dem Serienmodell. Die Vordersitze stammen ebenfalls aus dem R129. Die Flügeltüren öffnen hydraulisch; beim Schließen hilft eine Zuziehhilfe, wie sie sonst die Heckklappe des 124er T-Modells verwendet.

Einzelstück statt Kleinserie

Geplant war ursprünglich eine Kleinserie von 300 Fahrzeugen, jeweils drei Stück pro Woche – dazu sollte es jedoch ebenso wenig kommen wie zu einer Vierventilversion mit 275 km/h Höchstgeschwindigkeit. Zehn weitere Exemplare entstanden mit konventionellen Türen, der präsentierte Gullwing ist jedoch das einzige Exemplar mit den markanten Flügeltüren. Nach der Premiere auf der IAA blieb der Wagen zunächst in Deutschland, bevor er vom Ingenieur Tino Zovko erworben wurde, der das Modell seit seiner Kindheit bewunderte und später – mit Unterstützung von Hartmut Boschert selbst – die originalen Unterlagen zum Auto erhielt. Nach mehr als 20 Jahren in Zovkos Besitz wurde der Wagen im November 2023 weiterverkauft.

Geplanter Neupreis: 186.000 Mark

Der B300 Gullwing war von Anfang an exklusiv: Mit einem Neupreis von 186.000 DM lag er mehr als doppelt über dem eines 300 CE, rund 50.000 DM über dem 500 SL und gar 40.000 DM teurer als das beste Serienmodell von Mercedes-Benz jener Zeit. Das Einzelstück wurde 2005 von seinem letzten Besitzer erworben und später umfassend restauriert – allein 2023 kosteten technische Arbeiten 16.216 Euro und die Lackierung mit Polsterung rund 4.771 Euro. Am 25. November 2023 versteigerte RM Sotheby’s das unverwechselbare Coupé in München. Bei einem geschätzten Erlös zwischen 250.000 und 300.000 Euro erzielte der Flügeltürer-Umbau letztlich einen bemerkenswerten Verkaufspreis von 455.000 Euro. Zum Zeitpunkt der Versteigerung zeigte der Tacho etwas über 39.000 originale Kilometer.