Ferrari 275 GTB/4*S NART Spider von 1967

Steve McQueens Ferrari soll 20 Millionen kosten

Der 1967 ausgelieferte Ferrari 275 GTB/4*S NART Spider gehört zu einer Serie von zehn Exemplaren. Das Fahrzeug aus dem Erstbesitz von Steve McQueen wird nach vier Jahrzehnten in einer Privatsammlung erstmals öffentlich angeboten.

Ferrari 275 GTB/4 NART Spider (1967) Blu Sera Erstbesitz Steve McQueen Foto: Copyright and Courtesy of Gooding & Company, LLC. Images by Mathieu Heurtault 5 Bilder

Wenige Schauspieler waren so untrennbar mit Autos und Motorrädern verbunden wie Steve McQueen. Sein 1967 ausgelieferter Ferrari 275 GTB/4*S NART Spider ist eines von weltweit nur zehn Exemplaren und wird nun erstmals öffentlich angeboten.

Steve McQueen suchte Fahrzeuge, die schnell fuhren, gut bremsten und Kurven beherrschten. Er schätzte Wagen, die sich vom Rennsport ableiteten. Als das Magazin Road & Track im September 1967 den Ferrari 275 GTS/4 NART vorstellte, nannte es ihn den "befriedigendsten Sportwagen der Welt". Für McQueen, der bereits eine enge Affinität zu Ferrari besaß, war der Erwerb eines NART Spider kein Impulskauf, sondern die bewusste Entscheidung eines Automobilkenners.

Chinetti sah das Potenzial, Scaglietti baute das Auto

Luigi Chinetti, der dreifache Le-Mans-Sieger und US-Importeur von Ferrari, erkannte in den 1960er Jahren die Nachfrage nach einer offenen Version des GTB/4. Ferrari autorisierte daraufhin eine Kleinserie bei Scaglietti. Nur 10 Exemplare wurden gebaut; die ersten beiden aus Aluminium, die übrigen acht mit einer Stahl-Karosserie.

Chassis 09437, der erste gebaute Wagen, sicherte sich bei den 12 Stunden von Sebring 1967 den zweiten Platz in seiner Klasse und den 17. Platz im Gesamtklassement. Kurz darauf erlangte dieser Wagen Filmruhm in "Thomas Crown ist nicht zu fassen". McQueen, der das Auto auf der Leinwand sah, schritt zur Tat und erwarb über Hollywood Sport Cars sein eigenes Exemplar: das hier präsentierte Chassis 10453.

Der sechste von zehn 275 GTB/4 NART Spider

Laut dem Ferrari-Historiker Marcel Massini war 10453 der sechste gebaute NART Spider. Seine Scaglietti-Karosserie verließ das Werk in Blu Sera mit schwarzem Connolly-Leder im Interieur – als erster von nur zwei so spezifizierten Wagen. Im September 1967 fertiggestellt, ging der Ferrari an Luigi Chinetti Motors und wurde nach Los Angeles geflogen. Da McQueen abwesend war, nahm sein Freund R. Lee Brown das Auto am Flughafen in Empfang und brachte es in seine Werkstatt auf dem Hollywood Boulevard.

McQueen: "Nicht mein Blau"

McQueens erste Reaktion nach der Begutachtung fiel nüchtern aus: "Nicht mein Blau." Trotz des hohen Kaufpreises ließ er den Wagen umgehend anpassen. Brown demontierte die Stoßstangen, installierte einen externen Renntankdeckel sowie einen Rallye-Spiegel und integrierte eine Radiokonsole mitsamt versenkbarer Antenne. Der Polsterer Tony Nancy versah die Sitze mit einer markanten Naht.

Nach einem Auffahrunfall kurz nach der Fertigstellung wurde der Wagen von Hershel "Junior" Conway instand gesetzt und erneut in dunklem Metallic-Blau lackiert. Dabei erhielt das Heck seine charakteristischen Ausformungen. Bis heute trägt der Wagen diese Modifikationen aus seiner frühen Hollywood-Ära, ergänzt durch die kalifornische Zulassung ZSW 815 aus dem Jahr 1969.

Selten in der Öffentlichkeit

Um 1971 übernahm J. David Kopf – ein Ingenieur und Sammler aus Kalifornien – das Fahrzeug. Kopf, der unter anderem den Dreisitz-Ferrari von Gianni Agnelli besessen hatte, behielt den NART Spider rund 15 Jahre lang in seiner Obhut. 1985 veräußerte er das Auto an einen Ferrari-Händler auf Long Island, von dem der heutige Besitzer es im darauffolgenden Jahr erwarb.

Seit vier Jahrzehnten bildet der Wagen das Herzstück einer der angesehensten US-Sammlungen. Abgesehen von Auftritten beim Louis Vuitton Classic 1996 und einer Ausstellung im Chrysler Museum of Art im Jahr 2003 führte der NART Spider ein abgeschiedenes Dasein. Er behielt seinen V12-Motor, das originale Getriebe und die Details aus der Ära von Steve McQueen.

Schätzpreis: 15 bis 20 Millionen

Das US-Auktionshaus Gooding Christie's versteigert Steve McQueens Ferrari 275 GTB/4 NART Spider am 20./21. November während der Rétromobile in New York. Der Schätzpreis liegt bei 15 bis 20 Millionen US-Dollar, umgerechnet 13,35 bis 17,8 Millionen Euro.