Daihatsu Copen im historischen Test
Was kann der kleine Klappdach-Roadster mit 68 PS?
auto motor und sport testet in Heft 13/2003 den Daihatsu Copen, einen Klappdach-Roadster im Zwergformat.
24.10.2026 Malte Jürgens, Redaktion auto motor und sport
Foto: Hans-Dieter Seufert
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Als im Frühjahr 2003 die ersten Berichte und Fahrberichte über den Daihatsu Copen erschienen, schaute die europäische Autowelt nicht schlecht. Mit dem nur 3,39 Meter kurzen Japaner rollte ein gänzlich unkonventioneller Winzling an den Start. Basierend auf der japanischen Fahrzeugklasse der steuerbegünstigten Kei-Cars, brachte der Copen frischen Wind und ein unkonventionelles Konzept in das Segment der Kleinwagen und Roadster.
Der Reiz des Modells lag vor allem in dem revolutionären Versprechen, für rund 18.000 Euro Technik zu bieten, die man sonst nur aus deutlich teureren Preisregionen kaufte. Ein elektro-hydraulisch versenkbares Aluminium-Hardtop war damals in dieser Fahrzeugklasse eine Sensation. Mit dem quirligen Turbo-Vierzylinder und der agilen Abstimmung, positionierte sich der Copen von Beginn an als charmantes Lifestyle-Objekt für Individualisten, die sich bewusst vom automobilen Einerlei absetzen wollten.
Der originale Test des Daihatsu Copen
Weil auto motor und sport 2026 seinen 80. Geburtstag feiert, veröffentlichen wir 80 Tests aus 8 Jahrzehnten. Denn schon früh sah die Redaktion es als ihre Aufgabe, neue Autos zu testen. Das macht auto motor und sport so lange und so ausführlich wie kein anderes deutschsprachiges Automagazin. Zur Tradition und zum journalistischen Anspruch gehört es, Stärken und Schwächen klar zu benennen. Damit das Urteil fundiert ausfällt, erhebt die Redaktion bei ihren Mess- und Testfahrten möglichst präzise Daten und sammelt reproduzierbare Eindrücke. Den folgenden Test schrieb Malte Jürgens für auto motor und sport 13/2003. Wir haben die damalige Rechtschreibung übernommen.
Der Daihatsu Copen weckt Beschützer-Instinkte
Autos unter einer Gesamtlänge von 3,5 Meter wecken Beschützer-Instinkte. Wenn dann noch der Mann von der Tankstelle fragt, ob der Kleine denn schon Benzin bekommt oder noch das Fläschchen, geht das Fahrergemüt automatisch in Verteidigungsposition.
Der neue Daihatsu Copen, der ab September den deutschen Roadster-Markt bereichert, misst von Stoßfängerkante zu Stoßfängerkante nur 3,39 Meter. Dazwischen aber beherbergt er ein Arsenal technischer Argumente, die selbst vielen größeren und vor allem teureren Konkurrenten oft abgehen: Für einen Verkaufspreis um die 18.000 Euro bietet der Copen zum Beispiel ein elektro-hydraulisch faltbares Aluminium Dach, das in kaum 30 Sekunden aus dem Roadster ein wetterfestes, stabiles Coupé macht.
Auch seine Serienausstattung lässt keine Wünsche offen. Color-Verglasung, Überrollbügel, Sportsitze, Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber, Klimaanlage, 15-Zoll-Reifen auf Leichtmetall-Felgen, Doppel-Airbags, ABS, Servolenkung, Kurvenstabilisatoren vorn und hinten sowie Wegfahrsperre – alles inklusive. Gegen Aufpreis gibt es dann noch Sitzheizung und Lederbezüge sowie ein etwas straffer ausgelegtes Sportfahrwerk mit Gasdruck-Stoßdämpfern.
Wofür steht Copen?
Auf dem Papier also ein sehr erwachsen wirkender Sportwagen, dessen kurze Überhänge vorn und hinten sehr ähnliche Konturen aufweisen. Daihatsu nennt das Designkonzept Casablanca-Styling, womit sich der Copen an den Filmhit "Do it again, Sam" anlehnen soll. Mit Dänemarks Metropole Kopenhagen hat der Copen-Wagen übrigens nichts zu tun; sein Name entspringt den englischen Begriffen compact und open.
Der praktische Teil des Tests muss die Frage beantworten, ob der sympathische Hingucker auf der Straße hält, was die überaus freundliche Resonanz des Copen beim Flanier-Publikum verheißt. Kommt hier ein Auto, das nicht nur optisch und technisch, sondern auch dynamisch erfreut?
Was der Copen mit einem britischen Roadster gemeinsam hat
Die Platzverhältnisse hinter dem rechts angeordneten Lenkrad bieten auch europäischen Figuren ausreichend Raum, was die in Höhe und Länge verstellbare Lenksäule unterstützt. Daihatsu hat für den Copen in der hier präsentierten Form sogar eine europäische Betriebserlaubnis erwirkt, was bedeutet, dass der offenherzige Zweisitzer auch in Deutschland in der britischen Roadster-Tradition ausschließlich als Rechtslenker angeboten wird.
Beim Überholen stört diese unverwechselbare Eigenart überhaupt nicht. Der Copen ist schmal genug, um einen vorsichtigen Blick auch vorbei an Lastwagen riskieren zu können. Für möglichen Gegenverkehr bleibt trotzdem noch Platz.
Der Motor hat einen Turbolader und einen Nachteil
Der Vierzylinder treibt die Vorderräder an und schöpft dank Turbolader seine Kraft von 68 PS aus nur 659 Kubikzentimeter Hubraum. Vier Ventile pro Zylinder und zwei obenliegende Nockenwellen sind seit langem Standard im japanischen Motorradbau; der in Japan sehr steuergünstige Copen beweist, dass dieses Konzept auch einem kompakten Roadster steht.
Zwar fehlt es etwas an Biss, bis der Lader Druck aufgebaut hat, dann aber wieselt der Copen munter genug los, um auch bei zügigem Verkehr anstandslos mitzuschwimmen. 12,7 Sekunden nach dem Losfahren flutscht er bereits mit 100 km/h durch die Frühlingsluft, und erst bei 170 km/h halten sich Vortrieb und Luftwiderstand die Waage.
Vergnügliche Schaltung, ernsthafte Bremse
Das sauber abgestufte, manuelle Fünfgang-Getriebe macht Schaltvorgänge zum Vergnügen und zeigt, wie unnötig eigentlich automatische oder halbautomatische Schaltsysteme in dieser Auto-Kategorie sind. Erstaunlich ernsthaft packt die Bremse zu. Eine maximale Verzögerung von 10,2 m/s2 bringt den Copen aus 100 km/h schon nach 37,8 Metern zum Stehen, und selbst warmgebremst hält sich das Fading in Grenzen: Unter 9,2 m/s2 sackt kein Bremswert ab.
Seine Paradedisziplin spielt der Liliput-Racer auf engen, kurvigen Strecken aus. Der Fahrer fühlt sich als integratives Bestandteil einer kleinen Fahrmaschine, die entwickelt wurde, um in das graue Einerlei des Alltags eine kräftige Instant-Portion guter Laune einzurühren. Den engen Slalom durchpfeilt er mit einem Durchschnittstempo von 62,1 km/h, wobei er sogar noch den Smart Roadster (61,7 km/h) stehen lässt. Der liegt dafür im ISO-Wedeltest vorn (124,7 zu 122,6 km/h), was seinen Grund in der Gewichtsverteilung hat.
Da der Copen nur 38,7 Prozent seiner 875 Kilogramm auf der Hinterachse trägt, neigt er beim Lastwechsel in schnelleren Kurven zum gemäßigten Übersteuern, das Heck drängt keck leicht nach außen. Problematisch wird diese Eigenart des Daihatsu jedoch nicht, und mit der leichtgängigen Servolenkung lässt sich die Übersteuertendenz leicht parieren.
Reisen? Nur geschlossen
Längeres Reisen zu zweit findet zweckmäßigerweise bei geschlossenem Dach statt. Nur dann lässt sich das volle Kofferraum-Volumen von 210 Litern nach VDA-Norm auch nutzen. Nimmt der Copen den Hut ab, schrumpft das Gepäckabteil auf gerade mal noch 14 Liter. Pfiffig allerdings schließt der Heckdeckel nach zartem Andrücken automatisch, was einen Hauch von Luxusklasse verbreitet. Damit belebt die Technik der Feinwagen jetzt auch das Kleinwagen-Segment.
Bis zum Verkaufsstart im September lässt das Werk dem Copen noch ein wenig Detailabstimmung angedeihen. Da in Japan sein Höchsttempo auf 135 km/h begrenzt ist, läuft das hier gezeigte Vorserien-Exemplar mit einer noch nicht auf Abgas und Verbrauch optimierten, für Europa programmierten Motorsteuerung. Die in den Handel kommenden Exemplare sollen dann der Euro 3-Norm entsprechen.
Auch der Blinkerhebel wird auf die linke Seite wandern. Ansonsten bleibt der Copen, was er heute schon ist: die originellste Art, Europa von der Beifahrerseite aus zu erfahren.